


Wenn am Donnerstag im Golfclub Kitzbühel-Schwarzsee-Reith die ersten Bälle in die Tiroler Bergluft steigen, dann geht es um mehr als Weltranglistenpunkte und Preisgeld. Es geht um Kindheitsträume, um Comeback-Geschichten und um einen Mann, der nach acht Jahren endlich wieder vor seinem Heimpublikum abschlagen darf. Die Austrian Alpine Open 2026 haben das Zeug zu einem emotionalen Golfspektakel – und die Protagonisten liefern bereits vor dem ersten Abschlag die passenden Worte dazu.
Hier finden Sie das Leaderboard der Austrian Alpine Open 2026.
Es ist eines der seltenen Privilegien im Profisport: vor den eigenen Fans zu spielen, in der eigenen Sprache bejubelt zu werden, an Orten, die man aus der Kindheit kennt. Für Sepp Straka ist dieser Moment in Kitzbühel längst überfällig. Acht Jahre ist es her, dass der gebürtige Wiener zuletzt bei einem Turnier in Österreich antrat – damals beim Shot Clock Masters, erst sein fünfter Start auf der DP World Tour.
Seitdem hat sich die Welt des 33-Jährigen fundamental verändert. Vier Siege auf der PGA Tour, darunter der Honda Classic 2022 als erster österreichischer Triumph auf Amerikas höchster Spielklasse. Zwei Ryder-Cup-Teilnahmen, beide erfolgreich. Weltrangliste: aktuell Platz 15. Was in all dieser Zeit fehlte: ein Sieg auf der DP World Tour – und ein Heimturnier.
Dass beides in dieser Woche in Kitzbühel zusammenfallen könnte, verleiht dem Turnier eine besondere Aufladung. Straka selbst wählt dafür Worte, die tiefer gehen als übliche Vorturnier-Floskeln. „Aufwachsend bin ich immer zur Austrian Open gegangen. Sie fand damals auf meinem Heimplatz in Fontana statt. Mein Bruder und ich und unsere Freunde konnten die Woche kaum erwarten, um die Stars beim Golfspielen zu beobachten", sagte er gegenüber der DP World Tour. „Jetzt selbst spielen zu dürfen ist unglaublich – und zu gewinnen wäre wirklich etwas ganz Besonderes."
Den neuen Schauplatz in Kitzbühel hat er bereits unter die Lupe genommen – und zeigt sich von der Herausforderung beeindruckt. Der Platz verlangt nach seiner Einschätzung vor allem eines: Präzision vom Abschlag. „Der Rough ist ziemlich dicht und die Grüns sind winzig. Das Spiel vom Tee wird diese Woche entscheidend sein", analysierte Straka nüchtern – und fügte hinzu: „Ich kann es kaum erwarten, bis die Zuschauer auf den Platz kommen."
Als klarer Topfavorit und bestplatzierter Spieler im Feld trägt Straka die Hoffnungen einer ganzen Nation. Ob er auch die Leichtigkeit mitbringt, die in solchen Momenten den Unterschied macht? Die Antwort liefert er selbst: „Es ist großartig, wieder hier zu sein. Immer wenn ich zurückkommen kann, ist es wunderbar."
Hier finden Sie die Austrian Alpine Open Tee Times.
Zwölf Monate nach seinem Premierensieg auf der DP World Tour kehrt Nicolai von Dellingshausen nach Österreich zurück – diesmal nicht als Geheimtipp, sondern als amtierender Champion. Der Deutsche gewann die Austrian Alpine Open 2025 im Golfclub Gut Altentann mit einer überragenden Schlussrunde und brach dabei in Tränen aus. Es war der Durchbruch, den er sich nach zweieinhalb schwierigen Jahren, in denen er seine Tourkarte verloren hatte, so sehr gewünscht hatte.
Seitdem hat sich in seinem Leben mehr verändert als nur der Status auf der Rangliste. Im Februar 2026 wurde von Dellingshausen Vater – und dieser Einschnitt prägt ihn sichtbar, auch auf dem Platz. „Vieles hat sich verändert, und gleichzeitig ist vieles gleich geblieben", sagt er. „Nach dem Sieg hatte ich viel Schwung, ich spielte wirklich gut danach. Gleichzeitig stiegen meine Erwartungen erheblich an, was mir normalerweise nicht hilft."
