


Es ist die wohl unwahrscheinlichste Geschichte, die LIV Golf in seiner Geschichte bisher geschrieben hat. Fast 16 Jahre nach seinem letzten Sieg und nach einer zwölfjährigen Phase der völligen Isolation feierte Anthony Kim am Sonntag bei LIV Golf Adelaide ein Comeback für die Ewigkeit.
Als Anthony Kim im Jahr 2012 die PGA Tour verließ, verschwand er nicht nur von den Bestenlisten, sondern komplett aus der Öffentlichkeit. Verletzungen und eine schwere Suchtproblematik ließen eine Rückkehr zum Profisport über ein Jahrzehnt lang unmöglich erscheinen. Doch beim LIV Golf Event in Australien schloss sich nun der Kreis. Mit einer fehlerfreien 63er-Runde am Finaltag kämpfte sich der inzwischen 40-Jährige zurück ins Rampenlicht und bewies, dass sein Motto „1 Prozent besser jeden Tag“ mehr als nur eine Floskel ist.
Hier finden Sie das finale Leaderboard von LIV Golf Adelaide.
Kim startete mit fünf Schlägen Rückstand auf die Schwergewichte Jon Rahm und Bryson DeChambeau in den Finaltag. Während DeChambeau früh mit seinem Spiel haderte, entwickelte sich zwischen Rahm und Kim ein hochklassiges Duell.
Der entscheidende Moment ereignete sich am 12. Loch, dem berüchtigten „Watering Hole“. Unter dem ohrenbetäubenden Jubel der australischen Fans lochte Kim einen fast fünf Meter langen Birdie-Putt zum Gleichstand. Ein emotionaler Faustschlag (Fist Pump) signalisierte der Konkurrenz: Der alte „AK“ ist wieder da. Mit vier weiteren Birdies auf den letzten sechs Löchern distanzierte er das Feld und sicherte sich den Einzelsieg bei diesem prestigeträchtigen LIV-Golf-Turnier.
Hinter dem sportlichen Erfolg steht eine menschliche Tragödie, die nun ein Happy End fand. Kim sprach nach seinem Sieg offen über die dunklen Jahre, in denen er täglich mit Suizidgedanken und Abhängigkeiten kämpfte. Seit drei Jahren ist der Kalifornier nun trocken. „Niemand außer mir muss an mich glauben“, erklärte ein sichtlich bewegter Kim nach dem Turnier. „Aber für jeden, der gerade eine schwere Zeit durchmacht: Gebt verdammt noch mal nicht auf!“
Besonders emotional wurde es am 18. Grün, als seine vierjährige Tochter Bella auf ihn zulief. Für Kim war dies der wichtigste Moment des Tages – der Beweis, dass er nicht nur als Golfer, sondern auch als Vater und Mensch gewonnen hat.
Während Kim die Einzelwertung für sich entschied, gab es auch für die australischen Fans Grund zum Feiern. Der Ripper GC unter der Leitung von Captain Cameron Smith sicherte sich den Sieg in der Teamwertung. Es war der zweite Heimsieg für das australische Quartett innerhalb von drei Jahren.
Anthony Kim selbst feierte einen glänzenden Einstand für sein neues Team, die 4Aces GC von Dustin Johnson. Durch Kims dominante Leistung kletterte das Team am Ende auf den dritten Platz der Gesamtwertung und unterstrich die neue Tiefe im Kader der Aces.
Das Event in Adelaide unterstrich den Status von LIV Golf als Entertainment-Marke, die insbesondere "Down Under" funktioniert. Mit mehr als 115.000 Zuschauern über die gesamte Woche wurde laut Veranstalter ein neuer Besucherrekord für Golfveranstaltungen in Australien aufgestellt. Greg Norman forderte in seiner ihm eigenen Art daraufhin gleich ein Major-Turnier für sein Heimatland.
Anthony Kim wird seinen Sieg derweil auf seine ganz eigene Weise feiern: Statt einer ausschweifenden Party steht ein Fernsehabend mit seiner Tochter und dem Film „Frozen“ auf dem Programm – ein passender Abschluss für ein märchenhaftes Wochenende in "Down Under".
16 Feb 2026
Anthony Kim gewinnt seinen ersten Titel bei LIV Golf. (Foto: Imago / AAP)