


Rory McIlroy scheint mit dem Augusta National Golf Club endgültig Frieden geschlossen zu haben. Nach seinem emotionalen Sieg im Vorjahr dominiert der Nordire das US Masters 2026 nun in einer Weise, die selbst Legenden verstummen lässt. Mit einer beeindruckenden 65er-Runde (-7) am Freitag setzte sich der Titelverteidiger auf insgesamt 12 unter Par ab und stellte mit sechs Schlägen Vorsprung einen neuen 36-Loch-Rekord in der Geschichte des Turniers auf.
Hier finden Sie das Leaderboard des US Masters 2026.
Das Erstaunliche an McIlroys Rekordjagd: Er dominierte nicht durch Perfektion, sondern durch pure Spielfreude und Rettungstaten. Obwohl er an den ersten beiden Tagen kein einziges Fairway auf den Par-5-Löchern traf (0 von 8), spielte er diese strategisch wichtigen Bahnen insgesamt sieben unter Par.
Der Wendepunkt der Runde ereignete sich in der „Golden Hour“ am späten Freitagnachmittag. Nach unpräzisen Abschlägen an der 13 und 15 rettete er sich mit purer Kreativität zu Birdies. Der Höhepunkt folgte an der 17, als McIlroy einen Chip aus fast 30 Yards direkt im Loch versenkte und die Patron-Massen in Ekstase versetzte. „Ich habe definitiv ein Gefühl von ‚Flow‘ gefunden in diesen letzten Löchern“, resümierte McIlroy später. „Mein Mantra war heute: ‚Schwing einfach weiter, schwing hart durch‘, auch wenn ich die Fairways nicht getroffen habe.“
Hinter dem Spitzenreiter hat sich ein hochkarätiges Verfolgerfeld formiert, das auf einen Einbruch des Führenden hoffen muss. Patrick Reed und Sam Burns teilen sich bei 6 unter Par den zweiten Rang. Direkt dahinter lauert eine europäische Phalanx aus Justin Rose, Shane Lowry und Tommy Fleetwood (-5).
Besonders Justin Rose (45) strahlt eine stoische Ruhe aus. Der Engländer, der im Vorjahr erst im Playoff gegen McIlroy unterlag, setzt auf Erfahrung und die zunehmend schwierigen Platzbedingungen. Die Grüns in Augusta werden durch die Hitze trockener und schneller – Wyndham Clark prophezeite bereits, sie würden sich am Wochenende wie „Beton“ anfühlen. „Man muss bereit sein zu gewinnen, aber man muss auch bereit sein, auf der falschen Seite des Ergebnisses zu stehen“, gab sich Rose gegenüber Reportern philosophisch.
Während McIlroy Geschichte schrieb, erlebte die Nummer eins der Welt, Scottie Scheffler, einen herben Rückschlag. Nach 11 Runden in Folge unter Par in Augusta riss seine Serie mit einer 74 (+2). Zwei Wasserbälle an den Löchern 13 und 15 kosteten ihn den Anschluss an die Spitze. Mit sieben Schlägen Rückstand auf McIlroy benötigt der zweimalige Champion nun ein „Wunder von Augusta“, um noch in den Kampf um das Grüne Jacket einzugreifen.
Noch härter traf es Bryson DeChambeau. Der „Mad Scientist“ benötigte am letzten Loch lediglich ein Bogey für den Einzug ins Wochenende, produzierte jedoch nach einem Ausflug in den Sand ein desaströses Triple-Bogey und verpasste den Cut um zwei Schläge.
Die beeindruckendste Einordnung des Tages kam jedoch von Fred Couples. Der Sieger von 1992, der selbst am Cut scheiterte, beobachtete McIlroys Spiel am Donnerstag und Freitag genau und kam zu einem fast schon beängstigenden Schluss: „Rory wird dieses Ding nach letztem Jahr vielleicht nie wieder verlieren“, so Couples. „Er könnte ernsthaft noch fünf weitere von diesen Turnieren gewinnen.“
Ob McIlroy diesen hohen Erwartungen gerecht wird, entscheidet sich am „Moving Day“. Klar ist: Der Titelverteidiger hat den Fuß fest auf dem Gaspedal und scheint entschlossen, als erst vierter Spieler der Geschichte (nach Nicklaus, Faldo und Woods) seinen Titel in Augusta zu verteidigen.
11 Apr 2026
Rory McIlroy führt nach der zweiten Runden des US Masters 2026 überlegen das Feld an. (Foto: Imago)