


Rund ein Jahr vor dem Ryder Cup 2027 in Adare Manor sieht Jim Furyk die USA als Außenseiter – und fordert eine bessere Vorbereitung. Europas Kapitän Luke Donald setzt auf Weiterentwicklung statt Selbstzufriedenheit. Bei der gemeinsamen Pressekonferenz wurde deutlich, wo beide Mannschaften noch Arbeit vor sich haben.
Jim Furyk will die Ausgangslage nicht beschönigen. „Wir sind die Außenseiter. Das ist uns bewusst. Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, sagte der US-Kapitän am 6. Oktober bei der „Year to Go“-Pressekonferenz in Adare Manor. Für den Ryder Cup 2027 kündigte er Veränderungen an, die von der Teamzusammenstellung bis zur Vorbereitung auf die einzelnen Spielformate reichen. Luke Donald stellte seinerseits klar, dass Europas jüngste Erfolge kein Anlass seien, die Amerikaner zu unterschätzen.
Die historische Bilanz spricht für Europa: Elf der vergangenen 15 Ryder Cups gingen an die Europäer. Die USA haben seit ihrem Erfolg 1993 im englischen The Belfry nicht mehr auf europäischem Boden gewonnen. Wenn die Mannschaften vom 17. bis 19. September 2027 in Irland aufeinandertreffen, liegt dieser letzte Auswärtssieg 34 Jahre zurück. Europa reist nach den Siegen in Rom 2023 und Bethpage 2025 als Titelverteidiger an.
Furyk verbindet seine Einschätzung mit den besonderen Anforderungen eines Auswärts-Ryder-Cups. Er erwartet eine lautstarke Kulisse, getragen von irischen Fans und Besuchern aus ganz Europa. Dazu kommen die Möglichkeiten des Heimteams, die Platzbedingungen auf die eigene Mannschaft abzustimmen. Gesucht sind deshalb nicht nur leistungsstarke Golfer, sondern Spieler, die sich in dieser Atmosphäre wohlfühlen.
Donald erkennt den Heimvorteil an, möchte daraus aber keine bequeme Favoritenrolle ableiten. „Für uns ist die Außenseiterrolle eine Mentalität. Wir wollen uns selbst und dem Rest der Welt immer etwas beweisen“, sagte der Europäer. Die USA seien stark und auf dem Papier, gemessen an der Weltrangliste, häufig sogar stärker als Europa.
Auch auf die Ankündigung von US-Presidents-Cup-Kapitän Brandt Snedeker, die Amerikaner würden in Irland ein Problem darstellen, reagierte Donald ohne Widerspruch. Er sehe Furyks Motivation und die Veränderungen hinter den Kulissen. Selbstzufriedenheit dürfe deshalb keine Rolle spielen.
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Die dringendste sportliche Baustelle der USA liegt im Foursomes. Bei dieser Spielform spielen zwei Partner einen Ball und schlagen abwechselnd. Über die vergangenen beiden Ryder Cups und die beiden jüngsten Presidents Cups holten die Amerikaner lediglich acht von 34 möglichen Punkten. Gegen Europa waren es in den Ryder Cups 2023 und 2025 nur drei von 16 Punkten – Zahlen, die Furyk bei der Pressekonferenz ausdrücklich bestätigte.
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Für ihn ist diese Bilanz kein statistischer Ausreißer. Zwar habe es Zeiten gegeben, in denen die USA im Foursomes stärker gewesen seien und eher im Fourball Probleme gehabt hätten. Die aktuelle Schwäche verlangt aus seiner Sicht dennoch konkrete Antworten. Dabei nimmt Furyk auch die Kapitäne in die Verantwortung. Sie müssten passendere Paarungen zusammenstellen und ihre Spieler besser auf die Matches vorbereiten. Sein Versprechen: „Ich werde von dieser Mannschaft verlangen, mehr zu tun als jede frühere US-Mannschaft.“
Ein wichtiger Baustein ist ein Besuch potenzieller Teamspieler in Adare Manor im Sommer 2027, im Umfeld der Scottish Open und der Open Championship. Die Spieler sollen den Platz kennenlernen und an Foursomes arbeiten. Furyk erwartet, dass sich alle um eine Teilnahme bemühen, erkennt aber mögliche familiäre und andere Verpflichtungen an. Mehr Vorbereitung soll nicht erst in der eigentlichen Ryder-Cup-Woche beginnen.
