


Er galt über Jahrzehnte als das freundliche Gesicht des Profi-Golfs: Phil Mickelson, sechsfacher Major-Sieger, Schwarm der Fans und charismatischer Botschafter seines Sports. Doch seit dem Frühjahr 2026 erscheint dieses Bild in einem grundlegend anderen Licht. Ein ausführlicher Investigativbericht des renommierten Golf-Journalisten Alan Shipnuck, veröffentlicht am 26. Juni 2026 auf dem Portal Skratch, zeichnet auf Basis von 19 Interviews und juristischer Prüfung das Bild eines jahrelangen Musters unangemessenen Verhaltens — und trifft einen Mann, der sich schon seit Monaten aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.
Phil Mickelson, geboren am 16. Juni 1970 in San Diego, zählt zu den bekanntesten Golfern der Geschichte. Mit sechs Major-Titeln — darunter dreimal das Masters Tournament, die PGA Championship sowie die Open Championship 2013 in Muirfield — hat er sich einen festen Platz in der Riege der Golflegenden gesichert. Im angloamerikanischen Sprachraum längst als „Lefty" bekannt, begeisterte er das Publikum über Jahrzehnte mit aggressivem Stil, riskanten Schlägen und einer charismatischen Ausstrahlungskraft, die im Golfsport selten ist.
2022 sorgte Mickelson für Aufsehen, als bekannt wurde, dass er zu LIV Golf wechseln würde, dem saudi-finanzierten Breakaway-Circuit. Noch vor der offiziellen Gründung des Circuits kursierten Zitate aus Shipnucks Mickelson-Biographie, in denen der Golfer freimütig über seine Kalkulation sprach. Der Sturm legte sich — vorerst.
Den öffentlichen Auftakt der aktuellen Berichterstattung bildete ein Bericht des Fachmagazins Golf Digest vom 11. Juni 2026. Die Autoren Joel Beall und Tod Leonard berichteten erstmals, dass Mickelson im März 2026 seinen jahrzehntelangen Mitgliedsstatus im exklusiven Farms Golf Club im kalifornischen Rancho Santa Fe verloren hat.
Laut den Recherchen hatte eine weibliche Mitarbeiterin des Clubs nicht-einvernehmlichen, unangemessenen Körperkontakt durch Mickelson gemeldet. Club-Offiziellen zufolge wurde Mickelson daraufhin während einer laufenden Runde auf dem Platz aufgesucht und aufgefordert zu gehen. Kurz danach verlor er seine Mitgliedschaft, die er über viele Jahre innegehalten hatte.
Der Club bestätigte öffentlich, eine gründliche, unabhängige Untersuchung abgeschlossen und „entschlossene Maßnahmen" ergriffen zu haben. Mickelsons Anwalt Tom Clare bezeichnete den Vorfall zunächst als „Missverständnis", das bereits ausgeräumt worden sei. Clare behauptete zudem, Videoaufnahmen würden die Darstellung der Mitarbeiterin widerlegen — eine Behauptung, die der Club umgehend zurückwies: Im betreffenden Bereich habe es keine Kameras gegeben. Eine Strafanzeige wurde von keiner der beteiligten Parteien erstattet.
Lesen Sie hier mehr zum Rauswurf von Phil Mickelson aus dem Farms Golf Club.

Was Golf Digest als Einzelvorfall beschrieb, erscheint im Licht von Shipnucks weiterführender Recherche als Teil eines längeren Musters. Der Journalist dokumentiert in seinem Bericht abrupte Enden der Club-Mitgliedschaft Mickelsons bei gleich drei hochexklusiven Golfclubs.
Beim Madison Club in La Quinta, Kalifornien — wo Mickelson zeitweise eine Eigentumswohnung besessen hatte und regelmäßig im Winter trainierte — soll es ebenfalls zu Situationen gekommen sein, die seinen Abgang im Jahr 2021 mitbeeinflussten. Quellen Shipnucks zufolge soll Mickelson dort Frauen empfangen haben, die nicht seine Frau waren.
Noch augenscheinlicher sind die Vorfälle bei The Bridges in Rancho Santa Fe. Dort soll Mickelson — laut mehreren unabhängig voneinander befragten Quellen — einem Mitarbeiter des Pro-Shops 500 Dollar gezahlt haben, damit dieser sein Mobiltelefon stundenlang mit sich auf dem Platz trug. Der Grund: Seine Ehefrau Amy verfolgte seinen Standort per GPS.
