


Mitten im traditionsreichen Kurpark von Bad Homburg liegt ein Golfplatz, der weniger durch Länge als durch Geschichte beeindruckt: der Old Course des Royal Homburger Golf Club ist der älteste Golfplatz Deutschlands. Seit 1889 wird hier Golf gespielt – und jeder Schritt durch die elegante Parkanlage ist zugleich eine kleine Zeitreise. Was der Schriftsteller Mark Twain einst spöttisch als „good walk spoiled“ bezeichnete, fühlt sich hier vielmehr wie ein kultivierter Ausflug in die Anfänge des Golfsports an. Heute würde man die Anlage als Kurzplatz oder Executive Course bezeichnen, denn der Old Course besteht aus sechs reinen Par-3-Bahnen. Doch diese sechs Löcher haben es in sich – nicht durch Länge, sondern durch Raffinesse.
Jede Bahn trägt den Namen einer historischen Persönlichkeit, die mit der Geschichte des Clubs oder dem britischen Königshaus verbunden ist. So schlagen Golfer unter anderem bei Duke of Cambridge oder King Edward ab – Namen, die perfekt zur aristokratischen Atmosphäre des Parks passen. Die Bahnen sind zwischen 56 und 123 Meter lang, doch wer hier an ein lockeres Kurzspiel denkt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die Grüns sind mit rund 30 Quadratmetern ausgesprochen klein, die Bunker geschickt platziert, dazu kommen schmale Schneisen zwischen ehrwürdigen Bäumen und sogar kleine Wasserhindernisse. Gerade diese Kombination macht den Reiz des Platzes aus – Präzision ist hier wichtiger als Power. Ein besonderer Tipp für Puristen: Eine Runde mit alten Hickory-Schlägern verstärkt das historische Flair erheblich und lässt den Platz so wirken, wie er vor über 100 Jahren gespielt wurde.
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Der Auftakt erfolgt auf der Bahn „General Duff“ mit nur 65 Metern – doch ein frontaler Bunker verteidigt das Grün effizient. „Admiral Brand“ ist mit 56 Metern zwar die kürzeste Bahn, fordert aber mit einem Bachlauf zwischen Fairway und Grün höchste Konzentration. Die dritte Bahn, „Duke of Cambridge“, bringt mit 115 Metern erstmals etwas mehr Länge, während das Grün links und rechts von Bunkern eingerahmt wird. „King Edward“, die längste Bahn mit 123 Metern, verlangt einen präzisen Schlag zwischen altem Baumbestand. Auch „Prinz Heinrich“ ist mit 66 Metern kompakt, aber durch dichten Baumschutz trickreich. Als Höhepunkt gilt die Schlussbahn „Kronprinz Wilhelm“: 87 Meter aus einer baumbestandenen Schneise heraus, seitliches Wasser und ein Grün, das von gleich vier Bunkern bewacht wird – ein würdiger Abschluss.
Wer mag, kann den Platz gegen ein moderates Greenfee mehrfach hintereinander spielen und sich so eine komplette 18-Loch-Runde zusammenstellen. Gerade für das Training des kurzen Spiels ist der Old Course ein kleines Juwel – schnell gespielt, technisch anspruchsvoll und dabei jederzeit stilvoll. Nach der Runde lädt das historisch gestaltete Clubhaus zu einem Drink auf der Terrasse ein, mit Blick über den Park und die Spielbahnen. Das Clubsekretariat ist nicht immer besetzt, daher empfiehlt es sich, das Greenfee passend in bar mitzubringen – eine charmante Reminiszenz an frühere Zeiten. Der Old Course des Royal Homburger Golf Clubs ist kein Platz für spektakuläre Längenrekorde, sondern ein Ort für Genießer, Golfliebhaber und Geschichtsfreunde. Wer sich für die Wurzeln des Golfsports in Deutschland interessiert, sollte diesen Platz unbedingt gespielt haben – und wird feststellen, dass selbst 56 Meter Bahnlänge eine echte Herausforderung sein können.
30 Dec 2025
Der Old Course des Royal Bad Homburger Golf Clubs ist Deutschlands ältester Golfplatz. (Foto: Michael Althoff)
Eindrücke vom Old Course des Royal Bad Homburger Golf Clubs. (Fotos: Michael Althoff)