


Es war ein Moment voller Symbolkraft: Tom Kim ließ den Kopf in die Hände fallen, die Tränen kamen fast gleichzeitig mit dem Jubel. Der 24-jährige Südkoreaner hatte gerade die Genesis Scottish Open 2026 gewonnen – am selben Platz, an dem seine Karriere vier Jahre zuvor ihren Anfang genommen hatte. Mit einer makellosen Schlussrunde von 64 Schlägen (-6) sicherte er sich beim The Renaissance Club in North Berwick den Titel mit zwei Schlägen Vorsprung vor dem Australier Min Woo Lee und beendete damit eine Sieglosigkeit von 1.001 Tagen. Es ist Kims erster Titel auf der DP World Tour und gleichzeitig sein vierter Sieg auf der PGA Tour – ausgetragen als gemeinsames Co-Sanktionsevent beider Touren.
Hier finden Sie das finale Leaderboard der Scottish Open 2026.
Der Sonntag am Firth of Forth verlangte den Protagonisten alles ab. Weil Nebel den Samstag weitgehend lahmgelegt hatte, mussten die Spieler zunächst die dritte Runde zu Ende spielen, ehe sie unmittelbar danach in den entscheidenden vierten Umlauf starteten – ein Kraftakt unter wechselhaften Bedingungen.
Kim ging einen Schlag hinter der Führung in den Finaltag. Doch schon früh zeigte er, dass er nicht vorhatte, sich mit einer Nebenrolle zu begnügen. Birdies auf den Löchern 1, 4 und 7 – allesamt clever erspielt, mal mit dem Putter, mal aus einer schwierigen Lage – brachten ihn an die Spitze des Feldes. Auf Loch 4, dem Signatur-Loch des Renaissance Club, fand sein Ball ausgerechnet einen Divot im Fairway. Statt zu verzagen, schlug Kim das Eisen auf 15 Fuß und versenkte den Birdieputt.
Der entscheidende Schlag des Turniers folgte auf Loch 16: Aus 203 Yards traf Kim das Grün auf sechs Fuß und verwandelte zum Birdie – plötzlich lagen zwei Schläge zwischen ihm und dem Rest des Feldes. „Dieser zweite Schlag auf 16 gehört zu den besten, die ich in meiner Karriere je gespielt habe", sagte Kim auf der anschließenden Pressekonferenz. Auf Loch 18 rettete er mit einer Chip-Lösung aus dem Vorgrün noch einmal das Par – bogeyfreie 64, 17 unter Par insgesamt.
Min Woo Lee, Champion der Scottish Open 2021, versuchte bis zuletzt gegenzuhalten und benötigte auf der letzten Bahn einen Hole-out vom Fairway, um ein Playoff zu erzwingen – der Ball blieb im Gras. Der Australier schloss mit 67 ab. Dahinter platzierten sich Robert MacIntyre, Matt Fitzpatrick, Keita Nakajima und Johnny Keefer gemeinsam auf dem dritten Rang, jeweils bei -12.
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Was diesen Sieg so besonders macht, lässt sich kaum in Statistiken fassen. Kim war einst das Wunderkind der PGA Tour: 2022, mit gerade einmal 20 Jahren, gewann er in nur seinem dritten Turnier als reguläres Tour-Mitglied die Wyndham Championship – und legte zwei Monate später den Shriners-Titel nach. Damit wurde er zum ersten Spieler seit Tiger Woods, der vor seinem 21. Geburtstag zwei Tour-Siege einfuhr. Ein dritter Erfolg folgte 2023 bei der Titelverteidigung in Las Vegas.
Dann kam der Einbruch. Nur ein einziges Top-10-Ergebnis in der gesamten Saison 2025, ein freier Fall in der Weltrangliste bis jenseits der Top 150. Kim wechselte Caddie und Schwingtechnik, arbeitete zeitweise ohne festen Coach – und fand erst zu Beginn dieses Jahres in Swing-Coach Sean Foley einen neuen Anker. Der Glaube an sich selbst blieb, aber die Ergebnisse ließen auf sich warten. Noch vor wenigen Wochen musste Kim sich durch regionale Qualifikation einen Startplatz bei der U.S. Open erspielen – und beendete das Major auf dem geteilten dritten Rang. Ein erstes Aufflackern alter Klasse.
Bei der Scottish Open folgte nun die Bestätigung. „Ich musste eine Menge Demut schlucken und wirklich viel über mich selbst lernen", sagte Kim auf der Pressekonferenz. „Ich widme diesen Sieg den Menschen, die die ganze Zeit in meiner Ecke waren, die mit mir gelitten und mit mir gefeiert haben." Als erster Gratulant meldete sich Tiger Woods per SMS – die beiden kennen sich aus dem TGL-Team Jupiter Links Golf Club. Für Kim, der auch von der Mentalität seines Freundes und Trainingpartners Scottie Scheffler lernt, ein Moment, der die Dimension des Sieges unterstreicht.
Historisch ist Kims Leistung ohnehin: Er ist der erste Südkoreaner, der die Scottish Open gewinnt, und nur der vierte Nicht-Amerikaner mit vier PGA-Tour-Siegen vor dem 25. Geburtstag – in einer Reihe mit Rory McIlroy, Sergio Garcia und Hideki Matsuyama.
Für den schottischen Heimfavoriten Robert MacIntyre, Titelverteidiger von 2024, war es ein bitterer Sonntag. Vier Bogeys in einer Sieben-Loch-Phase auf der Vorderseite warfen ihn aus dem Rennen, ein Eagle auf der 12 kam zu spät. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, hier zu Hause beim Scottish Open um den Titel zu spielen. Es ist nur schade, dass ich dem Publikum nichts geben konnte", sagte MacIntyre auf der Pressekonferenz.
Rory McIlroy hatte nach zwei Runden noch geführt, brach in der nebelverhangenen dritten Runde jedoch mit einer 73 ein und fand sich am Sonntag sechs Schläge zurück. Seine Schlussrunde – eine 64 mit fünf Birdies auf den ersten sieben Löchern – war ein beeindruckendes Lebenszeichen, reichte für den geteilten siebten Platz. Auf Loch 16 verriss er ein Eisen weit ins Rough und kommentierte trocken: „Oh mein Gott, ich bin so schlecht im Golfspielen." Wenig später ergänzte er nüchterner, dass er bis zum Start der Open Championship noch Arbeit vor sich habe, sich aber nicht allzu weit von seinem besten Golf entfernt fühle.
Für Johnny Keefer, Michael Thorbjornsen und Victor Perez war das Turnier ein Karrieremoment der anderen Art: Als die drei besten noch nicht qualifizierten Spieler sicherten sie sich Startplätze bei der Open Championship in Royal Birkdale – Keefer und Thorbjornsen waren noch wenige Tage zuvor lediglich auf der Nachrückerliste gestanden.
Tom Kim reist als frischgekürter Rolex-Series-Champion und mit einer Masters-Einladung für 2027 in der Tasche nach Royal Birkdale. Ob der Schwung trägt, wird sich zeigen – doch der 24-Jährige hat gelernt, den Moment zu schätzen, ohne sich von ihm tragen zu lassen. „Ich glaube, meine Reise fängt gerade erst an", sagte er auf der Pressekonferenz. „Ich werde älter und reife in vielerlei Hinsicht."
Bei der Scottish Open, wo alles begann, hat er ein neues Kapitel aufgeschlagen.
13 Jul 2026
Tom Kim gewinnt nach fast drei Jahren wieder einen Titel. Bei der Scottish Open 2026 steht der Südkoreaner ganz oben. (Foto: Focus Images)