


Nach einem der dramatischsten Schlusstage der jüngeren PGA-Tour-Geschichte hat J.T. Poston das Memorial Tournament presented by Workday für sich entschieden. Der 33-jährige Amerikaner bezwang Ryan Gerard auf dem zweiten Playoff-Loch und sicherte sich damit den vierten Titel seiner Karriere – und zugleich den bedeutendsten. Für Poston, der mit vier Schlägen Vorsprung in die Finalrunde gegangen war und diesen zwischenzeitlich vollständig verspielt hatte, war es eine Demonstration von Nervenstärke unter dem Blick von Turniergründer Jack Nicklaus.
Hier finden Sie das finale Leaderboard des Memorial Tournaments der PGA Tour.
Schon die äußeren Umstände des Finaltages waren ungewöhnlich. Nachdem Gewitter den dritten Spieltag am Samstagnachmittag unterbrochen hatten, mussten die Spieler am Sonntag zunächst ihre Runde drei zu Ende bringen, ehe die vierte begann. Für Poston und seinen Caddie Aaron Fleener bedeutete das insgesamt 33 gespielte Löcher an einem einzigen Tag – auf einem der anspruchsvollsten Plätze der PGA Tour.
Poston nutzte den Morgen. Er spielte die letzten 13 Löscher der dritten Runde in drei unter Par und baute seinen Vorsprung auf vier Schläge aus. Kaum ein Beobachter rechnete zu diesem Zeitpunkt ernsthaft damit, dass diese Führung noch in Gefahr geraten würde. Doch Muirfield Village ist für seine Tücken bekannt.
Bereits am dritten Loch der Finalrunde kam der erste Rückschlag: ein Bogey. Ein Birdie auf der Sechs stabilisierte kurz, doch das neunte Loch brachte den nächsten Fehler. Durch einen Drei-Putt – seinen zweiten in dieser Runde nach einem weiteren auf Loch drei – schmolz der Vorsprung rapide. Die Verfolger nutzten die Schwäche des Führenden konsequent.
Sam Burns war einer der ersten, der Druck aufbaute. Wyndham Clark gesellte sich dazu. Ryan Gerard, der als Viertletzter der Gesamtwertung in die Runde gegangen war, spielte konstant solide. Auf Loch zwölf leistete sich Poston einen weiteren Bogey, auf Loch dreizehn folgte der vierte – und damit der Moment, in dem er die Führung tatsächlich verlor. Aus vier Schlägen vorne war binnen weniger als zwei Stunden ein Rückstand geworden.
Tommy Fleetwood unterstrich die Offenheit der Situation mit einem spektakulären Approach auf das Par-5 des 15. Lochs aus rund 220 Metern. Den Eagle-Putt aus fünf Fuß versenkte er sicher und übernahm kurzzeitig die alleinige Führung. Wenig später standen gleich fünf Spieler gleichauf an der Spitze – Poston, Gerard, Clark, Fleetwood und Burns. Ein Bild seltener Dramatik.
Auf dem 14. Abschlag, einen Schlag hinter der Führung, fasste Poston einen Entschluss. „Ich habe mir auf dem 14. Abschlag gesagt, dass ich noch fünf Löcher vor mir hatte und noch eine Chance hatte", erklärte er nach der Runde. Ein 18-Fuß-Birdie-Putt auf dem 14. Loch brachte ihn zurück ins Gespräch.
Auf Loch 17 spitzte sich die Lage zu. Gerard versenkte einen 37-Fuß-Birdie-Putt – eine Meisterleistung unter Druck – und übernahm die alleinige Führung. Fleetwood fand auf demselben Loch das Rough und musste ein Bogey hinnehmen; Burns traf es ähnlich. Beide fielen damit aus dem engsten Kreis der Titelanwärter heraus.
Für Poston war der Moment auf Loch 17 paradoxerweise befreiend. Der Par-Putt, den er nun benötigte, um im Rennen zu bleiben, geriet ihm nach eigener Aussage leichter als erwartet: „Nachdem Ryan seinen Putt gemacht hatte, war meiner ehrlich gesagt etwas einfacher. Ich wusste genau, was ich tun musste."
