


Patrick Reed ist derzeit der wohl heißeste Spieler im Weltgolf. Mit seinem Sieg beim Katar Masters im Doha Golf Club krönte der US-Amerikaner eine beeindruckende Wochen-Serie im Nahen Osten. Doch hinter den Pokalen steckt ein kühles Kalkül: Die strategische Rückkehr auf die PGA Tour.
Es war ein Sonntag, der Patrick Reeds gesamte Karriere hätte widerspiegeln können: Ein holpriger Start, Zweifel der Kritiker und ein am Ende eiskalt exekutierter Triumph. Mit einem Gesamtergebnis von 16 unter Par und zwei Schlägen Vorsprung vor dem Schotten Calum Hill sicherte sich der 35-jährige Reed die begehrte Trophäe der DP World Tour in Katar.
Dabei sah es zur Mitte der Finalrunde keineswegs nach einem sicheren Sieg aus. Reed, der mit zwei Schlägen Vorsprung in den Tag gestartet war, verlor auf den ersten neun Löchern den Rhythmus. Während der Finne Oliver Lindell mit einer Birdie-Serie vorbeizog, kämpfte Reed mit seinem Putter und benötigte allein auf der Front-Nine 18 Putts. „Es sah dort draußen zeitweise nicht gut aus“, gab der Masters-Sieger von 2018 später unumwunden zu.
Hier finden Sie das Endergebnis des Qatar Masters der DP World Tour.
Doch wer Patrick Reed kennt, weiß um seine mentale Widerstandsfähigkeit. Pünktlich zum Turn wendete sich das Blatt. Mit Birdies an der 10 und 11 holte er sich die Führung zurück und kontrollierte fortan das Geschehen. Während Verfolger wie Calum Hill oder Jacob Skov Olesen (Geteilter 3.) auf den Schlusslöchern Risiken eingehen mussten, spielte Reed taktisch diszipliniert. Ein präzises Eisen an der gefährlichen 14. Bahn besiegelte den Vorsprung, den er mit sicheren Pars ins Clubhaus brachte.
„Zwei Siege und ein zweiter Platz in drei Wochen – das ist fantastisch“, bilanzierte Reed. „Besonders stolz bin ich darauf, wie ich heute den Schalter umgelegt habe, als das Momentum gegen mich zu laufen schien.“
Viel spannender als der sportliche Sieg ist jedoch das „Big Picture“ hinter Reeds Auftreten auf der DP World Tour. Erst vor wenigen Wochen sorgte der US-Amerikaner für Schlagzeilen, als er seinen Vertrag bei der saudi-arabischen LIV-Liga nicht verlängerte und seine Rückkehr zur PGA Tour ankündigte. Was viele für ein riskantes Unterfangen hielten, entpuppt sich nun als Geniestreich. Durch die Kooperation der großen Touren erhalten die besten zehn Spieler der europäischen Jahreswertung (Race to Dubai), die nicht bereits auf der PGA Tour startberechtigt sind, eine volle Spielberechtigung für die US-Tour der Folgesaison.
Mit dem Sieg in Katar hat Reed dieses Ziel faktisch schon im Februar erreicht. Mit über 2.200 Punkten führt er die Wertung so dominant an, dass ihm die Karte für 2027 kaum noch zu nehmen sein dürfte. Mehr noch: Durch den Sprung zurück in die Top 20 der Weltrangliste hat Reed seinen Startplatz bei allen vier Major-Turnieren des Jahres 2026 abgesichert – ein Privileg, das vielen seiner ehemaligen LIV-Kollegen derzeit verwehrt bleibt.
Reed scheint in Europa Gefallen an der Rolle des Gejagten gefunden zu haben. Sein Blick richtet sich nun auf einen historischen Meilenstein: „Es war schon immer ein Traum von mir, als Amerikaner die Saisonwertung in Europa zu gewinnen.“ Sollte ihm das gelingen, wäre er nach Collin Morikawa erst der zweite US-Profi, dem dieses Kunststück gelingt.
Die Konkurrenz ist gewarnt: Patrick Reed spielt nicht mehr nur gegen das Feld, er spielt um sein Vermächtnis.
09 Feb 2026
Patrick Reed gewinnt beim Qatar Masters der DP World Tour seinen zweiten Titel der Saison 2026. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)