


Mitten im Atlantik, auf der wildromantischen Insel Belle-Île-en-Mer, liegt einer der außergewöhnlichsten Golfplätze Europas. Schon die Anreise per Fähre von Quiberon stimmt auf das Besondere ein, denn der Golf de Belle-Île-en-Mer ist ein echtes Naturerlebnis. In weniger als 15 Minuten erreicht man vom Hafen aus eine Anlage, die sich spektakulär an Klippen, über Hügel und entlang weiter Landschaften erstreckt – teils auf dem historischen Gelände der ehemaligen Domäne von Sarah Bernhardt, der französischen Schauspielikone.
Ungewöhnlich ist bereits das Grundkonzept: Der Platz verfügt über nur 14 Spielbahnen. Gespielt wird bei Par-56 über vier Abschläge pro Bahn, mit einer Gesamtlänge zwischen 3.517 und 4.446 Metern. Der Pflegezustand der Fairways ist bewusst naturbelassen, fast rustikal. Maulwurfshügel, unebene Lagen und dichter Bewuchs gehören hier zum Alltag. Die Grüns hingegen sind in sehr gutem Zustand und bilden den klaren Kontrast zur rauen Umgebung. Der eigentliche Gegenspieler ist jedoch der Wind, der auf der Insel nahezu immer präsent ist und jede Runde zu einer neuen Herausforderung macht.
Hier finden Sie zahlreiche weitere Reiseberichte aus den schönsten Regionen der Welt.
Den Auftakt bildet ein markantes Par-4 als 90-Grad-Dogleg rechts. Gegen den Wind ist es selbst für Longhitter schwierig, über den Knick abzukürzen, zudem wartet dichtes Rough auf unpräzise Schläge. Bunker sucht man hier vergeblich – eine Besonderheit, die sich durch weite Teile des Platzes zieht. Direkt danach folgt das unumstrittene Signature Hole: ein Par-3, das über das offene Meer hinweg auf ein kleines Plateau mitten auf einer Klippe gespielt wird. Mit Wind von der Seite oder von vorne wird dieses Loch schnell zur Mutprobe – zählt aber zweifellos zu den spektakulärsten Par-3-Löchern Europas und erinnert ein wenig an die berühmte 16. Spielbahn von Cypress Point.
In der Folge wechselt der Platz geschickt zwischen Küstennähe und Inselinnerem. Mehrere Bahnen beginnen mit blinden Abschlägen, die Orientierung erfolgt meist über gut sichtbare Richtungspfosten. Kurze Par-4-Bahnen laden Longhitter gelegentlich zum Angriff auf das Grün ein, doch kleine Grüns, starke Neigungen und der Wind bestrafen Übermut schnell. Besonders eindrucksvoll ist das Spiel entlang der Bucht von Ster Vraz, wo Höhenunterschiede und Gefälle das Längengefühl stark beeinflussen. Die erste Halbrunde endet mit einem mächtigen Par-5, das sich offen und breit präsentiert.
Die zweiten sieben Bahnen steigern den Anspruch nochmals. Die schwierigste Bahn des Platzes ist ein langes Par-4 mit sanfter S-Kurve, das oft gegen den Wind gespielt wird und sich dadurch wie ein Par-5 anfühlt. Mehrere Bahnen verlaufen unmittelbar entlang der Klippen – links das Meer, rechts dichter Bewuchs. Konzentration ist hier Pflicht, zumal Spazierwege in unmittelbarer Nähe verlaufen. Zum Abschluss wartet ein anspruchsvolles Par-5 mit spannendem Grünkomplex: groß, schnell, zweistufig und in Richtung Fairway geneigt. Ein würdiges Finale für eine Runde, die weniger durch Länge als durch Charakter, Landschaft und Wind lebt.
Nach der Runde lohnt sich der Besuch der Clubgastronomie mit bretonischen Spezialitäten und entspannter Atmosphäre. Der Golf de Belle-Île-en-Mer ist kein Platz für Rekorde oder makellose Scores, sondern für Golfer, die das Ursprüngliche suchen. Wer sich auf Natur, Wind und spektakuläre Ausblicke einlässt, erlebt hier Golf in seiner vielleicht poetischsten Form.
13 Jan 2026
14 Bahnen und spektakuläre Panoramen warten im Golf de Belle Île en Mer auf Golferinnen und Golfer. (Foto: Michael Althoff)
Steile Klippen trennen den Golfplatz vom Atlantik. (Fotos: Michael Althoff)
Der Golfplatz ist weitgehend naturbelassen. Die Grüns sind dennoch in sehr gutem Zustand. (Fotos: Michael Althoff)