


Wenn an diesem Donnerstag der erste Abschlag fällt, schreibt die U.S. Women's Open 2026 bereits Geschichte – noch bevor ein einziger Putt versenkt wird. Denn zum ersten Mal überhaupt empfängt der legendäre Riviera Country Club das bedeutendste Major-Turnier im Damengolf. Das allein wäre Grund genug für besondere Vorfreude. Doch was das Feld in Pacific Palisades versammelt hat, geht weit über einen historischen Schauplatz hinaus: Es gibt eine Dominatorin, die vor den Geschichtsbüchern steht. Eine Titelverteidigerin, die nach einer schwierigen Saison wieder zu sich gefunden hat. Und Mütter – mindestens sechs an der Zahl –, die auf dem Platz nicht nur für Punkte kämpfen, sondern für etwas Größeres.
Der Riviera Country Club ist einer der ehrwürdigsten Golfplätze der Vereinigten Staaten. Seit seiner Eröffnung 1926 – entworfen von George C. Thomas Jr. und William Bell – hat der Kurs in Pacific Palisades zahlreiche Generationen von Spitzenspielerinnen und -spielern gefordert und fasziniert. Im Herrengolf ist Riviera als Austragungsort der Genesis Invitational bestens bekannt. Für das Damengolf ist dieser Donnerstag jedoch eine Premiere.
Das Kursdesign verlangt bei dieser U.S. Women's Open vor allem Präzision. Par 71 über 6.699 Yards klingt auf dem Papier überschaubar – auf dem Platz wird schnell klar, dass reine Länge hier keine Trophäen gewinnt. Drei Löcher dürften in dieser Woche besonders im Fokus stehen:
Hier finden Sie das US Women's Open 2026 Leaderboard.
Kaum eine Spielerin in der Geschichte der LPGA Tour hat eine Saison so dominiert wie Nelly Korda im Jahr 2026. Drei Siege in sieben Starts – darunter die Chevron Championship, das erste Major des Jahres, das sie mit fünf Schlägen Vorsprung gewann. Kein Ergebnis schlechter als T8. Jeder Start entweder Sieg oder Spitzenplatz.
Die Weltranglistenerste aus den USA geht mit einem Handicap an den Start, das keine andere Spielerin im Feld hat: Sie ist die klare Favoritin, gelistet mit +400 bei BetMGM. Und doch fehlt in ihrer Sammlung noch genau dieses Turnier. Ihr bestes Ergebnis bei der U.S. Women's Open war ein T2 im Vorjahr in Erin Hills.
Was einen Sieg in Riviera so besonders machen würde: Es wäre Kordas vierter Major-Titel – und damit stünde sie unmittelbar vor dem Career Grand Slam. Nur sieben Spielerinnen in der Geschichte haben diesen Status bisher erlangt, zuletzt Inbee Park im Jahr 2015. Karrie Webb ist bislang die einzige, die sogar alle fünf Majors in ihrer Karriere gewann – den sogenannten Super Career Grand Slam.
Bemerkenswert an Korda ist, dass sie ihren Erfolg auf denkbar unspektakuläre Weise erklärt. Kein Überanalysieren, kein Reinventieren des eigenen Spiels nach einer ungewöhnlich sieglosen Saison 2025. „Athletinnen, die ein schwieriges Jahr hatten, versuchen das Rad neu zu erfinden. Ich sage mir: Das hier funktioniert. Ich gebe jeden Tag alles, und ich weiß, dass sich das irgendwann auszahlt."
In Runde 1 und 2 spielt Korda gemeinsam mit Hyo Joo Kim und Hannah Green – zwei der heißesten Spielerinnen der Saison. Ein Flight, der für sich schon ein kleines Turnier im Turnier ist.
Das Feld in Riviera ist eines der stärksten, das die U.S. Women's Open je gesehen hat. Mehrere Spielerinnen haben realistische Chancen, Korda zu gefährden:
Jeeno Thitikul (Weltranglistenzweite) ist die Einzige, die Korda auf den Wettmärkten einigermaßen nahekommt (+850). Die Thailänderin hat 2026 bereits zwei Turniere gewonnen und sucht ihren ersten Major-Titel. Ihre Konsequenz vom Tee und auf den Grüns macht sie auf einem Präzisionskurs wie Riviera besonders gefährlich.