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Veränderungen hat Furyk bereits angestoßen. Bei der Pressekonferenz bestätigte er ein neues Punktesystem für die Qualifikation und ein neues Analytics-Team. Für die Zusammenstellung der Paarungen zählt für ihn jedoch nicht allein die Datenlage. „Ich persönlich finde, man beginnt beim Golfplatz. Was will man erreichen? Was verlangt dieser Platz vom Spieler?“, erklärte er. Erst auf dieser Grundlage werden statistische Stärken, Erfahrungen und Persönlichkeiten miteinander abgewogen. Statistische Analysen seien ein wertvolles Werkzeug, müssten aber richtig angewendet werden.
Dahinter stehen auch die Erfahrungen seiner ersten Ryder-Cup-Kapitänschaft 2018 in Frankreich. Rückblickend räumte Furyk ein, möglicherweise nicht die passenden Spieler für Le Golf National gehabt zu haben. Einige seiner damaligen Auswahlspieler seien in guter Form gewesen, ihr Spiel habe aber weniger zu den Anforderungen des Platzes gepasst.
Für den Ryder Cup 2027 will Furyk zudem über die zwölf ausgewählten Spieler hinausdenken. Erfahrene Profis sollen jüngere unterstützen und helfen, ein langfristiges Team-USA-Programm aufzubauen. Die Vorbereitung ist für ihn damit nicht nur eine Frage zusätzlicher Trainingsrunden, sondern auch der Zusammenarbeit innerhalb der Mannschaft.
Donald steht vor einer anderen Ausgangslage, sieht aber ebenfalls Anpassungsbedarf. Nach zwei Siegen als Kapitän kann er in Adare Manor zum ersten Kapitän der Ryder-Cup-Geschichte werden, der drei Austragungen in Folge gewinnt. Auf erfolgreiche Muster allein will er sich dabei nicht verlassen.
Jeder Ryder Cup verlange andere Strategien und eine neue Ansprache, erklärte Donald. Für Bethpage hatte bei seinen Captain’s Picks die Erfahrung im anspruchsvollen Auswärtsumfeld besonderes Gewicht. In Irland können andere Kriterien entscheidend sein – vor allem die Fähigkeiten, die Adare Manor verlangt. Ein unveränderter Kader ergibt sich für ihn aus der erfolgreichen Vergangenheit nicht automatisch.
Auch sportlich hat Donald eine klare Warnung aus Bethpage mitgenommen. Europa gewann dort zwar 15:13, musste am Sonntag aber eine starke amerikanische Aufholjagd überstehen. „Ich möchte nicht noch einmal das Gefühl haben, das ich am Sonntag in Bethpage hatte“, sagte er.
Deshalb richtet sich sein Blick nicht nur auf die Foursomes, die einen wichtigen Anteil an Europas jüngsten Erfolgen hatten. In den Einzeln werden zwölf Punkte vergeben. Die Mannschaft müsse auf alle Sessions vorbereitet sein. Umgekehrt will Furyk verhindern, dass seine Spieler am Sonntag erneut einen großen Rückstand aufholen müssen. Kampfgeist allein soll die Schwächen im Teamspiel nicht länger ausgleichen müssen.
Der Platz selbst bietet beiden Kapitänen genug Stoff für ihre Planung. Donald beschrieb erhöhte Grüns und kurz gemähte Auslaufbereiche, auf denen ungenaue Annäherungen weit vom Loch wegrollen können. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz seien noch keine Veränderungen vorgenommen worden. Engere Fairways, höheres Rough und die Grüngeschwindigkeit gehören zu den möglichen Stellschrauben; größere bauliche Eingriffe seien nicht vorgesehen.
Neben der sportlichen Vorbereitung beschäftigt beide Kapitäne das Zuschauerverhalten. Furyk räumte ein, dass die Grenzen in Bethpage überschritten worden seien. Gleichzeitig freue er sich auf die Atmosphäre in Europa. Donald betonte seine Verantwortung als Heimkapitän für einen Wettbewerb im richtigen sportlichen Geist. Leidenschaftliche Unterstützung soll den Ryder Cup prägen, nicht das Geschehen auf dem Platz überlagern.
Damit verbinden beide Kapitäne unterschiedliche Aufgaben mit einem gemeinsamen Anspruch: Ihre Mannschaften sollen für Adare Manor besser vorbereitet sein. Furyk will Amerikas Schwächen im Teamspiel beheben. Donald will Europas Erfolg fortsetzen, ohne ihn als selbstverständlich zu betrachten. Ob ihre Ansätze aufgehen, zeigt sich beim Ryder Cup 2027 in Irland.
10 Oct 2026
Jim Furyk (links) und Luke Donald haben rund ein Jahr vor dem Ryder Cup 2027 ihre Pläne für die Vorbereitung vorgestellt. (Foto: x.comrydercup)