„Amy verfolgte sein Handy; auf diese Weise dachte sie, er sei auf dem Golfplatz. Das gab Phil die Zeit, sich heimlich zu einem privaten Treffen zu begeben."— Anonyme Quelle, The Bridges (via Skratch)
Mickelsons Mitgliedschaft bei The Bridges wurde später auf den Tour-Championship-Sieger von 2017, Xander Schauffele, übertragen. Mickelson selbst hat sich zu keinem dieser Vorfälle öffentlich geäußert.
Der am gründlichsten belegte Vorwurf im Shipnuck-Bericht betrifft Ashley Perez, die Ex-Frau des Profi-Golfers Pat Perez. Sie ist die einzige namentlich genannte Zeugin in dem Bericht — eine bewusste Entscheidung, wie sie selbst erläutert. Ihre Aussage wird zusätzlich durch ein aufgezeichnetes Telefongespräch gestützt, das Shipnuck nach eigenen Angaben gehört hat.
Dem Bericht zufolge hatte Mickelson das Ehepaar Perez eingeladen, während der Barclays Championship 2015 in seiner Villa bei Liberty National Golf Course in New Jersey zu wohnen. An einem Abend auf der Terrasse, als Pat Perez kurz die Toilette aufsuchte, soll Mickelson Ashley Perez ein explizites Nacktfoto von sich auf dem Handy gezeigt und sie anschließend zu einem spätnächtlichen Treffen eingeladen haben.
„Phil sagt zu mir: Ich werde heute Nacht meine Schlafzimmertür offen lassen. Wenn Pat eingeschlafen ist, möchte ich, dass du zu mir kommst."— Ashley Perez (via Skratch)
Ashley Perez lehnte ab. Sie schwieg gegenüber ihrem Mann bis zum Ende des Turniers, um keine Eskalation zu riskieren. Pat Perez erfuhr schließlich von dem Vorfall — und sprach so ausgiebig darüber, dass die Geschichte bald in der Golfer-Gemeinschaft kursierte. Mickelson entschuldigte sich später bei Pat Perez bei einer Corporate-Veranstaltung persönlich. Im Jahr 2022 folgte eine zweite Entschuldigung in einem 26-minütigen Telefongespräch, das Ashley Perez aufzeichnete und Shipnuck zugänglich machte.
Pat Perez hatte die Situation bereits 2022 in dem Golf-Podcast „Son of a Butch" von Claude Harmon öffentlich angedeutet: „Phil hat eine Grenze überschritten, die einfach nicht überschreitbar und unverzeihlich ist. Er weiß, dass er Mist gebaut hat. Er hat sich für die Handlung entschuldigt, aber ich kann ihm nicht vergeben."— Pat Perez, Podcast „Son of a Butch"

Ashley Perez schildert gegenüber Skratch einen weiteren Vorfall, der sich bereits vor dem Barclays-Turnier ereignet haben soll: Bei einem Restaurantbesuch mit Pat Perez, Mickelsons Agenten Steve Loy und weiteren Personen soll Mickelson das Gespräch gezielt in eine sexuelle Richtung gelenkt und dabei explizite Körpergesten vor den Augen aller Anwesenden ausgeführt haben.
„Es war unglaublich unangemessen — wir saßen in einem gehobenen Restaurant mit vielen Leuten am Tisch."— Ashley Perez (via Skratch) Auch für diesen Vorfall entschuldigte sich Mickelson im aufgezeichneten Telefongespräch von 2022.