Was dann auf dem 18. Loch geschah, ließ selbst Jack Nicklaus staunen. Einen Schlag zurückliegend, mit dem Turniersieg praktisch außer Reichweite, spielte Poston einen 8-Eisen auf sieben Fuß an die Fahne. Den Birdie-Putt versenkte er. Nicklaus, der die Szene vom Grünrand aus beobachtete, schüttelte ungläubig den Kopf: „Stell dir vor, auf diesem Loch einen Birdie zu machen", sagte er zu einem Begleiter. Gerard benötigte seinerseits ein Birdie auf 18, um den Sieg in der regulären Runde klarzumachen – der Putt blieb draußen. Playoff.
Beide Spieler kehrten auf das 18. Loch zurück. Im ersten Playoff-Durchgang fand Poston das Grün näher an der Fahne, vergab jedoch den Birdie-Putt aus acht Fuß. Gerard ebenfalls. Das zweite Extra-Loch brachte die Entscheidung: Nach beiderseitigem Tee-Schuss ins Rough näherte Poston seinen Approach erneut besser an. Gerard verfehlte den entscheidenden Par-Putt aus knapp zwei Metern – ein Drei-Putt von rund 16 Metern beendete seine Titelchance. Poston blieb aus 3,5 Fuß cool und traf. Sieg.
„Ich bin keiner, der aufgibt", sagte Poston, nachdem er die Hand von Jack Nicklaus geschüttelt hatte. „Ich wusste, dass ich Jack die Hand schütteln werde, wenn ich von der 18 gehe – und ich wollte stolz auf diesen Händedruck sein, egal wie es ausgeht."

Über das sportliche Resultat hinaus hatte Postons Triumph unmittelbare Auswirkungen auf seinen weiteren Saisonverlauf. Durch den Aufstieg auf Weltranglistenplatz 39 – er war mit Platz 94 in die Woche gegangen – qualifizierte er sich automatisch für die U.S. Open in zwei Wochen in Shinnecock Hills. Über die Open Qualifying Series sicherte er sich zudem einen Startplatz bei The Open Championship in Royal Birkdale. Für das Masters 2027 ist er ebenfalls gesetzt.
Eine besondere Note erhält der Sieg durch das, was er Poston erspart: Die 36-Loch-Qualifikation für die U.S. Open am darauffolgenden Montag – in der Golfwelt bekannt als „Golf's Longest Day" – war für ihn damit obsolet. Caddie Fleener, erschöpft zu Boden gesunken, war wohl einer der Erleichtersten im Feld.
Poston selbst hatte die Tragweite seiner Situation im entscheidenden Moment vor Augen: „Ich habe mir im Playoff gesagt, dass das meine U.S.-Open-Qualifikation ist. Das ist meine Chance, rein zu kommen."
Für den FedExCup bedeutet der Sieg ebenfalls einen Sprung: von Platz 114 in Reichweite der Top 30 – und damit einer möglichen Teilnahme am Tour Championship.
Scottie Scheffler, der als erster Spieler seit Tiger Woods drei Memorial-Titel in Serie angestrebt hatte, blieb außer Reichweite. Mit einer abschließenden 71 landete er bei vier unter Par und teilte sich den zwölften Rang. Rory McIlroy blieb beim Memorial auch im 14. Anlauf ohne Sieg – trotz eines furiosen Starts mit fünf Birdies in den ersten sechs Löchern der Finalrunde. Er schloss mit 68 auf demselben geteilten zwölften Platz ab. Wyndham Clark spielte mit einer 67 die beste Runde des Tages, verpasste den Playoff jedoch um einen Schlag.
Die PGA Tour zieht weiter nach Toronto, wo ab Donnerstag, 11. Juni, der RBC Canadian Open im Osprey Valley ausgetragen wird. Das nächste große Highlight steht bereits in zwei Wochen an: die U.S. Open in Shinnecock Hills – mit Poston nun fest im Feld, Scheffler auf der Jagd nach dem Grand Slam und McIlroy auf der Suche nach Konstanz.
08 Jun 2026
J.T. Poston gewinnt das Memorial Tournament der PGA Tour und wird von Jack Nicklaus geehrt. (Foto: Imago / NURPhoto)