


Augusta National hat gesprochen. In seiner jährlichen Pressekonferenz vor dem Start des US Masters 2026 zog Chairman Fred Ridley eine klare Linie im Sand des Golfsports. Zwischen dem massiven Engagement für den „Golfball-Rollback“, einer neuen Ära des Streamings und einer überraschenden Prise Selbstkritik wurde deutlich: Der exklusivste Club der Welt ist bereit, sich zu verändern, um seine Seele zu retten.
Das beherrschende Thema im Press Centre von Augusta war die technologische Entwicklung des Spiels. Fred Ridley ließ keinen Zweifel daran, dass Augusta National den geplanten „Rollback“ der Golfbälle durch die R&A und die USGA bis zum Jahr 2030 bedingungslos unterstützt.
„Scheitern ist keine Option“, stellte Ridley mit einer Bestimmtheit fest, die wie ein Echo durch die Golfwelt hallte. Er warnte davor, dass Golf ohne Regulierung „eindimensional“ werde. Die Sorge des Clubs ist begründet: Wenn Amateure bereits die Bunker auf den Löchern 1 und 5 mit einem 325-Yard-Carry überspielen, geraten selbst historische Plätze an ihre Grenzen. Ridley machte unmissverständlich klar, dass Augusta National räumlich ausgereizt ist: „Wir können Loch 1 nicht ändern, es sei denn, wir reißen die Eisenhower Cabin ab – und das werden wir nicht tun.“ Es gehe nicht nur um Augusta, sondern um den Schutz der Integrität des gesamten Sports.
Hier finden Sie das US Masters 2026 Leaderboard und Livescoring.
Für Leserinnen und Leser, die die technische Debatte nicht täglich verfolgen: Hinter dem Begriff „Rollback“ verbirgt sich eine neue Test-Vorschrift für Golfbälle. Die Verbände reagieren damit auf die enormen Kraftzuwächse im Profigolf. Künftig müssen Bälle bei einer simulierten Schwunggeschwindigkeit von 125 Meilen pro Stunde – was dem Niveau der Top-Profis entspricht – innerhalb einer Distanzgrenze von 317 Yards bleiben. Für die Longhitter auf der Tour bedeutet dies einen kalkulierten Distanzverlust von etwa 10 bis 15 Yards. Das Ziel: Die strategische Architektur alter Golfplätze zu bewahren, damit Hindernisse nicht einfach „überflogen“ werden und Präzision wieder wichtiger wird als rohe Gewalt. Freizeitgolfer hingegen müssen kaum Sorgen haben; bei ihren geringeren Geschwindigkeiten wird der Effekt mit nur etwa zwei bis fünf Yards kaum spürbar sein.
Hier finden Sie die US Masters 2026 Tee Times.
Wie effektiv bauliche Veränderungen den Geist des Spiels schützen können, belegte Ridley am Beispiel von Loch 13. Seit der Verlängerung der berühmten Par-5-Bahn im Jahr 2023 hat sich die Dynamik verändert – zurück zu den Wurzeln. „Wir haben jetzt wieder Spieler, die 240 oder 250 Yards ins Grün schlagen müssen“, erklärte Ridley. Damit sei die von Bobby Jones einst beschriebene „folgenreiche Entscheidung“ zurückgekehrt: Das riskante Spiel über das Wasser ist wieder eine echte Prüfung und kein routinemäßiger Schlag mit dem kurzen Eisen mehr.
Auch medial bricht in Georgia eine neue Zeitrechnung an. Mit Amazon Prime Video begrüßt das Masters 2026 einen neuen Streaming-Partner, um die globale Reichweite zu erhöhen. Doch der Weg zur Modernisierung verlief nicht ohne Stolpersteine.
Bemerkenswert offen blickte Ridley auf eine Kooperation mit den YouTubern von Dude Perfect zurück, die vor einigen Jahren am Amen Corner mit Frisbees spielten. „Rückblickend... war das vielleicht nicht die beste Idee“, gab Ridley schmunzelnd zu. Es war ein seltener Moment der Selbstkritik, der jedoch eine wichtigere Botschaft unterstrich: Augusta ist bereit, „outside the box“ zu denken und unkonventionelle Wege zu gehen, um den Sport für neue Generationen attraktiv zu machen, solange die Würde des Turniers gewahrt bleibt.
Im schwelenden Machtkampf um die Vorherrschaft im Profigolf positionierte Ridley das Masters als stabilisierenden Anker. Er trat der Sichtweise entgegen, dass die PGA Tour allein das System finanziere. Vielmehr betonte er die Rolle der Majors und Amateur-Turniere als Fundament, das den Weg für Talente erst ebne. Mit der Einladung der Sieger von sechs verschiedenen National Opens (darunter die Open-Meisterschaften aus Australien und Japan) unterstrich der Club seinen Anspruch, ein wahrhaft globales Feld zu versammeln.
Abseits der Fairways widmet sich der Club verstärkt seiner sozialen Verantwortung. Ridley würdigte die Zusammenarbeit mit Tiger Woods und dessen Stiftung für das neue TGR Learning Lab in Augusta, das 2028 eröffnen soll. Zudem hob er den Erfolg des Augusta National Women’s Amateur (ANWA) hervor, dessen Wachstum selbst seine kühnsten Erwartungen übertroffen habe.
Und für die Fans der Masters-Traditionen gab es noch eine humorvolle Note: Auf die Frage nach der Zukunft des begehrten Masters-Gnoms antwortete der mächtigste Mann im Golfsport resigniert, dass selbst ihm die Merchandising-Abteilung diese Antwort verweigere.
09 Apr 2026
Fred Ridley ist Vorsitzender des Augusta National Golf Club und damit der mächtigste Mann beim US Masters. (Foto: Imago / Bildbyran)