


Auf der windumtosten Halbinsel Kintyre, nur wenige Autominuten vom traditionsreichen Nachbarplatz in Machrihanish entfernt, liegt mit Machrihanish Dunes ein moderner Linksplatz, der sich dennoch wie ein Stück lebendige Golfgeschichte anfühlt. Entworfen wurde er von David McLay-Kidd, der mit diesem Projekt nicht nur architektonisch, sondern auch emotional Neuland betrat: Schon als Kind verbrachte er hier seine Ferien, caddiete auf dem klassischen Machrihanish Golf Course und entwickelte früh eine tiefe Verbundenheit zu dieser wilden Dünenlandschaft am Atlantik. Diese Nähe zum Land prägt den gesamten Charakter des 2009 eröffneten Par-72-Platzes. Machrihanish Dunes ist bis heute der einzige Golfplatz der Welt, der in einem als SSSI (Site of Special Scientific Interest) geschützten Gebiet errichtet wurde – mit strengen Umweltauflagen. Entsprechend behutsam wurde das Layout in die Natur eingebettet. Hier wurde nichts künstlich modelliert, sondern Grüns, Abschläge und Spielbahnen aus der vorhandenen Landschaft heraus „gefunden“. Selbst Küstenerosion wurde nicht bekämpft, sondern akzeptiert – Bahn 6 musste aus genau diesem Grund verlegt werden. Das Ergebnis ist ein Platz, der sich mehr nach „Custodian of the Land“ im Sinne eines Old Tom Morris anfühlt als nach modernem Retorten-Golf.
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Gespielt wird hier konsequent zu Fuß, Carts gibt es nur in medizinisch begründeten Ausnahmefällen. Der Kurs erstreckt sich über 5.130 bis 7.082 Yards und ist den Elementen schutzlos ausgeliefert. Wind, wechselndes Licht, blinde Schläge und kräftige Ondulierungen machen jede Runde anders – und fordernd. Schon das kurze Eröffnungs-Par-4 an Bahn 1, „Kidd’s Holidays“, zeigt mit welligem Fairway, versteckten Bunkern und stark geneigtem Grün, dass Präzision wichtiger ist als Länge. Spätestens an der langen, mächtigen Bahn 2 wird klar: Dieser Platz ist wunderschön, aber gnadenlos ehrlich. Typisch für Machrihanish Dunes sind die stark modellierten Fairways, die den Ball nach der Landung gerne unvorhersehbar weiterrollen lassen, sowie die clever platzierten Potbunker, die scheinbar harmlos im Gelände verschwinden – bis man in ihnen liegt. Das erste Par-5 an der 3 mit seinen über 590 Yards wirkt rebellisch und widersetzt sich bewusst modernen, glattgezogenen Designlinien. Das kurze Dogleg an der 4 lockt Longhitter mit der Chance aufs Grün vom Tee, straft aber jeden Fehler sofort ab. Mit dem Par-3 an der 5 erreicht man erstmals das Meer – Wind und Küste geben hier den Takt vor.
Die Back Nine steigern die Dramatik weiter. Enge, blinde Abschläge, tiefe Senken, kräftige Anstiege und spektakuläre Dünenzüge prägen die zweite Runde. Besonders eindrucksvoll ist das Par-3 an der 12, das nur per hohem Teeshot sicher zu erreichen ist. Spätestens ab der 15, direkt entlang der Küstendüne, wird klar, warum dieser Platz bei Wind zu den anspruchsvollsten Linksplätzen Europas zählt: Doglegs, Schräglagen, Dünenbewuchs und stark geneigte Grüns verlangen höchste Konzentration bis zum letzten Schlag.
Machrihanish Dunes ist kein Platz für schnelle Scores, sondern für pures Golf-Erlebnis. Jede Runde fühlt sich anders an, abhängig von Wind, Wetter und Licht. Wer hier spielt, reist nicht nur geografisch ans Ende Schottlands – sondern auch ein Stück zurück in die Ursprünge des Spiels. Für die passende Unterkunft bietet sich das traditionsreiche Ugadale Hotel direkt gegenüber dem Machrihanish Golf Club an. Ein Ort, an dem Genießer, Naturliebhaber und echte Links-Puristen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen – und eine willkommene Gelegenheit, Kintyre nicht nur mit Paul McCartney’s berühmtem Song, sondern einem der schönsten Linkscourses der Welt in Verbindung zu bringen.
23 Dec 2025
Machrihanish Dunes wurde von David McLay-Kidd entworfen. (Foto: Michael Althoff)
Eindrücke aus Machrihanish Dunes. (Fotos: Michael Althoff)
Carts sind auf Machrihanish Dunes grundsätzlich nicht erlaubt. (Fotos: Michael Althoff)