


Mit einer der bemerkenswertesten Schlussrunden der jüngeren PGA-Tour-Geschichte hat Wyndham Clark den CJ Cup Byron Nelson 2026 gewonnen. Der US-Amerikaner spielte am Sonntag auf dem TPC Craig Ranch in McKinney, Texas, eine 60 (-11) und setzte sich damit mit drei Schlägen Vorsprung vor Si Woo Kim durch. Mit einem Gesamtergebnis von 30 unter Par (254 Schläge) erzielte Clark den vierten Sieg seiner PGA-Tour-Karriere – und schrieb dabei Golfgeschichte: Er ist der erste Spieler überhaupt, der zwei Turniere auf der PGA Tour mit einer abschließenden Runde von 60 Schlägen für sich entschieden hat.
Hier finden Sie das finale Leaderboard des CJ Cups der PGA Tour.
In die finale Runde war Clark mit zwei Schlägen Rückstand auf den Führenden Si Woo Kim gestartet. Weltranglistenerster Scottie Scheffler, der amtierende Titelverteidiger, befand sich ebenfalls in Schlagdistanz. Auf der Vorderneun spielte Clark beständig unter Par und hielt den Druck auf Kim aufrecht, ohne jedoch die Führung zu übernehmen.
Die Entscheidung fiel auf der Hinterneun, die Clark in sensationellen 28 Schlägen absolvierte. Auf Loch 12, einem Par 5, versenkte er einen 15-Fuß-Eagle-Putt und übernahm damit erstmals an diesem Tag die alleinige Führung. Loch 15, ein Par 3, brachte den nächsten Höhepunkt: Clark lochte aus rund 45 Fuß für Birdie ein und baute seinen Vorsprung auf zwei Schläge aus – ein Putt, der ihm einen deutlichen Gefühlsausbruch entlockte. Auf dem berühmten Stadionloch 17 folgte das nächste Birdie, ehe Clark auf der 18 mit einem aggressiven Ansatz auf weniger als einen Meter an die Fahne spielte und das abschließende Birdie zur perfekten Runde sicherte.
„Ich wusste, dass ich weiter Birdies machen musste. Ich habe mehr gemacht, als ich erwartet hatte", sagte Clark nach der Runde.
Wyndham Clark, 32 Jahre alt und US-Open-Champion von 2023, hatte zuletzt im Februar 2024 beim AT&T Pebble Beach Pro-Am gewonnen – ebenfalls mit einer Schlussrunde von 60. In dieser Saison war er vor McKinney nicht über einen geteilten 13. Platz hinausgekommen, ein verpasster Cut bei der PGA Championship hatte zuletzt für einen Dämpfer gesorgt.
In dieser Woche aber dominierte Clark vor allem auf den Grüns. Über das gesamte Turnier gewann er 12,5 Strokes Gained Putting – der Bestwert im Feld. Das ist bemerkenswert, denn das Putting war in den vergangenen Jahren tatsächlich eine Schwäche des Amerikaners gewesen. Bis zu den Masters hatte Clark in dieser Saison im Schnitt 0,65 Schläge pro Runde durch das Putting verloren. Danach gewann er im Schnitt 1,54 Schläge – eine drastische Trendumkehr.
Neben der statistischen Dominanz betonte Clark auch die mentale Komponente seines Erfolgs. Auf dem Bib seines Caddies stand das Wort „Unlok" – ein Verweis auf eine App für mentale Gesundheit und Fitness, an deren Entwicklung Clark beteiligt ist. Es habe ihm geholfen, im entscheidenden Moment ruhig und fokussiert zu bleiben.
„Hier fühlte es sich fast an wie zu Hause spielen, und jedes Loch war ein neues Loch. Ich habe mir keine Sorgen gemacht, dass ich gerade sechs Birdies gemacht hatte oder noch mehr machen musste", erklärte Clark. „Es war eine andere Zone als alles, was ich zuvor erlebt habe."
Si Woo Kim (2. Platz, -27)
Der Südkoreaner hatte das Turnier lange dominiert. Bereits am Freitag hatte Kim eine 60 gespielt – nur ein Bogey auf der abschließenden 18 hatte ihn am Einzug in den erlesenen Kreis der 59-Schützen gehindert. Mit fünf Schlägen Vorsprung war er ins Wochenende gegangen, doch am Sonntag reichte seine 65 nicht aus, um Clark zu stoppen.
