


Team USA hat am Sonntag mit der größten Schlusstag-Aufholjagd der Turniergeschichte den Presidents Cup 2026 im Medinah Country Club gewonnen. Die US-Auswahl lag vor dem Schlusstag mit 7,5:10,5 zurück, gewann die Einzelpartien mit dem Rekordergebnis von 9,5:2,5 und drehte das Turnier so noch zu einem 17:13. Es ist der insgesamt elfte Presidents-Cup-Sieg in Folge (14. Titel insgesamt) – dem Internationalen Team blieb damit erneut der erste Titel auf US-amerikanischem Boden verwehrt.
Das Internationale Team war mit der besten Ausgangslage seiner Geschichte auf US-Boden in den Sonntag gegangen: Nach einem 5:0-Foursomes-Sweep am Freitag und einer weiteren Ausbeute am Samstag stand es 10,5:7,5 – der größte Vorsprung, den eine internationale Auswahl je nach drei Tagen bei einem Presidents Cup hatte. Aus den zwölf Einzeln hätte das Team von Kapitän Geoff Ogilvy nur noch fünf Punkte zum Titelgewinn benötigt. Team USA brauchte im Gegenzug mindestens acht der zwölf Punkte, um den Cup zurückzuholen.
Am Ende drehte die US-Auswahl das Kräfteverhältnis komplett: Sie gewann die Einzel mit 9,5:2,5, dem höchsten Sonntags-Übergewicht der Turniergeschichte, und übersprang die nötige 15,5-Punkte-Marke deutlich. Damit setzte sich die Serie seit dem bislang einzigen International-Sieg 1998 in Royal Melbourne fort.
Den entscheidenden Punkt lieferte ein Neuling: Jacob Bridgeman lochte am 18. Grün einen kurzen Par-Putt und gewann sein Einzel gegen Min Woo Lee, einen der stärksten Spieler der Internationals in dieser Woche, mit 1 up. Es war Bridgemans erster Punkt bei seiner Presidents-Cup-Premiere – und zugleich der Punkt, der die US-Auswahl über die entscheidende Marke hob.
Für die vielleicht größte Überraschung des Tages sorgte ein anderer Rookie. Jackson Koivun, dessen Nominierung im Vorfeld für Diskussionen gesorgt hatte, bezwang mit Si Woo Kim den bestplatzierten Spieler der Internationals. Der 21-Jährige gewann fünf der letzten acht Löcher. „Ich habe ihn heute in eine große Situation gebracht, eine wirklich große", sagte US-Kapitän Brandt Snedeker nach dem Sieg über Koivun. „Das war ein gewaltiges Match. Wenn wir heute überhaupt eine Chance haben wollten, musste er es gewinnen." Alle drei US-Rookies – neben Bridgeman und Koivun auch Chris Gotterup, der klar gegen Christiaan Bezuidenhout gewann – holten am Sonntag ihren Punkt.
Das Rückgrat der Wende bildeten die erfahrenen Spieler, von denen viele ein Jahr zuvor beim Ryder Cup knapp gescheitert waren. Das Quartett aus Scottie Scheffler, Justin Thomas, Patrick Cantlay und Xander Schauffele lag in keinem seiner Matches jemals zurück – vier erwartete Punkte, vier geholte Punkte. Cameron Young setzte mit seinem Sieg über den japanischen Rookie Ryo Hisatsune früh den Ton.
Zum eigentlichen Kipppunkt wurde das Duell zwischen Collin Morikawa und Hideki Matsuyama. Am 15. Grün lag Morikawa noch mit 1 down zurück, während Matsuyama einen Birdie-Putt aus kurzer Distanz vor sich hatte. Morikawa lochte daraufhin selbst einen Birdie-Putt aus rund neun Metern, Matsuyama verfehlte aus weniger als anderthalb Metern – aus einem drohenden 2-down-Rückstand wurde ein Gleichstand, den Morikawa mit einem Par am 18. zum 1-up-Sieg ummünzte. „Loch 15 war der entscheidende Moment. Das ist Matchplay in einem Satz", sagte Morikawa nach der Runde.
