


Manchmal fügt sich alles zusammen. Die Cadillac Championship kehrt in dieser Woche nach Trump National Doral zurück, während nur wenige Kilometer entfernt die Formel-1-Welt beim Miami Grand Prix die Motoren aufheulen lässt. Und mittendrin: Justin Rose, 45 Jahre alt, Weltranglisten-Fünfter, frisch gebackener Investor – und ab sofort das Gesicht von McLaren Golf.
Der britische Automobilhersteller und Formel-1-Rennstall, der vor rund zwei Monaten seinen Eintritt in den Golfmarkt ankündigte, hat am Montag seinen ersten Tour-Spieler präsentiert. Und die Wahl hätte kaum symbolträchtiger sein können.
Als McLaren im März 2026 bekanntgab, eine eigene Golfausrüstungsmarke aufzubauen, war die Überraschung in der Branche groß. Das Unternehmen, dessen Name für Höchstleistungen auf der Rennstrecke steht, wagte den Schritt in eine neue, aber verwandte Disziplin: Präzision, Ingenieurskunst und Materialwissenschaft – Tugenden, die im Golfsport genauso gefragt sind wie im Motorsport.
Nun konkretisiert sich das Projekt. Der offizielle Brand-Launch von McLaren Golf ist für Mittwoch, den 29. April 2026, terminiert – bewusst gewählt, um zeitgleich mit dem Formel-1-Rennwochenende in Miami stattzufinden. Eine Geste, die zeigt, wie eng McLaren beide Welten miteinander verknüpfen möchte.
Hinter dem Projekt steckt ein Team mit beeindruckendem Branchenwissen. Chief Marketing Officer Ryan Lauder war zuvor als Marketing Director bei TaylorMade tätig. Designer Jacob Sanborn arbeitete bei Honma Golf – ausgerechnet dem Unternehmen, mit dem Rose selbst einst einen Ausrüstungsvertrag hatte. Weitere Ingenieure kommen von Cobra Golf.
Was nach außen hin wie eine spontane Entscheidung wirkt, ist das Ergebnis einer fast zweijährigen, stillen Zusammenarbeit. Justin Rose war nicht nur Testfahrer für die neuen Schläger – er war von Beginn an in den gesamten Entwicklungsprozess eingebunden: Prototypen-Tests, Feedback zu Performance und Spielgefühl, Mitgestaltung des Produkts.
Die persönliche Verbindung zu McLaren geht dabei über Vertragsdetails hinaus. Rose pflegt seit Jahren eine enge Freundschaft mit Zak Brown, dem CEO von McLaren Racing. Lando Norris, der amtierende Formel-1-Weltmeister und McLaren-Werksfahrer, ist ein regelmäßiger Golfpartner des Engländers. In der jüngsten Staffel der Netflix-Dokumentation Drive to Survive war Rose in einer McLaren-fokussierten Episode zu sehen – für Insider ein frühes Indiz auf das, was nun offiziell wurde.
Rose beschreibt die Partnerschaft in der offiziellen Pressemitteilung so: „Von Anfang an war das ein Herzensprojekt. Ich hatte die Möglichkeit, von Beginn an dabei zu sein – mit dem Team zu arbeiten, die Schläger zu testen und mitzugestalten, was daraus geworden ist. Dieses Maß an Beteiligung, kombiniert mit den Standards, die McLaren in allem, was sie tun, anlegt, machte die Entscheidung für mich einfach. Ich freue mich darauf, die Schläger im Einsatz zu sehen und dabei zuzuschauen, wie die Marke aufblüht."
Auf Instagram ergänzte der Brite persönlicher: „Es hat lange gedauert, und Teil der Design- und Entwicklungsphase über das letzte Jahr hinaus zu sein, war eine spaßige und faszinierende Erfahrung. Los geht's!"
In Miami wird Rose ein Combo-Set aus zwei Prototypen-Modellen spielen. Im 4-Eisen kommt ein Cavity-Back-Modell (CB) zum Einsatz, die Eisen 5 bis Pitching Wedge sind als klassische Muscle-Back-Blades (MB) ausgeführt – eine Schlägerwahl, die Spieler mit hohem Ballkontakt-Anspruch bevorzugen.