Die vergangenen Wochen liefen nicht nach Wunsch. Der 31-Jährige gibt das offen zu – und erklärt es mit dem größten Lebensumbruch, den ein Mensch erfahren kann. „Wir sind vor etwa dreieinhalb Monaten Eltern geworden, und jetzt setzt sich alles so langsam ein: die neue Rolle, und – auch wenn es sich seltsam anhört – der gelegentliche Verlust von Freiheit. Es ist das Großartigste der Welt, das stimmt, aber ich muss einfach weiterarbeiten und geduldig mit meinem Spiel sein."

Wenn von Dellingshausen über das Vatersein spricht, klingt er wie jemand, der gerade eine grundlegende Erkenntnis verarbeitet. „Wenn man Elternteil wird, wächst man eigentlich erst wirklich auf", sagt er. „Es bringt vieles ans Licht, das man vielleicht früher verdrängt hat, weil man nie die Notwendigkeit hatte, es anzuschauen. Es ist ein harter Weg, aber er ist es wert."
Den Golfclub Kitzbühel-Schwarzsee-Reith kennt er erst seit dieser Woche – doch seine Einschätzung des neuen Venues klingt respektvoll. „Es ist ziemlich eng, man muss wirklich gerade treffen. Der Rough ist dicht und die Grüns sind in großartigem Zustand. Die Aussicht ist atemberaubend – ich glaube, ich werde diese Woche genießen." Seine Herangehensweise an die Titelverteidigung fasst er mit einer entwaffnenden Gelassenheit zusammen: „Ich versuche, einfach wieder Golf zu spielen, so wie ich es letztes Jahr getan habe. Das hat gut funktioniert. Was auch immer diese Woche passiert – ich werde sie in jedem Fall genießen."
Während Straka auf seinen ersten DP-World-Tour-Titel wartet, hat Bernd Wiesberger seinen bereits neunmal gewonnen – zuletzt erst im April dieses Jahres bei der Volvo China Open in Shanghai. Mit 40 Jahren zeigt der Steirer, dass er noch lange nicht fertig ist, und kehrt als einer der erfahrensten Spieler im Feld nach Österreich zurück.
Wiesberger ist ein Stück österreichischer Golfgeschichte: Er gewann das heimische Turnier bereits 2012, war der erste Österreicher überhaupt, der beim Ryder Cup antrat – und legte damit den Weg frei für Nachfolger wie Straka. Wer in Kitzbühel nach Helden sucht, wird bei ihm fündig.
Neben den beiden Hauptdarstellern Straka und Wiesberger wartet auch das übrige österreichische Aufgebot mit interessanten Namen auf. Maximilian Steinlechner gilt als aufstrebendster heimischer Nachwuchsprofi und darf sich in der Startgruppe mit Thriston Lawrence und Martin Couvra beweisen. Matthias Schwab tritt gemeinsam mit Andrew Johnston und Julien Guerrier an – und Lukas Nemecz komplettiert ein österreichisches Feld, das in seiner Breite kaum besser hätte sein können.
Dazu gesellen sich weitere DACH-Vertreter: Freddy Schott, Marcel Siem, Marcel Schneider und Yannik Paul bilden das deutsche Aufgebot hinter Titelverteidiger von Dellingshausen. Schott startet mit Wiesberger und Mikael Lindberg – eine Gruppe, die auf den Rängen für Furore sorgen könnte.
Der Platz in Kitzbühel stellt alle Beteiligten vor dieselbe Herausforderung: enge Fairways, dichter Rough, kleine Grüns – und eine Bergkulisse, die bei allem Spektakel auch ablenken kann. Straka und von Dellingshausen haben sich beide klar geäußert: Wer vom Tee trifft, hat die Trümpfe in der Hand.
Das internationale Feld ist hochkarätig besetzt. Casey Jarvis, zweifacher Sieger in diesem Jahr und aktuell Vierter in der Race-to-Dubai-Wertung, teilt sich die Startgruppe mit Straka und von Dellingshausen – eine Auftaktpaarung, die am Donnerstag ab 07:50 Uhr (Loch 10) für volle Ränge sorgen dürfte.
Kitzbühel wartet. Und mit ihm ein Heimspiel, das längst überfällig war.
27 May 2026
Sepp Straka kommt als 15. der Weltrangliste zur Austrian Alpine Open der DP World Tour. (Foto: Imago / Gepa Pictures)