


Grundlage dieses Artikels ist ein Interview, das Adam Schupak für Golfweek mit Charley Hull geführt hat. Die Zitate wurden aus dem Englischen ins Deutsche übertragen.
Charley Hull hat eine klare Forderung formuliert: Wer auf der LPGA Tour wiederholt zu langsam spielt, soll gesperrt werden. Der Vorstoß kommt zu einem passenden Zeitpunkt. Bei der Buick LPGA Shanghai, das am 18. Oktober endete, erhielten Carlota Ciganda und Yealimi Noh jeweils zwei Strafschläge wegen Slow Play.
Auf die Frage, wie sich das Tempo-Problem auf der Tour lösen ließe, antwortete Hull zunächst mit „Oh Gott, ich weiß nicht“. Danach wurde sie deutlich: „Ich finde, man sollte für ein Jahr von der Tour gesperrt werden, oder zunächst für drei Monate, denn ich will Golf spielen, und ich bin sicher, dass die langsamen Spielerinnen das auch wollen. Wenn die Strafe streng genug ist, spielt man nicht langsamer. Dann würde man dafür sorgen, dass man viel schneller spielt, als wir es jetzt tun.“
Ihre Logik ist einfach: Wer mit ernsthaften Konsequenzen rechnen muss, verzögert seine Schläge weniger. Eine Sperre von einem Jahr wäre allerdings eine drastische Maßnahme mit weitreichenden Folgen für Einkommen und Karriere. Die LPGA setzt bislang auf Geldstrafen und Strafschläge. Nach der aktuellen Regel stehen Spielerinnen 40 Sekunden für jeden Schlag zur Verfügung.
Für den Fall, dass sie einen Tag lang Commissioner der LPGA wäre, hat Hull ein weiteres Modell. „Wenn es nach mir ginge, hätten wir jede Woche ein Feld mit 100 Spielerinnen, das auf 50 bis 55 zusammengestrichen wird, und am Wochenende würden immer Zweier-Gruppen spielen.“
Mit Platz 8 der Weltrangliste gehört Hull zur Weltspitze. Ihr Sieg bei der PIF Saudi Ladies International zu Jahresbeginn und der zweite Platz bei der U.S. Women's Open zeigen, dass sie vorne mitspielen kann. Im September gehörte sie außerdem zum europäischen Team, das den Solheim Cup gewann.
Auf dem Platz gilt Hull als extrem ehrgeizig. Sie sagt: „Ich glaube, manchmal bin ich zu golfbesessen, wirklich.“ Und weiter: „Ich bin eine Workaholic.“ Ihr größter Gegner ist damit nicht der Platz, sondern sie selbst: „Ich wünschte, ich könnte mir selbst öfter Nein sagen.“

Besonders beeindruckt zeigt sich Hull von Michael Brennan. Beim Grant Thornton Invitational 2025, eimem Mixed-Turnier, spielte sie mit dem US-Amerikaner und belegte gemeinsam mit ihm den zweiten Platz. Der 24-Jährige hat inzwischen drei PGA-Tour-Siege gesammelt und liegt auf Platz 19 der Weltrangliste.
Hull lobt ihn ausdrücklich: „Wenn ich mit jemandem auf der PGA Tour spielen könnte, wäre es Michael, denn er ist einer der beeindruckendsten Golfer, die ich je gesehen habe, und er wird ein Major gewinnen.“ Sie geht noch weiter: „Ich sehe ihn ganz klar als künftige Nummer eins der Welt.“ Auch menschlich überzeugte er sie, als ihre Nichte mit dabei war: „Er ist so ein netter Kerl.“
Im Dezember werden die beiden nicht gemeinsam antreten. Hull ist Brautjungfer bei der Hochzeit von Georgia Hall, die ebenfalls Profigolferin auf der LPGA ist, und verpasst deshalb das Grant Thornton Invitational. Über den Termin sei sie „ziemlich sauer“ auf ihre Freundin, sagte Hull Golfweek scherzhaft.
Abseits des Golfplatzes spricht Hull offen über das Rauchen. Ihr Vater habe früher täglich 40 Zigaretten geraucht, berichtet sie. Sie selbst hat aufgehört und sagt dazu: „Ich bin ziemlich willensstark, was Dinge angeht, und ich finde es ziemlich einfach.“ Auf Nikotin verzichtet sie dennoch nicht ganz: Sie nutzt heute Nikotinbeutel.
20 Oct 2026
Charley Hull hat in einem Interview Sperren als Strafen für Slow-Play vorgeschlagen. (Foto: Zuma Press Wire)