Technisch setzen beide Modelle auf unverkennbare McLaren-Designelemente: Ein hexagonales Wabenmuster-Milling auf der Rückseite, das an Motorsport-Komponenten erinnert, sowie das ikonische Papaya-Speedmark-Logo des Unternehmens. Die CB-Version verfügt zusätzlich über eine Carbon-Faser-Einlage in der Cavity.
Bemerkenswert: Auf der offiziellen Konformliste der USGA und der R&A ist zum jetzigen Zeitpunkt kein McLaren-Driver gelistet. Rose wird daher vorerst mit seinem bisherigen Callaway-Driver abschlagen. Alle Augen richten sich aber ohnehin auf die Eisen – und auf das charakteristische Papaya-farbene Staff Bag, das sein Caddie diese Woche durch Doral tragen wird.
Kaum jemand hätte vor einigen Jahren gedacht, dass Justin Rose mit 45 Jahren noch einmal zu den besten Spielern der Welt zählen würde. Und doch: Der Engländer erlebt derzeit eine bemerkenswerte Renaissance.
Zu Jahresbeginn gewann er die Farmers Insurance Open in Torrey Pines – sein 13. Karrieresieg auf der PGA Tour. Beim Masters 2026 kämpfte er bis in die Schlussrunde um den Titel und sicherte sich einen geteilten dritten Platz. Aktuell führt er die Tour-Statistik in Greens in Regulation an und belegt Rang sieben in Strokes Gained: Approach. Karriereverdienste von über 77 Millionen US-Dollar unterstreichen, mit welcher Konstanz Rose über Jahrzehnte auf höchstem Niveau gespielt hat.
Wer sich an das Jahr 2019 erinnert, wird beim Lesen dieser Geschichte ein gewisses Déjà-vu spüren. Damals verließ Rose nach rund 20 Jahren TaylorMade und unterschrieb einen Vollausrüstungsvertrag mit dem japanischen Hersteller Honma – ebenfalls ein ambitioniertes Unternehmen mit dem Ziel, sich im nordamerikanischen Markt zu etablieren.
Der Start verlief vielversprechend: Rose gewann mit Honma-Schlägern in seinem zweiten Turnier. Doch die Beziehung zerbrach schneller als erwartet. Bereits im Frühjahr 2020, keine anderthalb Jahre nach Vertragsunterzeichnung, spielte Rose wieder gemischte Ausrüstung anderer Hersteller. Das Honma-Kapitel endete, beide Seiten sprachen von einer einvernehmlichen Trennung.
Seitdem war Rose über fünf Jahre lang Equipment-Free-Agent – eine ungewöhnliche, aber für ihn offenbar bewusste Entscheidung. Er selbst erklärte damals, dass intensives On-Tour-Testing mit nicht vertrautem Material mental zehrend gewesen sei.
Genau hier liegt der entscheidende Unterschied zu heute: Rose war diesmal nicht Empfänger eines fertigen Produkts, sondern Mitentwickler von Grund auf. Zwei Jahre Arbeit in der Entwicklungsphase, enge Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, eine persönliche Investition in das Unternehmen – all das spricht dafür, dass die Situation eine grundlegend andere ist als damals bei Honma.
Für McLaren Golf ist diese Woche mehr als nur ein Turnierstart. Es ist der erste öffentliche Beweis, dass die Marke nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auf dem härtesten Prüfstand des Golfsports – der PGA Tour – bestehen kann. Für Rose ist es eine weitere Chance, seine Ausnahmestellung im Weltgolf zu untermauern. Und für alle Beobachter des Golfsports stellt sich die spannende Frage: Kann McLaren, eine Marke, die für technologische Überlegenheit auf der Rennstrecke steht, denselben Anspruch auf dem Fairway einlösen?
Die Antwort beginnt am Donnerstag in Miami – mit einem papayafarbenen Bag, einem Muscle-Back-Eisen und einem 45-jährigen Engländer, der gerade beweist, dass das Beste manchmal noch vor einem liegt.
28 Apr 2026
Justin Rose spielt ab sofort die Eisen von McLaren Golf. (Foto: x.com/@paulmac69)