


Die 25-jährige Südkoreanerin Haeran Ryu hat am Sonntag die KPMG Women's PGA Championship 2026 gewonnen und sich dabei als eine der bemerkenswertesten Comeback-Geschichten in die Annalen des Damengolfs eingetragen. Mit einer abschließenden Runde von 70 Schlägen (-2) und einem Gesamtergebnis von 275 Schlägen (-13) setzte sie sich zwei Schläge vor ihrer Landsfrau Ina Yoon durch. Das Preisgeld von 13 Millionen Dollar – das höchste in der Geschichte des Damengolfs – spiegelt die wachsende Bedeutung des Turniers wider. Ryus Anteil daran: 1,95 Millionen Dollar.
Dabei hatte nichts auf diesen Triumph hingedeutet. Nach der Auftaktrunde lag Ryu mit einem 73er-Score auf Platz 70 – ganze zehn Schläge hinter der damaligen Führenden Ina Yoon, die mit einer historischen 63 (-9) den Platzrekord für 18 Löcher egalisiert hatte. Es war der größte Rückstand nach Runde 1, der je in der Geschichte der KPMG Women's PGA Championship überwunden wurde. Und es war erst das zweite Mal seit mehr als 60 Jahren, dass einer Spielerin ein solches Comeback in einem Major gelang: Carol Mann hatte dieses Kunststück 1964 bei der Women's Western Open vollbracht.
Hier finden Sie das finale Leaderboard der KMPG Women's PGA Championship.
Dass der letzte Tag der Entscheidung so dramatisch verlaufen würde, war schon vor dem ersten Abschlag absehbar – wenn auch aus einem anderen Grund. Ein heftiges Gewitter über der Twin Cities-Region zwang die Veranstalter, den Start um drei Stunden und dreißig Minuten zu verschieben. Mehr als 25 Millimeter Regen hatten die Grüns aufgeweicht, Böen von bis zu 50 Stundenkilometern erschwerten das Spiel zusätzlich. Als die Spielerinnen schließlich auf den Kurs gingen, wartete ein Front Nine, das die Leaderboards mehrfach auf den Kopf stellen sollte.
Vier verschiedene Spielerinnen hielten im Verlauf der ersten neun Löcher die alleinige Führung – ein Beleg für die Offenheit des Finales. Ryu selbst startete mit Bogeys auf Loch 1, 4 und 5 denkbar schlecht in die entscheidende Runde. Zwischenzeitlich übernahm die Niederländerin Dewi Weber mit einem Eagle auf dem Par-5 der Sieben das Zepter, bevor Henderson beharrlich nach vorne rückte. Es waren nervenaufreibende erste Neun für alle Beteiligten.
Die Wende kam mit dem neunten Loch. Ryu versenkte einen 14-Fuß-Putt vom Fringe – Henderson antwortete aus 15 Fuß. Beide gingen gleichauf in die Back Nine. Auf Loch 10 lochte Ryu erneut aus 14 Fuß ein, Henderson konterte postwendend aus 13 Fuß. Doch Ryu behielt die Führung. Was folgte, war schlicht meisterhaftes Ball-Striking: Die letzten 13 Löcher spielte die Südkoreanerin bogeyfrei in vier unter Par. Loch 16 – auf dem Nelly Korda in Runde 1 und Runde 4 jeweils einen Doppelbogey fabrizierte – meisterte Ryu mit einem verwandelten Par-Putt aus sieben Fuß. Der Sieg war ihr nicht mehr zu nehmen.
„Es fühlt sich an wie ein Traum, der wahr geworden ist, weil ich ein paarmal versucht habe, Major-Championesse zu werden – und es nicht geschafft habe. Heute habe ich es geschafft, und ich bin gerade so glücklich", sagte Ryu bei der Siegerehrung auf dem 18. Grün.
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Haeran Ryu ist seit 2023 auf der LPGA Tour – und hat in jeder ihrer vier bisherigen Saisons mindestens einmal gewonnen. Mit dem Triumph in Chaska gesellt sie sich in eine äußerst exklusive Gesellschaft: Seit 1990 gelang das nur sechs weiteren Spielerinnen, darunter Karrie Webb, Yani Tseng und Jin Young Ko. Sie ist außerdem das 21. Mitglied Südkoreas im Kreis der Major-Siegerinnen.
