


Am Sonntag, dem 7. Juni 2026, verwandelte sich der Riviera Country Club in Pacific Palisades zum ersten Mal in seiner 100-jährigen Geschichte in die Kulisse für die U.S. Women's Open. Es hätte kaum eine passendere Hauptdarstellerin geben können als Nelly Korda, die Weltranglistenerste aus Florida. Die 27-Jährige gewann den 81. Austragung des prestigeträchtigsten Majors im Damengolf mit einem Gesamtscore von 8-under-Par 276 (73–67–67–69) und einem Vorsprung von einem Schlag auf Charley Hull und Gaby Lopez. Mit dem Sieg kassiert Korda die Siegerprämie von 2,5 Millionen US-Dollar aus dem Rekordpreisgeld von 12,5 Millionen US-Dollar.
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Es hätte keinen dramatischeren Abschluss geben können. Auf dem 18. Grün des Riviera Country Clubs benötigte Nelly Korda einen Putt von gerade einmal 85 Zentimetern – und einen Moment lang sah es so aus, als würde ihr der Titel durch die Finger gleiten. Der Ball traf den linken Lippenrand, rollte halb um das Loch und fiel schließlich doch hinein. Eine Sekunde lang hielt die gesamte Galerie den Atem an. Was danach folgte, war pure Erleichterung: Korda schlug die Hand vor den Mund, lachte auf und wurde von den Fans mit tosendem Jubel empfangen.
Entscheidend für den Sieg war jedoch nicht dieser nervenaufreibende Moment, sondern das, was kurz davor geschah. Auf der Bahn 17, einem Par-5, versenkte Korda einen Birdie-Putt aus neun Fuß und löste sich damit aus einem Vierweg-Gleichstand mit Hull, Lopez und In Gee Chun bei 7-under. Es war der einzige Birdie auf der gesamten Rückneun – und er kam genau zum richtigen Zeitpunkt.
„Den Putt auf 17 werde ich noch viel länger in Erinnerung behalten als den auf 18", sagte Korda auf der Siegerehrung. „Ich werfe nicht oft Fäuste in die Luft, aber da habe ich es getan. Ich wusste, was dieser Putt bedeutet." Zum Schlussputt selbst wollte sie sich lieber nicht zu ausführlich äußern: „Lasst mich das bitte nicht noch einmal durchleben. Das war ein schöner Eisbecher als Abschluss des Tages."
Kordas Weg zum Titel verlief alles andere als geradlinig. Nach einer schwachen Auftaktrunde von 73 (+2) fand sie sich auf Rang 56 und gefährlich nah am Cut wieder. Erschwerend hinzu kam ein Ausrüstungsproblem: Die von NBA-Star LeBron James persönlich überreichten Nike-Golfschuhe passten nicht optimal und wurden nach sechs Löchern ausgetauscht – ihr Schwung litt an diesem Tag merklich.
Den Wendepunkt brachte Runde zwei: Auf Empfehlung ihrer älteren Schwester Jessica, selbst sechsfache LPGA-Turniersiegerin, änderte Korda ihren Griff. Das Ergebnis war eine glänzende 67 (-4), die sie in die Top 10 katapultierte. Eine weitere 67 am Samstag, abgeschlossen mit drei Birdies auf den letzten drei Bahnen, brachte Korda an die Spitze des Feldes. Den größten Rückstand, den eine spätere Siegerin in der Geschichte der U.S. Women's Open aufgeholt hat, teilt sie nun mit vier weiteren Siegerinnen: sieben Schläge nach 18 Löchern.
Die Finalrunde war ein Lehrstück in Gelassenheit und Scrambling. Korda traf insgesamt weniger Grüns in Regulation als jede andere Siegerin der letzten 20 Jahre – und parierte trotzdem 24 von 30 möglichen Up-and-Down-Situationen. Nur drei Birdies und ein Bogey standen auf ihrer Scorecard, doch was zählte, war die Beständigkeit: Auf den Bahnen 8 bis 16 spielte sie neun Pars in Folge, während ihre Konkurrentinnen reihenweise Schläge ließen.
„Diese Woche war definitiv ein Kampf. Ich hatte nicht einmal mein B-Spiel dabei. Ich habe mich einfach durchgebissen. Und das ist es wohl, worum es bei Majors geht. Es spielt keine Rolle, ob du dein B- oder C-Spiel hast. Du musst mental präsent sein."
