


Nelly Korda ist wieder die Beste der Welt. Mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg bei der Chevron Championship 2026 am Memorial Park Golf Course in Houston, Texas, hat die 27-jährige US-Amerikanerin ihren dritten Major-Titel geholt und ist gleichzeitig auf die Spitze der Weltrangliste zurückgekehrt. Ihr Endresultat von 18 unter Par (270 Schläge) bedeutete fünf Schläge Vorsprung vor den geteilten Zweitplatzierten Ruoning Yin aus China und Patty Tavatanakit aus Thailand – der größte Siegabstand bei diesem Major seit 18 Jahren.
Hier finden Sie das gesamte Endergebnis der Chevron Championship 2026.
Wer auf Dramatik oder eine späte Aufholjagd gehofft hatte, wurde in Houston enttäuscht – oder besser: mit reiner Golf-Klasse entschädigt. Korda übernahm die Führung bereits beim ersten Major des Jahres nach ihrer ersten Runde mit einer 65, baute sie bis zum Ende der zweiten Runde auf ebenfalls 65 – eine neue 36-Loch-Bestmarke des Turniers – weiter aus und hatte nach drei Runden bei insgesamt 16 unter Par den Rekord nach 54 Löchern eingestellt. Damit war klar: Wer Korda in Houston schlagen wollte, musste die beste Spielerin der Welt an einem ihrer besten Tage überbieten.
Das gelang niemandem. Keiner Mitspielerin kam am gesamten Wochenende näher als vier Schläge an die Amerikanerin heran. In den letzten 50 Jahren gelang es bei einem Damen-Major in dieser Form – also mit Mehrschlag-Führung nach jeder einzelnen Runde – nur zwei anderen Spielerinnen: Juli Inkster 1989 und Amy Alcott 1991.
Was von der Anzeigetafel her wie ein Spaziergang wirkte, war in Kordas Kopf alles andere als das. Mit einem Fünf-Schläge-Polster in die Schlussrunde gegangen, stand sie vor einer taktischen Grundsatzentscheidung: Ihr eigenes Spiel spielen – oder sichern? „Es ist nicht einfach, mit einem so großen Vorsprung ins Rennen zu gehen", sagte Korda. „Irgendwo wollte ich noch immer ich selbst sein, an einem anderen Punkt musste ich aber einfach defensiver spielen. Genau das war die große Herausforderung an diesem Wochenende."
Zwei Drei-Putt-Bogeys auf der hinteren Neun – und mehrere verpasste kurze Birdie-Putts – brachten kurz Unruhe in Kordas Rhythmus. Ihre Führung schrumpfte auf vier Schläge. Dann antwortete sie wie eine Siegerin: Auf der 13 ignorierte sie den defensiven Rat ihres Caddies, zielte direkt auf die Fahne und versenkte ein Tap-in-Birdie. Auf der 14 folgte das nächste Birdie nach einem beherzten Schlag mit dem 3er Holz. Am Ende stand eine 70 (−2) – und der dritte Major-Titel ihrer Karriere.
Den emotionalen Schlusspunkt setzte Korda auf die einzige Art, die bei der Chevron Championship zählt: Ein Cannonball in den eigens errichteten Victory Pool neben dem 18. Grün. Die Tradition geht auf das legendäre Poppie's Pond in Mission Hills zurück, in das Siegerinnen seit 1988 gesprungen sind. Korda ließ diese Tradition auch am neuen Austragungsort aufleben – inklusive ihres Neffen Greyson.
„Jeder wird seine eigene Meinung haben", sagte Korda gegenüber Golfweek schmunzelnd. „Meine ist: Wenn du eine Tradition abschaffst, ist sie für immer weg."
Vielleicht war die Chevron Championship 2026 mehr als ein Golf-Turnier. Für Korda war es in gewisser Weise auch ein persönlicher Beweis – an sich selbst und an alle, die ihr zuschauen. 2025 hatte die Amerikanerin trotz starker statistischer Werte keinen einzigen Titel gewonnen. Die Frustration fraß sich in ihr fest. „Man kommt in so eine Presserunde und alle sagen: Deine Stats sind toll, besser als letztes Jahr – aber dein Trophäenschrank ist leer", erinnerte sie sich. „Das zermürbt einen, weil das genau das ist, wofür du arbeitest."