Dass sie in Chaska überhaupt noch eine Chance haben würde, verdankt sich nicht zuletzt einem taktischen Entschluss nach der Auftaktrunde: Ryu wechselte ihren Putter. Und sie nahm einen Rat ihres Trainers zu Herzen, der in seiner Schlichtheit viel über ihr Wesen aussagt. „Du hast kein anderes Problem – vertrau deinem Schlag, vertrau deinem Caddie und vertrau dir selbst auf dem Platz", zitierte sie ihn während der Siegerehrung.
Das tat sie in spektakulärer Art: Runde 2 (64, -8) und Runde 3 (68, -4) waren an den jeweiligen Tagen die besten Runden des gesamten Feldes – zuletzt hatte das 1966 Mickey Wright beim selben Turnier geschafft. Die Zahlen des Finaltages unterstreichen Ryus Klasse: 10 von 14 Fairways getroffen, 13 von 18 Grüns in Regulation erreicht. Im Gesamtturnier führte sie das Feld in Strokes Gained Total, Strokes Gained Tee-to-Green sowie in der Grüns-in-Regulation-Quote (81,94 Prozent) an.
Das Turnier war zudem ihr erstes nach einer sechswöchigen Pause, die sie sich aufgrund einer kleineren Operation in Südkorea gegönnt hatte. Den Rost merkte man ihr bestenfalls in den ersten Löchern des Finaltages an.
Ina Yoon hatte dieses Turnier mit einem Paukenschlag eröffnet. Ihre 63 in Runde 1 ist gleichbedeutend mit dem Platzrekord für 18 Löcher beim KPMG Women's PGA Championship – aufgestellt von Größen wie Patty Sheehan, Meg Mallon und Nelly Korda. Nach 36 Löchern führte die 23-Jährige mit -12, ebenfalls Turnierrekord. Dann kam Runde 3: ein 75er (+3) brachte sie von der Spitze – und Ryu übernahm.
Im Finale kämpfte sich Yoon zurück, birdete das letzte Loch und sicherte sich damit den alleinigen zweiten Platz mit -11. Es war ihr bisher bestes Ergebnis auf der LPGA Tour – und das nach ihrem ersten Auftritt in der letzten Gruppe eines LPGA-Finaltages überhaupt. „Ein bisschen enttäuscht gestern und heute, aber ich glaube, ich habe unter Druck einen guten Job gemacht – und das gehört zum Golf dazu. Ich glaube, das wird eine wirklich große Lektion für die Zukunft sein", sagte Yoon.
Aus dem Feld der Verfolgerinnen ragten am Ende Dewi Weber (Niederlande) und Brooke Henderson (Kanada) heraus, die sich beide auf -10 (278) den geteilten dritten Platz sicherten.
Dewi Webers Woche verdient dabei besondere Erwähnung. Die 30-Jährige, vor dem Turnier auf Weltranglistenplatz 210 geführt, hielt im Finale zeitweise die alleinige Führung – durch ein Eagle auf dem Par-5 der Sieben aus acht Fuß. Ihr geteilter dritter Platz ist nicht nur das beste Ergebnis ihrer Karriere, sondern auch das historisch beste Abschneiden einer niederländischen Spielerin in einem Major-Turnier, bei Damen und Herren. Dass Weber dieses Turnier mit einer besonderen Gelassenheit angegangen war, führte sie selbst auf eine tiefergehende Veränderung ihrer Perspektive zurück – nicht zuletzt wegen der kürzlich bekanntgegebenen Schwangerschaft: Sie und ihre Frau erwarten ihr erstes Kind im Dezember. Den sportlichen Wert ihres Ergebnisses kommentierte Weber in der Pressekonferenz mit trockenem Humor: „Meine Frau und ich scherzen, dass ich dieses Turnier dreimal gewinnen müsste, um uns in der Stadt, in der wir leben, ein Haus leisten zu können."
Brooke Henderson wiederum spielte eine emotional aufgeladene Woche. Am Donnerstagmorgen – just während der ersten Runde – brachte ihre Schwester und langjährige Caddie Brittany ihr erstes Kind zur Welt: ein Mädchen namens Sahalee, benannt nach dem Kurs, auf dem Brooke Henderson 2016 ihren ersten Major-Titel gewann. Diese Nachricht begleitete Henderson durch die gesamte Woche. „Manchmal war ich in einer schwierigen Lage und dachte: Es ist gut. Das Leben ist gut", erzählte die Kanadierin im Pressegespräch. Der geteilte dritte Rang ist ihr neuntes Top-5-Ergebnis in Major-Turnieren – ein Zeichen ihrer konstanten Weltklasse.