Ruoning Yin ist in dieser Saison noch ohne Sieg, zeigt aber seit dem Cut-Aus beim JM Eagle LA eine stetig steigende Form: T2 bei der Chevron, zweiter Platz beim Mizuho Americas Open, vierter Platz in Cincinnati. Die Chinesin weiß, wie man Majors gewinnt – sie ist amtierende KPMG-Siegerin.
Hyo Joo Kim gewann im März zwei Turniere in Folge und spielt in Runde 1 direkt neben Korda. Ihre einziger Major-Sieg liegt zwölf Jahre zurück (Evian 2014) – Riviera könnte die Bühne für eine Rückkehr in die allererste Reihe sein.
Hannah Green hat in dieser Saison ebenfalls zwei Siege auf dem Konto, darunter das JM Eagle LA Championship – ein Turnier, das keine 25 Kilometer von Riviera entfernt gespielt wird. Heimvorteil, zumindest in geografischer Hinsicht.
Lydia Ko fehlt für den Career Grand Slam nur noch ein Sieg bei der U.S. Women's Open. Celine Boutier, frische Turniergewinnerin der Vorwoche, kommt mit dem Rückenwind des Moments nach Riviera.

Im vergangenen Jahr schrieb Maja Stark in Erin Hills eine der schönsten Major-Geschichten der jüngsten LPGA-Geschichte. Die Schwedin gewann bei der U.S. Women's Open 2025 ihren ersten Major-Titel – und erlebte danach eine Phase, die sie selbst offen als die schwierigste ihres Lebens beschreibt.
In den Monaten nach dem Triumph verpasste sie fünf von sieben Cuts. Ein Einbruch, der in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit erhielt und den Stark nicht versteckte, sondern aktiv anging: Sie baute ein erweitertes Support-Team auf, arbeitete mit einer Therapeutin, einer Sportpsychologin und einem Mental Coach zusammen. „Es war einfach wirklich schön zu merken, dass ich nicht verrückt bin. Alle sagten mir: Du schaffst das. Du kommst zurück. Und dann ist es irgendwann wirklich passiert."
In dieser Saison hat sich der Aufwärtstrend materialisiert. Stark hat sieben von acht Cuts erreicht, ihr bislang bestes Ergebnis des Jahres war ein T16 – und ein neuer Putter hat ihr auf dem Weg dahin zusätzliches Vertrauen gegeben. Ausgerechnet auf U.S.-Open-Grüns, die für ihre Schnelligkeit bekannt sind. Diese Woche in Riviera gibt es für Stark einen symbolischen Schnitt: Sie muss den Pokal zurückgeben, den sie vor einem Jahr in Erin Hills in die Höhe reckte. Ein metaphorischer Schlussstrich – und der Beginn von etwas Neuem.
Riviera versammelt in diesem Jahr eine besondere Gruppe von Spielerinnen: Mütter, die den Weg zurück auf den Platz gefunden haben – manche nach einer kurzen Pause, andere nach einer Karrierepause von mehreren Jahren. Und eine, die in wenigen Wochen ihr erstes Kind erwartet.
Wenn Madelene Sagstrom am Donnerstagmorgen um 10:29 Uhr ET von Bahn 1 abschlägt, trägt sie in gewisser Weise zwei Personen zum Abschlag. Die 33-jährige Schwedin ist im achten Monat schwanger und wurde vor Turnierbeginn dabei beobachtet, wie sie im Trainingsbereich Bunkerschläge übte – die linke Hand auf dem Bauch.
Sagstrom, zweifache LPGA-Siegerin, sagt, sie spiele, solange es sich gut anfühle. Nach der U.S. Women's Open will sie die Saison beenden, bevor die LPGA im Juli nach Übersee wechselt. Ihre Teilnahme in Riviera ist ein Statement: Mutterschaft und Leistungssport schließen sich nicht aus.
Auf unterschiedlichen Wegen haben mehrere weitere Mütter ihren Weg nach Pacific Palisades gefunden.
Ally Ewing tritt erstmals seit dem CME Group Tour Championship 2024 wieder bei einem Turnier an. Sohn Tate feierte im Mai seinen ersten Geburtstag und ist natürlich dabei. Als Caddie auf der Tasche: Ewings Ehemann Charlie, hauptberuflich Headcoach des Golfteams der Mississippi State University. Eine Familien-Unternehmung in jeder Hinsicht.
