


Von der Chance auf das Grüne Sakko direkt in den Rae’s Creek: Der chinesische Profi Haotong Li erlebte am Finalsonntag in Augusta einen historischen Kollaps. Eine „10“ an der legendären 13. Bahn kostete ihn beim US Masters 2026 nicht nur eine Top-Platzierung, sondern auch ein kleines Vermögen.
Es gibt Orte im Golfsport, die Karrieren krönen oder Träume in Sekunden zerfetzen. Die „Amen Corner“ im Augusta National ist genau so ein Ort. Für Haotong Li sollte der Finalsonntag des 90. US Masters der größte Tag seiner Karriere werden. Mit 7 unter Par war er als geteilter Zehnter in die letzte Runde gestartet, in Schlagdistanz zur Weltspitze. Doch was sich dann auf den Bahnen 12 und 13 abspielte, glich eher einem Slapstick-Film als einem Major-Finale.
Hier finden Sie das Endergebnis des US Masters 2026.
Das Unheil kündigte sich bereits an der berühmten 12. Bahn (Par 3) an. Ein Triple-Bogey ließ Li bereits taumeln, doch der endgültige K.o. folgte am Loch 13, „Azalea“. Nach einem soliden Drive auf das Fairway verließ Li völlig die Spielkontrolle. Sein zweiter Schlag verschwand tief im dichten Unterholz links des Grüns. Während sein Spielpartner Scottie Scheffler tatenlos zusehen musste, versuchte sich Li verzweifelt aus den Büschen zu hacken.
Es folgte eine Sequenz, die The Sporting News treffend als Momente beschrieb, die Profis „humanisieren“: „Li sah phasenweise nicht mehr wie ein Profi aus, sondern wie jemand, den man von seinem lokalen Gemeindekurs werfen würde.“ Der absolute Tiefpunkt: Nachdem er den Ball endlich in Richtung Grün bugsiert hatte, setzte Li zu einem Verzweiflungs-Putt an. Der Ball schoss mit so viel Tempo über die kurz gemähte Fläche, dass er auf der gegenüberliegenden Seite direkt in einen Ausläufer des Rae’s Creek rollte. Erst mit seinem zehnten Schlag beendete Li das Loch – ein Quintuple-Bogey oder auch "Doppel-Par".
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Wer nach den Gründen für diesen Konzentrationsverlust suchte, fand sie nicht in der Technik, sondern in Lis körperlichem Zustand. Wie der 30-Jährige bereits am Samstag offenbarte, kämpfte er seit Tagen mit einer Lebensmittelvergiftung. Gegenüber Reportern gab er einen schonungslos offenen Einblick in seine Verfassung: „Ich habe letzte Nacht quasi auf der Toilette gelebt“, so Li laut Golfweek. „Ich hatte keine Energie, mir war schwindlig und ich wollte mich übergeben. Eigentlich wollte ich nur ein paar Löcher spielen und sehen, wie es läuft. Wenn es mir richtig schlecht gegangen wäre, hätte ich wohl aufgegeben", erklärte er am Samstag nach der Runde.
Die Folgen des Kollapses sind schwarz auf weiß auf der Scorekarte und dem Bankkonto abzulesen. Durch das Desaster an der 13 rutschte Li vom 10. auf den geteilten 38. Platz ab. In der Endabrechnung bedeutete dies einen finanziellen Verlust von rund einer halben Million US-Dollar. Statt der erwarteten 607.500 Dollar für einen Top-10-Platz blieben ihm lediglich etwa 105.750 Dollar.
Viel schwerer wiegen jedoch die verpassten Punkte für die FedEx-Cup-Wertung, die Li dringend benötigt, um seine Spielberechtigung auf der PGA Tour zu sichern.
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Trotz des sportlichen Ruins bewies Haotong Li eine bemerkenswerte mentale Stärke. Als der Ball am 13. Loch endlich im Loch verschwand, riss er beide Arme in triumphaler Ironie nach oben – eine Geste, die ihm die Sympathien der Zuschauerinnen und Zuschauer sicherte. Noch beeindruckender war seine Reaktion am nächsten Abschlag: Unmittelbar nach der „10“ notierte er auf der 14 ein Birdie. Es war ein kleiner Sieg über den eigenen Körper und den Frust. Am Ende unterschrieb er eine 80er-Runde und beendete das Turnier mit insgesamt +1.
13 Apr 2026
Haotong Li musste in der Finalrunde des US Masters 2026 zwei "Doppel-Pars" hintereinander hinnehmen. (Foto: Imago / Bildbyrn)