Das narrative Gravitationszentrum der Woche vor dem Turnier war zweifellos Nelly Korda. Die Weltranglistenerste war nach Siegen bei der Chevron Championship und bei der U.S. Women's Open auf der Jagd nach dem dritten aufeinanderfolgenden Major-Sieg in einer Saison – ein Kunststück, das auf der LPGA Tour erst zwei Spielerinnen je gelungen ist. Am Ende stand der geteilte achte Platz mit -6 und einer abschließenden 73.
Die Geschichte ihrer Woche ist schnell erzählt: Korda schlug den Ball so gut wie in den meisten ihrer bisherigen Events, doch auf den Grüns ließ sie Schläge liegen. Fünf Drei-Putts in einer Woche – in keinem anderen Turnier dieser Saison waren es mehr als drei gewesen. Dazu zwei Doppelbogeys auf demselben Loch: dem Par-4 der 16, einmal durch einen Wasserball kostspielig bestraft. Ausgerechnet dieses Loch, an dem Ryu souverän den entscheidenden Par-Save verwandelte.
Dabei war Korda keineswegs abgeschlagen. Nach drei aufeinanderfolgenden Birdies auf den Löchern 7, 8 und 10 der Finalrunde lag sie nur drei Schläge hinter der Führung. Doch ein Bogey auf Loch 12 stoppte die Aufholjagd endgültig. Die Amerikanerin zeigte nach dem Turnier wenig Neigung, das verpasste historische Novum zu dramatisieren. „Ihr habt das so groß gemacht. Ich habe gar nicht daran gedacht. Ich war einfach enttäuscht, wie ich diese Woche gespielt habe – nicht wirklich, dass ich knapp gescheitert bin", sagte Korda nach dem Turnier.
Trotz der Enttäuschung: Korda hat in allen neun offiziellen Stroke-Play-Events dieser Saison die Top 10 erreicht – die längste solche Serie zum Saisonstart seit Karrie Webb, die 1999 mit 13 aufeinanderfolgenden Top-10-Ergebnissen begann. Und das Kalenderjahr ist noch nicht vorbei: Bei der Amundi Evian Championship und beim AIG Women's British Open wartet die nächste Chance auf Major-Geschichte.
Das KPMG Women's PGA Championship 2026 dürfte in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung bleiben. Zum einen als das Turnier, in dem das bislang größte Comeback der Turniergeschichte gelang. Zum anderen als das mit Abstand bestdotierte Damen-Major aller Zeiten – das Preisgeld von 13 Millionen Dollar übertrifft alles, was es in diesem Sport zuvor gab.
Der Scoring-Durchschnitt des Feldes lag bei 73,067 (+1,067) – der drittbeste Wert der letzten 25 Jahre beim KPMG Women's PGA Championship und ein Zeugnis dafür, dass Hazeltine National trotz aufgeweichter Grüns ein anspruchsvolles Parcours blieb. 2019, beim letzten Mal, als das Turnier hier ausgetragen wurde, lag der Schnitt noch bei 74,230.
Die LPGA Tour hat in den kommenden Wochen noch zwei weitere Majors auf dem Programm. Bei der Amundi Evian Championship in Frankreich und bei der AIG Women's British Open in Royal Lytham bieten sich Nelly Korda weitere Gelegenheiten, ihre Saisonbilanz mit historischen Dimensionen zu veredeln – und gleichzeitig die für die LPGA Hall of Fame benötigten Punkte einzusammeln.
Derweil hat die LPGA Tour mit Ina Yoon und Dewi Weber zwei neue Gesichter, die nach Chaska mit neuem Selbstbewusstsein in die Saison blicken werden. Und Haeran Ryu kann sich künftig mit einem Titel schmücken, den sie sich nicht vorenthalten lassen wollte: Major-Championesse. „Es ist toll. Major-Championesse Haeran Ryu – toll", sagte sie bei der Siegerehrung und lachte. „Ich bin so glücklich, dass ich den Major-Titel habe. Und beim nächsten Turnier werden sie mich als Major-Championesse Haeran Ryu vorstellen. Das ist unglaublich für mich."
29 Jun 2026
Haeran Ryu gewinnt bei der KPMG Women's PGA Championship ihren ersten Major-Titel. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)