


Wer auf Guadeloupe den Schläger schwingen möchte, kommt an einer Adresse nicht vorbei: Der Golf International de Saint-François ist der einzige 18-Loch-Platz der Insel und gleichzeitig ein echtes Denkmal der Golfarchitektur. Entworfen wurde die Anlage im Jahr 1978 von keinem Geringeren als Design-Legende Robert Trent Jones Sr.. Gelegen an der Südostspitze der Insel, eingebettet zwischen einer lebhaften Marina und einem Regionalflughafen, bietet der Platz eine faszinierende Mischung aus Karibik-Idylle und sportlichem Anspruch.
Der Par-71-Kurs ist mit einer Länge von 4.835 bis 5.938 Metern kein reiner Platz für Longhitter; vielmehr steht hier die strategische Finesse im Vordergrund. Ganz im Sinne des Meisters gilt das Prinzip: Risiko wird belohnt, Übermut bestraft. Die insgesamt 71 Bunker sind so platziert, dass sie genau dort lauern, wo der Wind – die sogenannten Alizés (Passatwinde) – die Bälle aus der Bahn treibt. Sie erfordern eine exzellente Flugballkontrolle und beeinflussen die Schlägerwahl oft um bis zu zwei Eisen.
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Mitte 2026 präsentiert sich der Platz in einer spürbaren Übergangsphase. Nach der Insolvenz des angeschlossenen Hotels hat die Pflege zuletzt gelitten, doch die Stadt Saint-François erhält die Anlage nun als öffentlichen Platz. Das Team vor Ort arbeitet mit Nachdruck an der Regeneration; auch wenn die Bunker und einige Grüns aktuell noch nicht im Top-Zustand sind, tut dies dem Spielspaß kaum einen Abbruch.
Die Front Nine (Par-35) starten mit einem geraden, von Palmen gesäumten Par-5. Besonders markant ist Bahn 4: Dieses Par-4 verläuft entlang des Flughafens steil bergauf und spielt sich dadurch deutlich länger, als die 326 Meter vermuten lassen. Einen tollen Kontrast bietet direkt danach das Par-3 der fünften Bahn, das tief bergab führt. Zum Abschluss der ersten Hälfte fordert Bahn 9 ein kluges Course Management, da sich das Fairway im sanften Rechtsbogen um einen Teich zieht.
Auf den zweiten Neun verschärft sich das Spiel spürbar, da Wasserhindernisse an vielen Bahnen präsent sind. Ein optisches Highlight ist das Par-3 der elften Bahn, bei dem ein großer Teich im Carry überspielt werden muss.
Das absolute Meisterstück in Sachen Taktik wartet jedoch zum Finale an Bahn 18 (Par-4). Nach einem präzisen Abschlag knickt die Spielbahn als Doppel-Dogleg um fast 90 Grad nach links ab. Der anspruchsvolle Approach auf das leicht versetzte Grün verzeiht keine Fehler: Links droht ein Bunker, während das Gelände rechts direkt in einen Teich abfällt – Nervenkitzel pur in Sichtweite des Clubhauses.
Was den Golf International de Saint-François neben seinem Layout so besonders macht, ist die typisch französisch-karibische Lebensart. Hier herrscht eine angenehme, ungezwungene Lässigkeit. Angesichts der tropischen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit sind Bermudas auf dem Fairway der Standard. Fans der Fernsehserie „Death in Paradise“ werden den Platz zudem wiedererkennen: Hier teete einst der Commissioner gemeinsam mit dem Inspector auf – die passenden Drehorte rund um die Honoré Police Station und Catherine’s Bar lassen sich wunderbar im Westen der Insel, in Deshaies, besichtigen.
16 Jun 2026
Golf de Saint-François liegt auf Guadeloupe!, einer Exklave Frankreichs.
Impressionen aus dem Golf International de Saint-François. (Fotos: Michael Althoff)