Eine weitere Frau, die anonym bleibt, berichtete Shipnuck von einem Vorfall bei einem Abendessen während einer Turnierwoche. Demnach soll Mickelson im Verlauf des Abends zunehmend explizit und laut geworden sein — mit aufdringlichen Fragen und sexuellen Avancen. Zwei weitere Gäste, die an dem Abend anwesend waren, bestätigten das geschilderte Verhalten unabhängig voneinander. „Es war schrecklich — ich schwitzte stark. Es fühlte sich wie verbale Vergewaltigung an."— Anonyme Zeugin (via Skratch)
Dass Ashley Perez als einzige Zeugin namentlich an die Öffentlichkeit geht, ist eine bewusste und erklärte Entscheidung. Ihr Statement gibt dem Bericht eine strukturelle Dimension, die über den Einzelfall hinausweist:
„Es gibt eine Kultur des Schweigens, die Frauen davon abhält, sich zu melden. Ich möchte anderen Frauen den Mut geben, ihre Wahrheit zu teilen. Bei Phil habe ich das Gefühl, dass das Muster schon seit Jahren existiert, aber die Leute hatten Angst, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil es Phil Mickelson ist. Wir geben diesen Golfern so viel Bewunderung und Geld, dass sie sich wie Götter fühlen. Sie halten sich für unantastbar. Ein Profi-Athlet zu sein, befreit einen nicht davon, sich in der Gesellschaft respektvoll zu verhalten."— Ashley Perez (via Skratch)
Ihr öffentliches Auftreten erhöht den Druck auf Mickelson erheblich — und könnte anderen Frauen Ermutigung bieten. Zugleich verleiht das aufgezeichnete Telefongespräch, in dem Mickelson sich entschuldigt, der Darstellung eine dokumentarische Grundlage, die in solchen Fällen selten ist.
Phil Mickelson selbst hat sich bislang zu keinem der Vorwürfe öffentlich geäußert. Sein letzter öffentlicher Social-Media-Post datiert vom 9. Juni 2026. Stattdessen übernahmen sein Anwalt Tom Clare und Sprecherin Jennifer Connelly die Kommunikation. Clare bestreitet die Vorwürfe pauschal, ohne einzelne Punkte zu spezifizieren:
„Einige der Anschuldigungen, die über Herrn Mickelson kursieren, sind falsch, und andere greifen Fehler auf, die er bereits öffentlich oder privat eingestanden hat. Diese strittigen Behauptungen neben den Dingen aufzulisten, die er anerkannt hat, macht sie nicht glaubwürdiger. Es trägt stattdessen zu einer falschen und irreführenden Darstellung bei."— Tom Clare, Anwalt Phil Mickelsons (via Skratch / USA Today)
Welche konkreten Behauptungen falsch seien und welche Mickelson eingestehe, ließen Clare und die Sprecherin offen. Connelly betonte, Amy Mickelson unterstütze ihren Mann weiterhin und widme sich gemeinsam mit ihm einem privaten familiären Gesundheitsanliegen. Clare ergänzte in einer weiteren Stellungnahme gegenüber Golfweek:
„Ein kleiner Teil der Golf-Medien hat entschieden, dass — weil Herr Mickelson ein erfolgreicher Golfer ist — jedes Detail seines Privat- und Familienlebens ihnen zur Ausbeutung gehört. Fehler, die er bereits eingestanden hat, als neue Berichterstattung aufzubereiten und private Familienangelegenheiten öffentlich zu machen, ist leichtfertig. Es ist die Jagd nach Klicks auf Kosten der Wahrheit."— Tom Clare
Pat Perez selbst antwortete auf eine Anfrage von Skratch knapp: Er spreche nicht über Mickelson. Seine 2022 auf dem Podcast geäußerten Worte — dass Mickelson eine für ihn unvergebbare Grenze überschritten habe — sind seither nicht zurückgenommen worden.
Der Club bestätigte kurz und klar, eine unabhängige Untersuchung abgeschlossen und entschlossene Maßnahmen ergriffen zu haben. Auf Clares Behauptung, Videobeweise widersprächen der Darstellung der Mitarbeiterin, reagierte der Club mit dem Hinweis, dass in dem betreffenden Bereich keine Kameras installiert seien.
Die Reaktionen aus dem Profi-Golf selbst fallen aufschlussreich aus. Der frühere PGA-Champion Mark Brooks kommentierte gegenüber Shipnuck Mickelsons Abwesenheit beim Champions Dinner der PGA Championship 2026 in Aronimink:
„Hätte er den Raum betreten, wäre die Temperatur um zehn Grad gesunken. Der Empfang wäre kühl gewesen."— Mark Brooks, ehem. PGA-Champion (via Skratch)
Parallel zur Eskalation der Vorwürfe durchlebt Mickelson die sportlich dunkelste Phase seiner Karriere. Sein letzter Wettkampfauftritt datiert vom März 2026, als er beim LIV-Golf-Turnier in Südafrika auf dem geteilten 48. Platz landete. Seitdem ist er öffentlich nicht mehr auf dem Platz erschienen.
