


Der spanische Golfstar Jon Rahm sorgt erneut für Schlagzeilen abseits des Grüns. Nachdem er über 18 Monate gegen die Sanktionen der DP World Tour (ehemals European Tour) gekämpft hatte, zog er nun überraschend seine Berufung zurück. Doch ein Friedensschluss ist nicht in Sicht: Jon Rahm verweigert weiterhin die Zahlung von Millionenstrafen und riskiert damit seine Teilnahme am Ryder Cup 2027.
Am 10. März 2026 bestätigte die DP World Tour offiziell, dass Jon Rahm seine Berufung gegen die verhängten Sanktionen zurückgezogen hat. Diese juristische Hintertür hatte es dem zweifachen Major-Sieger seit seinem Wechsel zu LIV Golf ermöglicht, trotz laufender Strafverfahren an Turnieren der Tour und dem Ryder Cup 2025 teilzunehmen. Mit dem Ende des Rechtsstreits fällt dieser Schutzschirm nun weg.
Während Experten einen Kompromiss erwarteten, bleibt die Situation verfahren. Jon Rahm stellte unmissverständlich klar, dass er nicht beabsichtigt, die angehäuften Bußgelder – die Schätzungen zufolge mittlerweile die Marke von 3 Millionen US-Dollar überschritten haben – zu begleichen.
Der Rückzug der Klage erfolgt vor dem Hintergrund eines „Friedensangebots“ der DP World Tour. Im Februar erhielten acht andere LIV-Profis, darunter Rahms Teamkollege Tyrrell Hatton, eine sogenannte „bedingte Freistellung“ (Conditional Release). Diese erlaubt es ihnen, 2026 auf beiden Touren zu spielen, sofern sie ihre Strafen zahlen und zusätzliche Turniere bestreiten.
Jon Rahm lehnte diesen Deal jedoch kategorisch ab. Er kritisierte insbesondere die Forderung, sechs bis acht Turniere auf der DP World Tour zu spielen, statt der üblichen vier. „Ich weiß nicht, welches Spiel sie spielen, aber es wirkt, als würden sie unseren Einfluss nutzen und uns gleichzeitig erpressen“, so Jon Rahm in einer deutlichen Stellungnahme. Er betonte, er wäre bereit, „noch heute Abend“ zu unterschreiben, wenn die Tour die Mindestanzahl an Turnieren auf die standardmäßigen vier reduzieren würde.

Die Entscheidung von Jon Rahm hat weitreichende Konsequenzen für das Team Europa. Um 2027 im Adare Manor (Irland) antreten zu dürfen, muss ein Spieler aktives Mitglied der DP World Tour sein und sich an deren Regeln halten. Da Jon Rahm durch den Verzicht auf die Berufung nun unmittelbar zur Zahlung der Strafen verpflichtet ist, droht ihm bei weiterer Weigerung der Verlust der Mitgliedschaft.
Ein Insider der Tour bezeichnete Rahms Haltung gegenüber Telegraph Sport als „ludicrous“ (lächerlich). Während die Tour darauf beharrt, dass Regeln für alle gelten, scheint Jon Rahm darauf zu pokern, dass seine sportliche Relevanz ihm am Ende doch eine Sonderbehandlung einbringt. Er verwies dabei auf die spanische Legende Seve Ballesteros, der sich in der Vergangenheit ebenfalls ähnliche Kämpfe mit der Tour-Leitung geliefert hatte.
Wie festgefahren die Fronten sein können, zeigt der Vergleich mit Ian Poulter. Der Ryder-Cup-Veteran hat seine Tour-Karte bereits verloren, nachdem er Bußgelder in Höhe von 1,1 Millionen Dollar nicht zahlte. Im Gegensatz zu Poulter versucht Jon Rahm jedoch weiterhin, Teil des europäischen Ökosystems zu bleiben – allerdings zu seinen eigenen Bedingungen. Da LIV Golf inzwischen Weltranglistenpunkte (OWGR) erhält, hofft Jon Rahm, sich über seine Form bei LIV und in den Majors für das Team von Luke Donald unentbehrlich zu machen.
Der Fall Jon Rahm bleibt die größte Baustelle im europäischen Golfsport. Mit dem Rückzug der Klage hat der Spanier den Druck auf sich selbst erhöht. Sein Plan, Ende des Jahres bei der Spanish Open abzuschlagen, wird zum ultimativen Härtetest: Lässt die Tour ihren größten Star ohne die Zahlung der 3 Millionen Dollar an den Teeboxen zu, oder bleibt sie hart und riskiert den Bruch mit einem ihrer wichtigsten Leistungsträger? Das letzte Wort im Fall Jon Rahm ist definitiv noch nicht gesprochen.
23 Mar 2026
Jon Rahm hat seine Berufung gegen die European Tour zurückgezogen. Der Ryder Cup bleibt für den Spanier dennoch in Gefahr. (Foto: Zuma Press Wire)