


In der Geschichte der Bundesliga gibt es Momente, die den Sport zur Nebensache machen. Ein solches Ereignis jährt sich regelmäßig und ist fest im Gedächtnis der Fans verankert: Der 12. April 2000. Damals wurde der Bayern-Keeper im Breisgau Ziel einer gefährlichen Attacke, die heute als der Oliver-Kahn-Golfball-Vorfall bekannt ist. Doch die Geschichte hat eine ironische Wendung: Der Mann, der damals von einem Golfball verletzt wurde, ist heute selbst ein leidenschaftlicher Single-Handicapper.
Es war ein typischer Aprilabend im Freiburger Dreisamstadion. Sportlich war die Partie ein Krimi: Eine frühe Rote Karte gegen Sammy Kuffour und ein später Foulelfmeter durch Mehmet Scholl in der 87. Minute hatten die Stimmung massiv aufgeheizt. Die Freiburger fühlten sich benachteiligt, und laut Zeitzeuge Andreas Zeyer, damals Mittelfeldspieler in Freiburg, kochten die Emotionen auf den Rängen förmlich über. Was in der Schlussminute folgte, sollte jedoch weit über das Sportliche hinausgehen.
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Kurz vor dem Abpfiff sank Kahn plötzlich im Fünfmeterraum zusammen. Erst beim Aufstehen wurde das Ausmaß sichtbar: Blut rann über das Gesicht des Torhüters. Kahn suchte auf dem Rasen nach der Ursache und präsentierte dem Schiedsrichter das Beweisstück: Ein Golfball.
Dieses harte Kunststoffgeschoss hatte ihn an der Schläfe getroffen. Die medizinische Einschätzung von Ottmar Hitzfeld unterstrich den Ernst der Lage: „Wenn er nur etwas tiefer getroffen worden wäre, dann könnte er jetzt blind sein.“
Unter den Schlagworten "Kahn Golfball Freiburg" gingen die Bilder des tobenden Torhüters um die Welt. Der sonst so beherrschte „Titan“, der Anfeindungen der Zuschauer oft stoisch ertrug, verwandelte sich in einen „Vulkan“, beschimpfte Fans und geriet in einen heftigen Schlagabtausch mit Gegenspieler Andreas Zeyer. Die Wunde musste später mit zwei Stichen genäht werden, doch Kahn spielte die Partie – typisch für ihn – zu Ende.
Besonders kurios wirkt der Golfball-Vorfall um Kahn in Freiburg rückblickend, wenn man Kahns private Leidenschaft betrachtet. Schon während seiner aktiven Karriere infizierte er sich mit dem „Golf-Virus“. Was 1997 durch Sepp Maier begann, entwickelte sich zu einer echten Passion.
Kahn, der heute ein beachtliches Single-Handicap (zeitweise sogar Richtung Handicap 5) vorweisen kann, gab später in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu, dass er für Golf eigentlich „prädestiniert“ gewesen wäre. Er bewundert vor allem die mentale Stärke von Legenden wie Tiger Woods. Die Präzision und Kraft von Woods dienten Kahn sogar als Inspiration für seine eigenen Leistungen auf dem Fußballplatz.
„Es gibt nichts Schöneres, als im Wald zu stehen, allein, in Ruhe, und Bälle zu schlagen. Das ist der pure Gegensatz zum Fußballgeschäft. Man reinigt sich innerlich über dieses Spiel.“ – Oliver Kahn (Quelle: SZ)
Die Aufarbeitung des Skandals verlief schnell. Ein 16-jähriger Schüler wurde als Täter identifiziert.
Trotz des Schocks reagierte die Freiburger Fangemeinde mit Größe. Beim folgenden Heimspiel prangten Plakate mit der Aufschrift „Sorry Olli“ an den Zäunen. Kahn selbst nahm es später mit Humor: Vor einem Spiel in Dortmund fragte er trocken, wie viele Golfspieler wohl unter den Zuschauern seien.
Der Vorfall zeigt, wie gefährlich Golfbälle als Wurfgeschosse sein können. Für Oliver Kahn blieb es eine blutige Anekdote auf dem Weg zur Meisterschaft im Jahr 2000. Dass er heute selbst leidenschaftlich zum Schläger greift und seinen Schwung sogar per Video im Keller analysiert, zeigt: Den Respekt vor dem kleinen weißen Ball hat er nie verloren – auch wenn die Begegnung im Stadion damals äußerst schmerzhaft war.
30 Jan 2026
Oliver Kahn nach der Golfballattacke in Freiburg blutüberströmt. (Foto: Imago / Pressefoto Baumann)