


Von der Jagd nach Perfektion, selbstgebauten Eisen und einer Rivalität, die den Golfsport elektrisiert: Bryson DeChambeau präsentiert sich vor seinem zehnten Masters-Start in Augusta so gereift wie nie zuvor. Doch der „Mad Scientist“ wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch dieses Jahr mit einer technischen Revolution im Gepäck anreisen würde.
Wenn Bryson DeChambeau am Dienstag vor dem US Masters 2026 das Pressezentrum von Augusta National betritt, ist eines sicher: Es wird nicht langweilig. Wo andere Profis über „einen Schlag nach dem anderen“ philosophieren, spricht der 32-Jährige über Aerodynamik, Bodenkontakt-Dynamik und die emotionale Last des Scheiterns.
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Die größte Überraschung lieferte DeChambeau bereits vor dem ersten Abschlag: Er ist unter die Schlägermacher gegangen. Nach dem Bruch mit seinem bisherigen Partner L.A. Golf im Februar nimmt der US-Open-Sieger von 2024 die Dinge nun buchstäblich selbst in die Hand. Er baut seine Eisen und Driver nun in Eigenregie, ohne festen Branding-Vertrag.
„Es sind meine eigenen persönlichen Schläger, die ich baue. Mit mir selbst“, erklärte DeChambeau am Dienstag gewohnt kryptisch. Hinter der Tüftler-Fassade steckt jedoch Kalkül. Er sucht nach dem perfekten „Bounce“, um den schwierigen Untergrund in Augusta besser zu meistern. Ob die Prototypen bereits diese Woche im Bag landen, ließ er offen, nahm sich aber selbst in die Pflicht: „Wenn ich sie nicht in die Tasche packe, ist es jetzt meine eigene Schuld.“
Hier finden Sie das US Masters 2026 Leaderboard und Livescoring.
Viel bemerkenswerter als seine technischen Experimente ist jedoch DeChambeaus mentale Wandlung. Der Mann, der 2020 mit seiner „Par 67“-Aussage den Zorn der Traditionalisten auf sich zog, zeigt heute eine fast untypische Demut. Die Jahre der „Masters-Mediokrität“ und das bittere Finale 2025, als er in der Schlussrunde gegen Rory McIlroy den Kürzeren zog, haben Spuren hinterlassen.
„Es geht darum, mehr Geduld zu haben und nicht die ganze Zeit aggressiv zu sein“, so DeChambeau gegenüber der Presse. Er setze nun auf „Gehorsam“ gegenüber dem Platzdesign von Alister MacKenzie. Sein Caddie Greg Bodine fungiere dabei als wichtigstes Korrektiv, um den Offensivdrang des Kraftpakets in die richtigen Bahnen zu lenken.
Trotz der neuen Sanftmut lodert das Feuer, sobald der Name Rory McIlroy fällt. Die Rollenverteilung ist klar: DeChambeau schlug McIlroy 2024 bei der US Open, McIlroy konterte 2025 mit dem Sieg beim US Masters. Es ist eine der derzeit größten Rivalitäten im Golf – und DeChambeau genießt sie sichtlich.
„Respektiere ich ihn als Individuum? Zu 100 Prozent. Will ich ihn jedes Mal schlagen, wenn ich ihn sehe? Absolut“, gab er unumwunden zu. Diese „Juxtaposition“ aus sportlicher Hochachtung und dem unbedingten Willen, den Gegner zu bezwingen, sei genau das, was den Sport derzeit brauche.

Dass DeChambeau längst mehr ist als ein reiner Profisportler, unterstreicht sein neuester Business-Deal mit der Kultmarke SWAG Golf. Als Botschafter und Mitgestalter nutzt er seine enorme digitale Reichweite von über sieben Millionen Followern. Es ist ein moderner Ansatz: DeChambeau verkauft nicht nur Golfschläge, sondern einen Lifestyle, der Innovation und Rebellion gegen alte Regeln feiert.
Physisch wirkt DeChambeau schlanker und fitter als in den Vorjahren, spielerisch ist er nach zwei LIV-Siegen in Folge in bester Form. Wenn er am Donnerstag am ersten Abschlag steht, wird er nicht mehr versuchen, Augusta mit roher Gewalt zu bezwingen. Er wird versuchen, den Platz mit seinem Verstand und einer neuen, fast stoischen Ruhe zu lesen.
Sollten er und McIlroy am Sonntag erneut gemeinsam auf die letzten neun Löcher gehen, wäre das Drehbuch für eines der epischsten Masters der Geschichte bereits geschrieben. DeChambeau ist bereit – mit oder ohne selbstgebaute Schläger.
08 Apr 2026
Bryson DeChambeau will das US Masters 2026 taktisch anders angehen als in den letzten Jahren. (Foto: Imago / Bildbyran)