


Es war ein Streit, der sich über Monate hinzog, öffentlich ausgetragen wurde und zwischenzeitlich unversöhnlich schien. Am 5. Mai 2026 ist er beigelegt: Jon Rahm und die DP World Tour haben sich geeinigt. Der 31-jährige Spanier zahlt sämtliche ausstehenden Geldstrafen, die sich seit seinem LIV-Golf-Debüt 2024 angesammelt haben, und verpflichtet sich, in der verbleibenden Saison mindestens fünf Turniere der europäischen Tour zu bestreiten — abseits der Majors. Im Gegenzug erhält er sogenannte „Conditional Releases", also befristete Freigaben, um weiterhin bei LIV-Events antreten zu dürfen, ohne neue Sanktionen zu kassieren.
„Es gibt keinen Machtkampf mehr", sagte Rahm auf der Pressekonferenz des LIV-Golf-Events in Virginia. „Wir konnten eine Einigung erzielen. Beide Seiten haben Zugeständnisse gemacht. Ich habe einige angeboten, sie haben einen Olivenzweig ausgestreckt. Das wird ab jetzt kein Stressfaktor mehr sein."
Die Vorgeschichte macht das Ausmaß der Kehrtwende deutlich. Noch im März 2026 hatte Rahm ein erstes Angebot der DP World Tour öffentlich zurückgewiesen und dabei scharfe Worte gewählt: Die Tour betreibe „Erpressung" gegenüber Spielern, die zurückkehren wollten. Zwei Monate später klingt das ganz anders.
Was hat sich verändert? Vor allem die Machtverhältnisse. Ende April bestätigte Saudi-Arabiens Public Investment Fund (PIF), dass er die Finanzierung von LIV Golf nach der laufenden Saison einstellen wird. Über fünf Milliarden Dollar hatte der Staatsfonds in das Projekt gepumpt. Nun dreht er den Geldhahn zu. Für Rahm und seine LIV-Kollegen veränderte diese Nachricht alles — plötzlich war die europäische Tour nicht mehr der Bittsteller, sondern der Torwächter.
Laut der offiziellen Mitteilung der DP World Tour umfasst die Vereinbarung zwei Kernpunkte: die Begleichung aller seit 2024 aufgelaufenen Geldstrafen sowie die Teilnahme an vereinbarten Turnieren außerhalb der Majors für den Rest der Saison 2026. Die Höhe der Strafen wird auf rund zwei Millionen Pfund geschätzt — eine Summe, die angesichts von Rahms LIV-Einnahmen von knapp 92,5 Millionen Dollar Preisgeld in zwei Saisons verkraftbar sein dürfte.
Die Vereinbarung ähnelt einem Abkommen, das bereits im Februar acht andere LIV-Spieler mit der DP World Tour geschlossen hatten: Tyrrell Hatton, Laurie Canter, Tom McKibbin, Thomas Detry, Victor Perez, Adrian Meronk, David Puig und der Australier Elvis Smylie. Diese acht müssen allerdings mindestens sechs Turniere bestreiten — eines mehr als Rahm — und die Tour darf zwei davon bestimmen. Dass Rahm mit fünf Pflichtturnieren etwas bessere Konditionen erhielt, dürfte seinem Status als zweifacher Major-Sieger und ehemaliger Weltranglistenerster geschuldet sein.
Die unmittelbarste Konsequenz der Einigung betrifft den Ryder Cup 2027 in Adare Manor, Irland. Kapitän Luke Donald, der Europa bereits in Rom 2023 und in Bethpage Black 2025 zum Sieg geführt hat, kann nun wieder mit Rahm planen — einem Spieler, dessen Bilanz im Kontinentalvergleich beeindruckend ist: vier Teilnahmen, 17 Matches, neun Siege, fünf Niederlagen, drei Unentschieden. In Vierer-Matches (Foursomes) ist Rahm ungeschlagen: sechs Spiele, sechs Siege. Gemeinsam mit Hatton, der bereits im Februar seinen Deal abschloss, bildet er ein eingespieltes Duo — fünf gemeinsame Matches ohne Niederlage, vier Siege.
