


Nelly Korda hat ihre starke Frühform auf der LPGA Tour bestätigt und die Riviera Maya Open at Mayakoba mit vier Schlägen Vorsprung gewonnen. Die Amerikanerin spielte am Sonntag eine 69 (-3) und beendete das Turnier auf dem El Camaleón Golf Course bei 17 unter Par (271 Schläge). Es ist bereits ihr dritter Sieg der Saison 2026 – und der zweite hintereinander nach ihrem Triumph bei der Chevron Championship in der Vorwoche.
Hinter Korda belegte Arpichaya Yubol aus Thailand mit 13 unter Par den zweiten Platz. Yu Liu aus China folgte mit 12 unter Par auf Rang drei. Korda hatte das Feld über die gesamte Woche im Griff und führte vom ersten Tag an – ein Auftritt, der weniger von Spannung als von Kontrolle geprägt war.
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Schon vor der Schlussrunde hatte Korda die Weichen gestellt: Sie ging mit einer Drei-Schläge-Führung in den Finaltag – und baute den Vorsprung gleich zu Beginn weiter aus. Den entscheidenden Schritt machte sie auf den Löchern 5 bis 7: Ein Eagle auf der 5 leitete eine Serie ein, der Birdies auf den beiden folgenden Bahnen folgten. Damit wuchs ihr Polster zeitweise auf sieben Schläge – und nahm den Verfolgerinnen früh die realistische Chance auf eine Wende.
Danach schaltete Korda sichtbar in den Verwaltungsmodus. Auf der Strecke blieb sie lange fehlerfrei, spielte eine Par-Serie und ließ das Turnier ohne Risiko „auslaufen“. Bemerkenswert: Über die Woche zog sich eine Phase von 60 gespielten Löchern ohne Bogey, ein statistischer Ausdruck dafür, wie stabil ihr Spiel in dieser Turnierwoche war.
Für Yubol, die sich zwischenzeitlich zumindest in Reichweite gehalten hatte, kam der Knick spät: Ihr Angriff endete mit einem Double Bogey auf der 16, wodurch der Rückstand wieder anwuchs. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass es nur noch um die Platzierungen hinter Korda ging.
Dass Golf dennoch seine eigene Dramaturgie behält, zeigte das 18. Loch. Korda nahm das Risiko eines aggressiven Abschlags, verzog nach rechts und fand den Ball im dichten Gelände nicht wieder. Über einen provisorischen Ball und zusätzliche Schwierigkeiten kämpfte sie sich zurück – und lochte schließlich einen langen Putt zum Bogey. An der Entscheidung änderte der Ausrutscher nichts: Mit komfortabler Führung war der Titel längst abgesichert.
Die Siegerin selbst ordnete die Szene entsprechend ein. Nach der Runde sagte sie: „Auf dem letzten Loch hat mich Golf demütig gemacht.“. Und sie ergänzte den Blick aufs große Ganze: „Man steckt viel Arbeit rein. Alle hier arbeiten hart. Manchmal zahlt es sich aus.“
Auf dem Papier war Kordas Erfolg in Mexiko ein weiterer klarer Start-Ziel-Sieg. In der Einordnung ist er jedoch mehr als nur ein Turniersieg, weil er mehrere Erzählstränge der LPGA-Saison 2026 zusammenführt.
Zum einen steht da die Konstanz-Serie: Korda hat ihre ersten sechs Turnierstarts der Saison mit nichts Schlechterem als Rang zwei beendet. Ihre bisherige Saison-Bilanz (1., 2., 2., T2, 1., 1.) unterstreicht, wie selten sie derzeit überhaupt aus der Spitzengruppe herausfällt. Ein solcher Saisonstart ist seit 1980 nur noch einer Spielerin gelungen: Annika Sörenstam im Jahr 2001.
Zum anderen ist da der Karriere-Meilenstein: Mit dem Erfolg in Mayakoba erreichte Korda ihren 18. LPGA-Titel. Sie gilt damit als jüngste Amerikanerin, die diese Marke seit Nancy Lopez (1980) erreicht hat – eine historische Einordnung, die Kordas Karriereentwicklung in den Kontext der großen US-Spielerinnen stellt.
Und schließlich rückt der Erfolg das Thema Hall of Fame weiter in den Vordergrund: Korda steht nun bei 23 Punkten, zur Aufnahme werden 27 benötigt. Das macht ihre sportliche Situation greifbar: Nicht abstrakte Dominanz, sondern ein konkretes Ziel rückt in Sichtweite.
Zusätzliche Bedeutung erhält der Sieg durch den Zeitpunkt. Korda hatte in der Vorwoche die Chevron Championship gewonnen und damit ihren dritten Major-Titel gefeiert – und bestätigte die Form unmittelbar mit einem weiteren Turniersieg. Genau diese Anschlussleistung nach einem Major gilt im Spitzengolf oft als Gradmesser, weil emotionale Belastung, Medienrummel und Reisestress häufig zu einem Leistungseinbruch führen. Korda dagegen trat in Mexiko so auf, als sei die Saison gerade erst in Fahrt gekommen.
Ein weiteres Detail passt in dieses Bild: Bereits nach den ersten drei Runden lag Korda bei 14 unter Par und hatte damit den 54-Loch-Turnierrekord deutlich unterboten – ein Zeichen, dass die Entscheidung im Grunde schon vor dem Sonntag vorbereitet war.
Trotz der harten Zahlen bleibt Kordas öffentliche Selbsteinschätzung auffallend zurückhaltend. Auf die Frage nach ihrer Form sagte sie: „Ich genieße es einfach und liebe den Wettbewerb. Ich habe einfach Spaß. Gerade weil der Ton nicht triumphierend, sondern nüchtern wirkt, passt er zu dieser Woche: Korda spielte nicht spektakulär im Sinne vieler riskanter Schläge – sie spielte so, dass das Turnier nie kippte.
Nach zwei Siegen in Folge kündigte Korda an, in der kommenden Woche zu pausieren. Das ist nachvollziehbar: Der Saisonstart war nicht nur erfolgreich, sondern auch intensiv. Danach wird sich zeigen, ob sie die Mischung aus Dominanz und Fehlervermeidung über die nächsten Turnierblöcke hinweg fortsetzen kann – und ob die Saison 2026 für sie tatsächlich zu einem Jahr wird, in dem Rekorde nicht als Ziel, sondern als Nebenprodukt erscheinen.
04 May 2026
Nelly Korda gewinnt mit der Riviera Maya Open ihren 18. Titel auf der LPGA Tour. (Foto: Imago)