Alle drei Majors des Jahres 2026 hat er verpasst: das Masters und die PGA Championship, zu denen ihn sein Status als früherer Titelträger berechtigt hätte, sowie die US Open, für die seine fünfjährige Ausnahmegenehmigung nach dem PGA-Championship-Sieg 2021 abgelaufen war und für die er keine Sondereinladung der USGA erhielt.
Im Juni 2026 folgte der Rückzug von The Open Championship in Royal Birkdale — dem Turnier, das Mickelson als das emotionalste seines Lebens bezeichnet hatte. Seinen Triumph 2013 in Muirfield beschrieb er selbst als Ergebnis von zwei Jahrzehnten gezielter Arbeit an seinem Links-Spiel. Die Entscheidung zum Rückzug soll bereits um den 18. Juni gefallen sein — rund zwei Wochen vor der Veröffentlichung des Shipnuck-Berichts. Damit wird 2026 das erste Jahr seit 1989, in dem Mickelson an keinem einzigen Major teilnimmt.
Journalist Shipnuck skizziert in einem Podcast-Gespräch ein düsteres Bild der sportlichen Zukunft Mickelsons: „Um bei einem PGA-Tour- oder Senior-Tour-Event spielen zu können, müsste er eine Sperre von mindestens einem Jahr und eine hohe Geldstrafe akzeptieren. Ich glaube, er ist dazu nicht bereit. Wenn LIV Golf nächstes Jahr verschwindet — was zunehmend wahrscheinlich ist —, ist Phil ein Mann ohne Heimat. Er hat nirgendwo zu spielen."
LIV Golf selbst steht unter erheblichem Druck: Der saudi-arabische Public Investment Fund, der den Circuit mit über fünf Milliarden Dollar finanziert hat, hat angekündigt, seine Mittel bis Ende 2026 zurückzuziehen. Eine Deadline für einen möglichen neuen Geldgeber soll im September liegen.
Lesen Sie hier alles über die vier Major-Turniere im Herren-Golf.
Die Vorwürfe gegen Phil Mickelson stehen nicht für sich allein. Sie treffen einen Mann, dessen öffentliches Image in den letzten Jahren bereits durch den umstrittenen Wechsel zu LIV Golf, eine öffentlich eingestandene Spielsucht und undurchsichtige Rückzugsankündigungen gelitten hatte. Was Shipnucks Bericht hinzufügt, ist die Systematik: kein Einzelvorfall, sondern ein über mehr als ein Jahrzehnt dokumentiertes Muster — mit übereinstimmenden Aussagen mehrerer Quellen, einem aufgezeichneten Telefongespräch und einer namentlich auftretenden Hauptzeugin.
Der anonyme Weggefährte, dessen Worte den Bericht abschließen, bringt den Absturz eines einstigen Idols auf den Punkt: „Er hätte Arnold Palmer sein können. [...] Meine Einschätzung: Er begann, an seinen eigenen Unsinn zu glauben. Er dachte, er sei kugelsicher, weil er sein ganzes Leben lang bei allem davongekommen war. Aber am Ende hatte er zu viele Dämonen. Er wurde von seiner eigenen Dunkelheit verschluckt."— Anonymer Freund Phil Mickelsons (via Skratch)
Offen bleiben viele Fragen: Wird Mickelson je öffentlich Stellung beziehen? Werden weitere Frauen sprechen? Welche sportliche Zukunft hat einer der bekanntesten Golfer der Welt, wenn LIV Golf als einzige verbleibende Spielstätte wegbricht? Und was bedeuten die Vorfälle für eine Sportart, in der — so Ashley Perez — eine „Kultur des Schweigens" Fehlverhalten mächtig geschützter Männer lange abgeschirmt hat?
Strafrechtlich ist bislang nichts anhängig: Keine der beschuldigenden Frauen hat Anzeige erstattet. Die moralische, sportliche und gesellschaftliche Debatte hingegen hat gerade erst begonnen.
29 Jun 2026
Phil Mickelson wird beschuldigt, mehrere Frauen belästigt zu haben. (Foto: Imago / Shutterstock)