Xiyu Janet Lin aus China bestreitet nach der Geburt ihres Sohnes Barney im Oktober 2025 ihren ersten Wettkampfstart. Die Olympia-Bronzemedaillengewinnerin von Paris 2024 macht damit deutlich, dass auch eine internationale Spitzenkarriere und Mutterschaft vereinbar sind.
Alison Lee ist mit ihrem einjährigen Sohn Levi angereist – und schläft bei ihren Eltern in Valencia, Kalifornien, die ihr in dieser Woche mit der Kinderbetreuung helfen. Lee ist bekannt dafür, wie offen sie über die Herausforderungen des Alltags mit Kind und Tourkarriere spricht.
„Ich versuche es von Tag zu Tag zu nehmen. Es ist wirklich schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Manchmal fühle ich mich, als würde ich unter Wasser versinken – aber zum Glück habe ich tolle Menschen um mich herum."
Brittany Lang, U.S.-Women's-Open-Siegerin von 2016, tritt erstmals als zweifache Mutter bei diesem Turnier an. Sohn Krew wurde im Juni 2025 geboren.
Was alle diese Spielerinnen verbindet, ist auch eine historische Einordnung: Die letzte Mutter, die auf der LPGA Tour gewann, war Stacy Lewis im Jahr 2020. Die letzte Mutter, die die U.S. Women's Open gewann, war Juli Inkster – im Jahr 2002.
Michelle Wie West ist die emotionalste Geschichte dieser Woche. Die fünffache LPGA-Siegerin und U.S.-Open-Championesse von 2014 hatte ihre Karriere 2023 in Pebble Beach beendet – und kehrt nun dank einer Maternity Exemption für ein allerletztes Mal zurück. Ausgerechnet nach Riviera, dem Herzstück der Familie ihres Mannes Jonnie West: Schwiegervater Jerry West, Basketball-Legende und langjähriger Turnierdirektor am Riviera Country Club, verstarb 2024. Wie West trägt in dieser Woche eigens gestaltete Nike-Schuhe zu seinen Ehren.
Nicht der Score steht für sie im Mittelpunkt, sondern die Erinnerung – vor allem die ihrer fast sechsjährigen Tochter Makenna, die am Rande des Fairways zuschaut. Auf die Frage, was diese Woche bedeute, antwortet Wie West schlicht: „Es ist alles."
Ihrem eigenen Anspruch formuliert sie so, wie sie es Makenna vor jedem Turnier sagt: Eine gute Einstellung und der Wille, sein Bestes zu geben – mehr braucht es nicht. Wie West startet am Donnerstag um 16:36 Uhr ET von Bahn 1 – gemeinsam mit Hinako Shibuno und Yani Tseng.
Die Runde 1 der U.S. Women's Open 2026 beginnt am Donnerstag, den 4. Juni, ab 9:45 Uhr Ortszeit (15:45 Uhr MESZ) mit simultanen Abschlägen an Bahn 1 und Bahn 10. Insgesamt gehen 156 Spielerinnen an den Start.
Highlight-Flights zum Vormerken:
Riviera ist ein würdiger Rahmen. Aber was an diesem Donnerstag in Pacific Palisades beginnt, ist mehr als ein Golfturnier. Es ist die Geschichte einer Dominatorin, die vor den Geschichtsbüchern steht. Die Geschichte einer Titelverteidigerin, die sich Schritt für Schritt zurückgekämpft hat. Und die Geschichte von Frauen, die zeigen, dass sportliche Exzellenz und Mutterschaft keine Gegensätze sind.
Schreibt Nelly Korda in dieser Woche Geschichte? Wer überrascht auf einem Kurs, der keine Fehler verzeiht? Und was bedeutet diese Woche für Michelle Wie West und ihre Familie, wenn die Tochter vom Rand des Fairways zuschaut? Die Antworten gibt die US Women's Open ab Donnerstag.
03 Jun 2026
Nelly Korda geht als Topfavoritin in die US Women's Open 2026, die im Riviera Country Club stattfindet. (Foto: Imago / ImagenShop)