Für die vielleicht bemerkenswerteste Szene abseits der Zählweise sorgte der Weltranglistenerste Scottie Scheffler in seinem Match gegen Nico Echavarria. Am 14. Loch rief ein Zuschauer mitten in Echavarrias Rückschwung laut dazwischen, woraufhin der Kolumbianer seinen Abschlag verzog. Scheffler stellte den Fan noch am Seil zur Rede und schenkte seinem Gegner anschließend am Grün einen Par-Putt. „Dafür ist einfach kein Platz", sagte Scheffler danach. „Das war ehrlich gesagt eine große Ablenkung." Echavarria lobte die Geste: „Wir haben den Weltranglistenersten, und er ist ein absoluter Ehrenmann. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mir diesen Par-Putt schenkt." Scheffler gab seine Führung nicht mehr ab und verbesserte seine Wochenbilanz auf 3:1.
Der Kurs selbst hatte die jüngere Geschichte eigentlich gegen die Amerikaner sprechen lassen: Beim Ryder Cup 2012 hatte Europa in Medinah einen Rückstand von 10:6 am Schlusstag gedreht und mit 14,5:13,5 das „Wunder von Medinah" perfekt gemacht. 2026 lief das Muster spiegelverkehrt: Diesmal war es die gastgebende US-Auswahl, nicht die auswärtige Mannschaft, die den Schlusstag-Rückstand egalisierte – und genau darauf hatte Snedeker gebaut. „Ich habe den Jungs gestern Abend gesagt, ich weiß, was dieser Ort auslöst. Ich war schon einmal dort, wo die andere Mannschaft jetzt steht", sagte er mit Blick auf seine eigene Niederlage als Spieler 2012.
Der Erfolg ist auch die persönliche Wende des Kapitäns. Noch am Samstagabend hatte Snedeker offen über eigene Fehler bei Aufstellung und Paarungen gesprochen. Nach dem Sieg klang er befreit: „Ich bin es leid zu hören, dass diese Jungs nicht eng zusammenstehen. Ich bin es leid zu hören, dass wir kein Teamgolf spielen können. Die Jungs haben es genau hier bewiesen." US-Assistent Jim Furyk, der 2027 die Ryder-Cup-Mannschaft in Irland führen wird, ordnete den Tag so ein: „Diese Jungs haben es zu Ende gebracht, wie ich es noch nie gesehen habe."
Für das Internationale Team bleibt der erste Sieg auf amerikanischem Boden – und erst der zweite Titel überhaupt – weiterhin offen, trotz der besten Ausgangslage seiner Geschichte vor einem Presidents-Cup-Schlusstag. Kapitän Geoff Ogilvy zeigte sich enttäuscht und stolz zugleich: „Es war einer dieser Tage; es fühlte sich einen großen Teil des Tages an wie auf Messers Schneide", sagte er. „In den letzten Stunden fing es einfach an, uns davonzugleiten." Für die Zukunft gab er sich kämpferisch: „Wir kommen wieder, und wenn wir das knacken, dann wird es richtig gut."
Für Routinier Adam Scott, der nun zwölf Presidents Cups ohne Titel gespielt hat, war Sonntag eine weitere Lehre: „Das Umfeld wird definitiv immer schwerer zu bespielen, und dieses hier war härter. Es gibt keine Ausreden, aber wir müssen daraus lernen." Der nächste Presidents Cup steigt 2028 in Australien. Für Team USA verlängert sich derweil die längste aktive Serie im Teamgolf auf elf Siege in Folge (14 Titel insgesamt).
28 Sep 2026
Team USA gewinnt nach einer famosen Aufholjagd am Sonntag den Presidents Cup 2026. Foto: Imago / Zuma Press)