


Der Augusta National Golf Club, der exklusivste Golfclub der Welt, und sein makellos manikürtes US Masters werden getragen von großem Sport, aber auch belastet von Gutsherren-Attitüde und Rassismus:
Die Mitglieder sind handverlesen und limitiert. Wirbt Golfheld Bob Jones früher noch mit warmen Worten für diesen „Zufluchtsort, der vermögenden … Herren, der besonderen Luxus bietet, sich zurückziehen und das Spiel mit Gleichgesinnten genießen zu können“, so ist das kommentarlose Zusenden eines Zahlscheines per Post heutzutage normal. Doch berechnet werden vor allem Macht und Einfluss. Der Augusta National Golf Club ist ein Hort erzkonservativen Gedankenguts, seine Clique moralisch und ideologisch passgenau, exzellent vernetzt und diskret.
Anfangs freilich ist man trotz der vermögenden Klientel notorisch klamm und zwei Mal fast pleite. Mit Drohungen, faulen Versprechen und juristischen Winkelzügen samt einem fingierten Konkurs 1935 stellt Mitbegründer Clifford Roberts die Gläubiger kalt und schafft einen Schuldenberg von 120.000 Dollar aus der Welt.
Hier finden Sie das Leaderboard des US Masters 2026.
Sein Dünkel prägt Augusta National. „Solange ich lebe, sind bei uns die Mitglieder weiß und die Caddies schwarz“, lautet das Diktum des Direktors. Es wird ihn überdauern: 1977 erschießt sich Roberts auf dem Platz, 83 Jahre alt und vom Krebs gezeichnet; erst 1990 wird ein afroamerikanisches Mitglied ernannt.
Seit 1983 immerhin dürfen die Masters-Akteure eigene Caddies mitbringen – egal welcher Ethnie. Damit die „fremden“ Taschenträger dennoch als besondere Spezies ausgewiesen sind, verpasst Augusta National ihnen weiße Overalls. In denen sehen sie aus wie Tatortreiniger.
Das Gelände mit der Zufahrt Magnolia Lane ist „Hoheitsgebiet“, die Öffentlichkeit hat nur beim Masters Zutritt, mit strengen Regeln. Die Turniertickets sind eh rar, Eintrittskarten werden sogar vererbt. Dafür kostet das berühmte Pimento-Käse-Sandwich seit Jahr und Tag 1,50 Dollar. Keiner redet dem Club rein: weder Sporthoheiten, noch Fernsehen, Sponsoren oder gar Spieler – allesamt Gäste.

Augusta National lädt ein. Und notfalls wieder aus. 2002 nehmen Feministinnen den Herrenbund aufs Korn und rufen zum Masters-Boykott auf. Das bringt die drei Großsponsoren IBM, AT&T und Exxon – Coca Cola gehört quasi zur Familie – in arge Bedrängnis, nicht jedoch die Granden in Grün. Sie entbinden ihre Partner kurzerhand von allen Verpflichtungen und ziehen in den nächsten zwei Jahren den TV-Quotenhit auf der generell werbefreien Anlage ohne Sponsoren durch.
2012 werden tatsächlich weibliche Mitglieder berufen, darunter Ex-US-Außenministerin Condoleezza Rice. Mittlerweile sind die Damen zu sechst. Seit 2019 findet gar ein Frauenturnier statt: Die weltbesten Amateurspielerinnen dürfen fürs Finale des Augusta National Women‘s Amateur endlich auf den Golfplatz des berühmtesten Golfclubs der Welt.
(Text: Michael Basche)
03 Apr 2026
Das US Masters ist legendär, doch seine Geschichte ist nicht frei von Skandalen. (Foto: Imago / Oliver Hardt)