


Von der Gehirn-OP zurück an die Spitze: Gary Woodland hat bei der Texas Children’s Houston Open 2026 Sportgeschichte geschrieben. Mit einem Rekordergebnis feierte der US-Amerikaner seinen ersten Sieg seit fast sieben Jahren – ein Erfolg, der weit über die Grenzen des Golfplatzes hinausstrahlt.
HOUSTON – Als der letzte Putt auf dem 18. Grün des Memorial Park Golf Course fiel, hielt die Golfwelt für einen Moment den Atem an. Es folgte kein gewöhnlicher Siegesjubel. Gary Woodland breitete die Arme aus, blickte in den texanischen Himmel und ließ den Tränen freien Lauf. Es war der Endpunkt einer langen, schmerzhaften Reise, die vor 30 Monaten im Operationssaal begann und nun im Konfettiregen von Houston endete.
Hier finden Sie das gesamte Endergebnis der Texas Children's Houston Open der PGA Tour.
Woodland dominierte das Turnier von Beginn an, doch am Finalsonntag ließ er keinerlei Zweifel an seinem Siegeswillen aufkommen. Mit einer kontrollierten 67er-Runde (-3) distanzierte er die Konkurrenz und stellte mit insgesamt 21 unter Par (259 Schläge) einen neuen Turnierrekord auf. Am Ende trennten ihn fünf Schläge von seinem nächsten Verfolger, dem jungen Dänen Nicolai Højgaard.
Für Woodland ist es der fünfte Karrieresieg auf der PGA Tour und der erste seit seinem denkwürdigen Triumph bei der U.S. Open 2019 in Pebble Beach. Doch während es damals um sportlichen Ruhm ging, fühlte sich dieser Sieg in Houston wie ein Sieg über das Leben selbst an.
Im September 2023 musste sich Woodland einer komplizierten Gehirnoperation unterziehen, um eine Läsion zu entfernen. Was nach außen wie eine erfolgreiche Genesung aussah, war intern ein täglicher Kampf. Erst vor zwei Wochen offenbarte der 41-Jährige in einem bewegenden Interview mit dem Golf Channel, dass er seither gegen eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und lähmende Angstzustände kämpft.
„Wir spielen hier draußen einen Einzelsport, aber ich war heute nicht allein“, erklärte ein sichtlich bewegter Woodland unmittelbar nach seinem Sieg gegenüber Reportern. „Ich habe so viele Menschen hinter mir. Jeder, der gerade mit etwas zu kämpfen hat: Ich hoffe, sie sehen mich und geben nicht auf. Kämpft einfach weiter.“
Besonders emotional wurde es, als er die Rolle seiner Ehefrau Gabby hervorhob: „Ohne Gabby hätte ich das auf keinen Fall geschafft. Es war schwer für mich, aber für sie war es noch viel härter.“
Während Woodland an der Spitze einsam seine Kreise zog, sorgte das restliche Feld für spielerische Feuerwerke. Besonders Shane Lowry verzückte die Zuschauer: Der Ire erzielte auf der zweiten Bahn (Par 3) mit einem perfekt geschnittenen Eisen 7 ein spektakuläres Hole-in-One – bereits sein viertes Ass auf der PGA Tour. Auch Altmeister Adam Scott gelang dieses Kunststück auf der 11. Bahn, während Jake Knapp mit einer 62er-Runde den Platzrekord einstellte.
Wie groß der Respekt vor Woodlands Leistung und seinem persönlichen Schicksal ist, zeigte sich am letzten Loch. Seine Mitspieler Nicolai Højgaard und Min Woo Lee blieben bewusst im Hintergrund, um Woodland den Weg zum 18. Grün und den Applaus der Fans allein zu überlassen – eine Geste, die man normalerweise nur bei Major-Turnieren sieht.
„Wir dachten, es sei angemessen, ihm seinen Moment zu lassen“, sagte Højgaard später gegenüber der Associated Press. „Es war ein ziemlich cooler Moment für Gary, und es war schön, das mitzuerleben.“
Mit dem Sieg in der Tasche und einer neu gewonnenen mentalen Freiheit reist Woodland nun zum Masters nach Augusta. Sein Spiel scheint mit einer Ballgeschwindigkeit von 196 mph und einer verbesserten Putter-Ausrichtung so scharf wie nie zuvor. Doch für Woodland ist der wichtigste Sieg bereits errungen: Er hat bewiesen, dass man auch nach den dunkelsten Stunden wieder im Licht stehen kann.
Die Highlights der PGA Tour im Video
30 Mar 2026
Gary Woodland gewinnt die Houston Open der GA Tour nach schweren persönlichen Schicksalsschlägen. (Foto: Imago / Icon Sportswire)