Die Reaktion war keine Revolution, sondern Präzisionsarbeit. Korda begann mit einem neuen Putting-Coach zusammenzuarbeiten: David Angelotti, den ihr Caddie Jason McDede als „no-nonsense guy, schwarz-weiß, kein Cheerleading" beschrieb. Dazu kam mentale Lockerheit: Statt sich durch kurze verpasste Putts lähmen zu lassen, entschied sich Korda für einen anderen Ansatz.
„Was ich mir die ganze Woche immer wieder sagte, war: Ich möchte diese Trophäe in die Höhe stemmen, weil ich den Kindern zu Hause zeigen will, dass man kurze Putts auch verpassen und trotzdem ein Major gewinnen kann", sagte sie. „Du wirst Fehler machen. Du musst aber mental zu 100 Prozent dabei bleiben – das wollte ich mir selbst und allen, die zu mir aufschauen, zeigen."
Für ihre ältere Schwester Jessica – selbst sechsfache LPGA-Turniersiegerin – war genau das die eigentliche Leistung, wie sie Golfweek sagte: „Sie hat all das Gerede ignoriert, hat sich auf ihr Spiel konzentriert und der Welt gezeigt: Ihr könnt mich mal. Das lieben wir immer."
Mit dem Sieg bei der Chevron Championship 2026 ist Nelly Korda nun dreifache Major-Gewinnerin. Zuvor hatte sie 2021 die Women's PGA Championship und 2024 ebenfalls die Chevron Championship gewonnen. Damit ist sie die erste Amerikanerin seit Meg Mallon im Jahr 2000, die drei Major-Titel ihr Eigen nennen kann. Seit 1990 schafften das unter US-Spielerinnen nur Betsy King, Patty Sheehan und eben Mallon – Korda macht vier.
Mit nunmehr 17 LPGA-Tour-Siegen ist sie zudem die aktivste Spielerin auf der Erfolgsliste hinter der Neuseeländerin Lydia Ko (23). Weltweit kommt sie auf 21 Titel. Ihr Score von 18 unter Par fehlte nur ein Schlag zum 72-Loch-Rekord des Turniers, den Dottie Pepper 1999 aufgestellt hatte.
Die Weltranglistenführung übernahm sie von Thailands Jeeno Thitikul, die in Houston den Cut verpasste. Korda hatte den Spitzenplatz zuletzt von März 2024 bis August 2025 gehalten – insgesamt 71 Wochen am Stück – bevor Thitikul übernahm. Nun ist die Amerikanerin zurück, und ihre Saisonbilanz 2026 spricht eine deutliche Sprache: fünf Starts, zwei Siege, dreimal Runner-up, in jedem Turnier am Sonntag in der Finalgruppe.
Die Chevron Championship 2026 lockte mit einem Gesamtpreisgeld von 9 Millionen US-Dollar – einem neuen Rekord für dieses Turnier und eine Steigerung von einer Million Dollar gegenüber dem Vorjahr. Korda kassierte als Siegerin 1.350.000 Dollar. Ruoning Yin und Patty Tavatanakit erhielten für den geteilten zweiten Platz je 732.384 Dollar. Mit dem Sieg kletterte Korda zudem auf Platz sechs der ewigen LPGA-Geldrangliste und überholte dabei sowohl Inbee Park als auch Jeeno Thitikul.
Korda wirkt wie eine Spielerin, die gerade erst warmläuft. Sie selbst gibt sich nach dem Turnier auffällig entspannt. Kein Nachtragen, keine großen Ankündigungen. Nur eine knappe Botschaft darüber, wie sie die Saison angehen will: „Wenn ich am Ende des Tages in diesen Pool springe und die Trophäe in den Händen halte – wunderbar. Wenn nicht, dann gibt es nächste Woche noch ein Turnier. Das wird meine Einstellung für den Rest des Jahres sein."
Für alle anderen Spielerinnen auf der LPGA Tour dürfte das keine beruhigenden Nachrichten sein.
27 Apr 2026
Nelly Korda gewinnt mir der Chevron Championship 2026ihren dritten Major-Titel. (Foto: Imago / Icon Sportswire)