Rahm kann ab dem PGA Championship kommende Woche bereits Punkte für die Race-to-Dubai-Wertung sammeln und sich so für eine automatische Qualifikation empfehlen. Alternativ stünde er als Captain's Pick zur Verfügung.
So erleichternd die Einigung mit der DP World Tour für Rahm sein mag — sie löst nur einen Teil des Problems. Sein LIV-Vertrag, der auf rund 300 Millionen Dollar geschätzt wird, läuft noch mehrere Jahre. Und Rahm machte am Dienstag unmissverständlich klar, dass er daran gebunden bleibt.
„Ich habe noch mehrere Jahre Vertragslaufzeit, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie bei der Ausarbeitung gute Arbeit geleistet haben. Ich sehe nicht viele Auswege", sagte er. „Im Moment denke ich nicht wirklich darüber nach, da wir noch eine Saison zu spielen und Majors zu bestreiten haben."
Es ist eine bemerkenswerte Situation: Rahm hat sich den Weg zurück auf die europäische Tour erkämpft, bleibt aber vertraglich an eine Liga gebunden, deren Zukunft ungewisser ist denn je. LIV Golf spricht von einer „strategischen Evolution" und sucht externe Investoren. CEO Scott O'Neil behauptet, in den vergangenen Tagen „ein Dutzend Anfragen" von potenziellen Geldgebern erhalten zu haben — aus dem Private-Equity-Bereich, von Family Offices und vermögenden Einzelpersonen. Die Liga hat zudem die Investmentbank Ducera Partners als Berater engagiert. Ob daraus tragfähige Partnerschaften entstehen, ist offen.
Rahm selbst gab im Pressegespräch außerdem zu, dass der PIF-Rückzug die Spieler kalt erwischt hat: „Ich würde sagen, wie alle anderen auch — überrascht, offensichtlich unerwartet. Wir hatten zuvor die Nachricht erhalten, dass die Finanzierung für viele Jahre gesichert sei."
Einiges bleibt ungeklärt. Rahms Status auf der PGA Tour ist ein völlig separates Thema und derzeit nicht geregelt. Die DP-World-Tour-Vereinbarung gilt zunächst nur für den Rest der Saison 2026; im November steht die nächste Frist für die Mitgliedschaftsverlängerung 2027 an. Und die Frage, was passiert, wenn LIV Golf noch vor Saisonende den Betrieb einstellt, ist vertragsrechtliches Neuland.
Auch persönlich steht Rahm vor einer Terminkollision: Seine Frau erwartet im Oktober ein Kind, was die Teilnahme an Herbstturnieren — insbesondere den Spanish Open — gefährden könnte. „Meine einzige Sorge bei den Oktober-Events ist der Geburtstermin. Das ist das Einzige, was mich davon abhalten könnte, bei den Spanish Open dabei zu sein", sagte er.
Rahms Einigung ist mehr als eine individuelle Lösung. Sie etabliert ein Muster: Strafen zahlen, Turniere spielen, Berechtigung zurückgewinnen. Neun LIV-Spieler haben diesen Weg nun beschritten. Für die DP World Tour ist es ein Balanceakt — einerseits will sie die besten Spieler zurück, andererseits darf sie die Regeln nicht so weit aufweichen, dass loyale Mitglieder sich bestraft fühlen.
Für Rahm selbst ist es ein pragmatischer Kompromiss. Er behält seinen lukrativen LIV-Vertrag, kann wieder auf der europäischen Tour spielen und hat den Ryder Cup im Blick. Aber die Freiheit, die er sich 2023 mit dem Wechsel zu LIV erkaufen wollte, hat er nicht. Sein Vertrag bindet ihn, die Zukunft seiner Liga ist ungewiss, und die Rückkehr auf die PGA Tour bleibt ein fernes Ziel.
Der Machtkampf mit der DP World Tour ist vorbei. Der Machtkampf um seine eigene Karriere hat gerade erst begonnen.
06 May 2026
Jon Rah, hat sich mit der DP World Tour auf eine Beilegung des Streits geeinigt und ist wieder spielberechtigt für den Ryder Cup. (Foto: Imago / ImagenShop)