


Bobby Jones‘ Partner Clifford Roberts übernahm 1934 als Direktor und späterer Präsident das Kommando und regierte den Augusta National Golf Club bis 1976. Der dünkelhafte New Yorker Börsianer legte das Fundament für eine erzkonservative und rigide Haltung, die den elitären Zirkel bis heute zu einer geschlossenen und auch ziemlich verschlossenen Gesellschaft macht. Wer der auf rund 300 Mitglieder limitierten Gilde beitreten darf, das wird intern ausgeguckt. Neuzugänge werden berufen. Bewerben geht gar nicht. Im Gegenteil. Derartige Dreistigkeit ist der sicherste Weg, keine Einladung zu bekommen. Bill Gates, der Microsoft-Patron, hat mal geäußert, er wäre gern dabei. Prompt wurde er für Jahre ignoriert. 2002 kam die ersehnte Post dann doch. Es wird kolportiert, Linde-AG-Chef und Ex-Auto-Manager Wolfgang Reitzle sei das einzige deutsche Mitglied.
Wobei es Einladung nicht wirklich trifft. Die Auserkorenen erhalten kommentarlos ein Formular mit der Kontoverbindung und der zu überweisenden Summe. Die Aufnahme soll zwischen 10.000 und 30.000 Dollar kosten, der Jahresbeitrag maximal 3.000 Dollar. Eher preiswert für so einen Nobel-Club. Aber das Masters spült so viel Geld in die Kasse, dass es auf eine Handvoll Dollar nicht ankommt. Nicht mal auf ein paar Millionen. Und schon gar nicht auf die öffentliche Meinung.
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Als 2002 die Feministin Martha Burk einen Aufstand gegen die damalige Männer-Bastion inszenierten, brachte das die Masters-Sponsoren in arge Bedrängnis. Die Augusta-Granden nicht: Sie zogen ihren TV-Quoten-Hit in den nächsten zwei Jahren einfach ohne Werbung durch. Danach war der Krawall verraucht. 2012 wurden tatsächlich die ersten weiblichen Mitglieder aufgenommen. Nach über 80 Jahren. Eine Sensation. Die beiden Ladies passen freilich gut zur elitären und feudalen Attitüde: Condoleezza Rice war George W. Bushs Nationale Sicherheitsberaterin und US-Außenministerin; die Finanzmaklerin Darla Moore entstammt altem Südstaaten-Geldadel, lebt auf einer einstigen Plantage in South Carolina und steht ebenfalls den Republikanern nahe. Damit ist man liberalen Gedankenguts ziemlich unverdächtig.

Clifford Roberts war es auch, der den Seinen ins Stammbuch schrieb: „Solange ich lebe, sind bei uns die Mitglieder weiß und die Caddies schwarz.“ Südstaaten halt. Der Mann verschied 1977 (er beging Suizid), aber es währte noch bis 1990, ehe das erste afroamerikanische Mitglied aufgenommen wurde. Seit 1983 dürfen die Masters-Teilnehmer immerhin ihre eigenen Caddies mitbringen und müssen nicht mehr auf das Club-Personal zurückgreifen. Misslich ist für Augustas Zeremonienmeister, dass die Spieler sich dabei nicht an die Pigmentierungs-Empfehlung von Mr. Roberts halten. Undenkbar ist aber auch, dass Caddies eventuell nicht als besondere Spezies identifizierbar wären. Also verpasst der Club ihnen ausgesprochen kleidsame weiße Overalls als Überzieher. In denen sehen sie dann aus wie die Tatortreiniger, während sie – egal bei welchen Wärmegraden – den Job an der Tasche verrichten.
Ach ja, das Clubhaus: Bobby Jones wollte das ursprüngliche Bauwerk eigentlich abreißen und ein maßgeschneidertes Golferheim errichten. Was aber am Geld scheiterte. Heute kann sich niemand mehr Augusta ohne sein einzigartiges Clubhaus vorstellen. Und über allem thront „Crow‘s Nest“, das Türmchen auf dem Dach. Mit seinen rund 110 Quadratmetern bietet es Platz für fünf Personen und wird seit 1969 als preiswerte Unterkunft für den aufstrebenden Amateur-Nachwuchs angeboten. 14 Dollar kostet eine Koje pro Nacht, das Erlebnis Masters ist unbezahlbar.
Noch ein Wort zur angeblichen Macht der Medien. In Augusta hört auch die an „2604 Washington Road“ auf. Wo sich das prächtige Tor zur berühmten Magnolia Lane öffnet. Der Club arbeitet exklusiv mit dem TV-Sender CBS. Seit 1958. Und macht nur Einjahresverträge, um stets aufs Neue die Konditionen zu bestimmen. Vier Minuten Werbung pro Übertragungsstunde kriegt der Sender genehmigt. Dafür darf er an einigen Löchern keine Kameras aufstellen. Es soll nicht auch noch der letzten Winkel von Augusta National öffentlich werden. Aber in Butler‘s Cabin hat CBS das erste Interview mit dem frisch gebackenen Masters- Sieger und überträgt exklusiv die kleine „Krönungs“- Zeremonie.
Als Ehrenstarter eröffnen stets die ältesten noch lebenden Masters-Sieger donnerstags das Turnier. Lange übernahmen dies: Arnold Palmer, „The King“ (vier Siege); Gary Player, „The Black Knight“ (drei Siege) und Jack Nicklaus, „The Golden Bear“ (sechs Siege). Dafür fanden sich sogar Spieler mit viel späteren Startzeiten frühmorgens als Zuschauer am ersten Abschlag ein. Palmer, Nicklaus und Player waren nun mal die Großmeister des Golfsports. Nach Palmers Tod im September 2016 übernahm Tom Watson dessen Platz als Ehrenstarter.
(Text: Michael Basche)
04 Apr 2026
Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um den Augusta Nation Golf Club und das US Masters. (Foto: Imago / UPI Photo)