


Am äußersten Südzipfel der schottischen Halbinsel Kintyre liegt mit dem Dunaverty Golf Club ein Platz, der kaum zufällig entdeckt wird – und genau darin liegt sein Reiz. Wer den Weg nach Southend auf sich nimmt, wird mit purem Linksgolf belohnt: rau, ehrlich, windanfällig und voller Charakter. Dunaverty ist kein Längenmonster, sondern ein Platz für Golfer, die das Spiel lesen, den Wind nutzen und den Ball kontrollieren können.
Der Par-66-Kurs ist konsequent auf fußläufiges Golf ausgelegt; Buggys gibt es nur auf vorherige Anfrage. Eine klassische Rezeption sucht man vergeblich – eingecheckt wird ganz entspannt im freundlichen Clubrestaurant. Der Club ist fest in der lokalen Gemeinde verwurzelt: Direkt neben der Anlage liegt eine Farm, und man wird oft von Kühen am Zaun begrüßt. Mit drei gerateten Abschlägen und einer Gesamtlänge zwischen 4.253 und 4.799 Yards richtet sich der Platz an Spieler, die Präzision höher bewerten als rohe Kraft.
Hier finden Sie zahlreiche weitere spannende Reiseberichte von den schönsten Golfplätzen der Welt.
Schon die erste Bahn unterstreicht den Charakter des Platzes: ein breites Par-4 bergauf, bei dem das Treffen der richtigen Zwischenplateaus entscheidend ist, damit der Ball nicht wieder zurückrollt. Es folgen mehrere Bahnen mit blinden Abschlägen, bei denen Markierungspfosten die Richtung weisen – ein klassisches Links-Element, das Vertrauen in den eigenen Schwung verlangt. Auffällig ist, dass der Platz nahezu ohne Bunker auskommt. Die echten Verteidiger der Fahnen sind der Wind, das Gelände, das Rough und der immer wieder ins Spiel kommende Conieglen Burn, der Richtung Meer die natürliche Grenze bildet.
Besonders eindrucksvoll sind die Par-3-Bahnen, die in Dunaverty eine ungewöhnlich große Rolle spielen. Das namensgebende Par-3 „Dunaverty“ verlangt einen komplett blinden Schlag bergauf zu einem nach links versetzten Grün – Applaus von der vorangehenden Gruppe inklusive, sofern der Ball das Ziel findet. „Arthur’s Seat“, ein langes Par-3 direkt am Meer, ist ein echtes Monster und fordert auch bei Rückenwind einen konzentrierten Schlag. Die Front Nine enden mit einem klassischen Punchbowl-Par-4, bei dem der Drive über eine Kuppe in eine Senke gespielt wird. Wer den Ball mutig über den Kamm bringt, wird mit zusätzlichem Roll belohnt – ein Loch, das Linksgolf in Reinform verkörpert.
Die Back Nine setzen diesen Charakter fort, mit weiteren Höhenunterschieden, exponierten Abschlägen und ständig wechselnden Windrichtungen. Besonders reizvoll ist das einzige Par-5 der Runde: Mit bis zu 446 Yards ist es recht kurz, bietet aber nur bei kluger Linienwahl und kontrollierter Aggressivität eine echte Chance. Die Schlussphase hat es in sich. Das schwerste Loch der Runde ist ein langes Par-4, bei dem kurz vor dem Grün erneut der Burn quert und ein hoch anzuspielendes, kleines Grün verteidigt. Gerade bei Gegenwind wird hier Geduld belohnt. Erst danach erlaubt das kurze Schlussloch ein letztes Durchatmen zurück in Richtung Clubhaus.
Dunaverty ist ein echter Geheimtipp: hervorragend gepflegt, landschaftlich großartig integriert und sportlich fordernd, ohne unfair zu sein. Hier zählen Ballkontrolle, Windgefühl und Kreativität – wer den flachen Stinger beherrscht, hat klare Vorteile. Ein Platz für Puristen, der zeigt, dass großes Golf keine gewaltigen Yardzahlen braucht.
24 Jan 2026
Dunaverty Golf Club liegt an der Westküste Schottlands ganz am Ende der Halbinsel Kintyre. (Foto: Michael Althoff)
Bunker sucht man im Dunaverty Golf Club vergebens. (Fotos Michael Althoff)
Dunaverty Golf Club bietet Puristen ein Zuhause. (Fotos Michael Althoff)