Kim, der vier PGA-Tour-Siege auf seinem Konto hat, wartet seit Januar 2023 auf seinen nächsten Titel. Es war sein fünftes Top-5-Ergebnis der laufenden Saison. „Ich glaube, wenn ich weiter an die Tür klopfe, kommt irgendwann etwas", sagte Kim nach der Runde. „Ich glaube, das war das beste Golf, das ich je gespielt habe. Ich bin ein bisschen frustriert, aber ich kann nichts dagegen tun. Wyndham hat so gut gespielt."
Scottie Scheffler (3. Platz, -25)
Der Weltranglistenerste und Titelverteidiger beendete das Turnier mit einer 65 auf dem dritten Platz, fünf Schläge hinter Clark. Scheffler war ins Wochenende gegangen mit der realistischen Chance auf seinen zweiten Saisonsieg, konnte jedoch zu keinem Zeitpunkt der Schlussrunde ernsthaft Druck aufbauen.
Eine Kuriosität am Rande: Scheffler spielte das gesamte Turnier nahezu makellos sauber – lediglich auf Loch 12 der Schlussrunde notierte er eine 5, nachdem er zweimal in Bunkern gelandet war. Es war seine einzige Runde mit einem Schlag über Par oder schlechter an einem einzelnen Loch.
Scheffler zollte Clark nach der Runde Respekt: „Manchmal muss man einfach den Hut ziehen und sagen: ‚Gut gespielt.' Eine 60 war heute ziemlich schwer zu schlagen." Auf die Frage nach seiner eigenen Leistung gab er sich selbstkritisch: „Ich habe es ordentlich bis gut getroffen und ein paar Putts versenkt. Ich habe nicht eine Menge Putts versenkt oder es unglaublich getroffen. Ich war diese Woche nah dran, aber ein paar Schläge zu kurz."
Weitere Platzierungen
Jackson Suber spielte mit einer abschließenden 63 auf das karrierebeste Ergebnis seiner bisherigen Tour-Karriere und belegte Rang vier (-23). Keith Mitchell rundete die Top 5 mit einer 64 und -22 ab. Jordan Spieth, neben Scheffler der zweite lokale Publikumsliebling, erholte sich von einer schwachen dritten Runde (73) mit einer 66 am Sonntag, landete aber letztlich nur auf Rang 19 (-15).
Clarks Gesamtergebnis von -30 macht ihn zum lediglich zehnten Spieler seit 1983, dem ein solches Ergebnis über 72 Löcher auf der PGA Tour gelungen ist. Der Vorjahresrekord des Platzes lag bei -31, aufgestellt von Scheffler selbst – er hatte damals 253 Schläge benötigt, was dem Tourekord für 72 Löcher entspricht.
Dass Clark nun zweimal mit einer Schlussrunde von 60 gewonnen hat, ist einzigartig in der Geschichte der Tour. Beim ersten Mal, in Pebble Beach 2024, wusste er zunächst nicht einmal, dass seine 60 das Turnier entscheiden würde – die Schlussrunde wurde wegen schlechter Wetterbedingungen abgesagt. In McKinney war er sich bewusst, was auf dem Spiel stand, und agierte trotzdem mutig und offensiv bis zur letzten Fahne.
Auch der Austragungsort schrieb an diesem Wochenende Golfgeschichte mit: Kein anderer Platz auf der PGA Tour hat in dieser Saison mehr Birdies gesehen als der TPC Craig Ranch – das trotz einer aufwendigen Renovierung, die das Gelände eigentlich anspruchsvoller machen sollte.
Die PGA Tour gastiert in der kommenden Woche beim Charles Schwab Challenge in Fort Worth, Texas – für viele Spieler eine kurze Reise, da sich beide Veranstaltungsorte in der Metropolregion Dallas-Fort Worth befinden. Das nächste Signature Event steht mit dem Memorial Tournament Anfang Juni in Dublin, Ohio, auf dem Programm. Scheffler ist dort zweifacher Titelverteidiger und dürfte wieder als Favorit antreten – das Turnier dürfte zudem den ersten Start von Rory McIlroy nach dessen angekündigter Pause markieren.
Für Wyndham Clark dürfte der Sieg in McKinney neues Selbstvertrauen für den Rest der Saison bedeuten. „Es fühlt sich unglaublich an, wieder im Siegerkreis zu stehen. Ich glaube, mein Spiel entwickelt sich in eine großartige Richtung, um auch im weiteren Saisonverlauf erfolgreich zu sein", sagte Clark nach seinem vierten Tour-Triumph.
Die Highlights der PGA Tour im Video
25 May 2026
Wyndham Clark gewinnt den CJ Cup Byron Nelson auf der PGA Tour. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)