Wer am Wochenende in Riviera das beste Golf zeigte, war zweifellos Charley Hull. Die Engländerin hatte das Turnier beinahe abgeschrieben, nachdem sie die ersten beiden Runden mit 73 und 72 (+3) gerade noch den Cut überstand. Was folgte, war spektakulär: Samstag schoss Hull eine 65 – die niedrigste Runde des gesamten Turniers – und legte am Sonntag eine 67 nach. Ihr Wochenendscore von 10 unter Par (132 Schläge) entspricht dem U.S.-Women's-Open-Rekord für die letzten 36 Löcher, zuletzt aufgestellt von Meg Mallon bei ihrem Triumph 2004. Hull eröffnete die Finalrunde mit einem Eagle auf Loch 1, führte zeitweise das Feld an und lag bis kurz vor Schluss im Kampf um den Titel. Ein verpasster Vier-Fuß-Putt auf Bahn 14, nach einem starken Bunker-Schlag, wurde letztlich zum spielentscheidenden Fehler.
„Es ist frustrierend. Schon wieder Zweite. Aber ich habe wirklich gut gespielt. Es war windig, ich habe fantastisch getroffen – also alle Achtung an Nelly Korda für ihre zweite aufeinanderfolgende Major-Niederlage... ähm, Major-Niederlage – ich meine Sieg", sagte sie auf der Pressekonferenz. Es war Hulls fünfter zweiter Platz bei einem Major ohne Titelgewinn.
Gaby Lopez aus Mexiko schrieb sich mit einer starken Schlussrunde ebenfalls in die Geschichte dieses Turniers. Die dreifache LPGA-Siegerin spielte auf der Back Nine vier Birdies und schaffte mit einem 15-Fuß-Birdie-Putt auf Loch 18 kurzzeitig den Gleichstand mit den Führenden. Wäre ihr der Titel gelungen, wäre sie die erste mexikanische U.S.-Women's-Open-Siegerin der Geschichte geworden. „Ich bin sehr glücklich mit unserer Leistung. Ich weiß jetzt, dass ich ein Major gewinnen kann, dass ich in der Schlussphase eines Majors liefern kann. Ich bereue nichts", konstatierte Lopez auf der Pressekonferenz.
In Gee Chun aus Südkorea, dreifache Major-Siegerin und Turniersiegerin von 2015, war vorübergehend die größte Bedrohung für Korda. Nach Birdies auf den Bahnen 10 und 11 führte die Koreanerin mit 9 unter – doch ein Doppelbogey auf 12 und 13 beendete ihre Titelträume abrupt. Chun beendete das Turnier auf dem vierten Rang mit 6-under 278. Sei Young Kim, die gemeinsam mit Korda als 54-Loch-Co-Leaderin in die Finalrunde gegangen war, blieb mit einer 72 am Sonntag hinter den Erwartungen zurück und landete auf Platz 5.
Mit dem Triumph in Los Angeles setzt Nelly Korda eine Serie historischer Leistungen fort, die ihresgleichen sucht. Es ist ihr vierter Major-Titel und ihr 19. Sieg auf der LPGA Tour. Sie gewann damit nach dem Chevron Championship im April bereits das zweite Major der Saison 2026 und ist die erste Amerikanerin seit Pat Bradley 1986, der dieses Kunststück gelang. Bradley holte in jenem Jahr noch ein drittes Major und beendete die Saison mit dem Career Grand Slam.
Korda ist zudem die erste Spielerin seit der damaligen Weltranglistenersten Inbee Park 2013, die als Nummer eins der Weltrangliste die ersten beiden Majors eines Jahres für sich entscheidet, und – im Alter von 27 Jahren – die jüngste Amerikanerin mit vier Major-Titeln seit Mickey Wright 1960. Damit reiht sie sich in eine illustre Liste ein, zu der auch Patty Berg, Louise Suggs und Kathy Whitworth gehören.
Mit einem Preisgeld von nun über 20 Millionen US-Dollar ist Korda die erfolgreichste amerikanische Spielerin in der Geschichte der LPGA Tour. Besonders im Blick hat die Golf-Welt aber eine andere Zahl: 25. So viele Punkte hat Korda auf ihrem Konto für die LPGA Hall of Fame – nur zwei fehlen noch bis zur automatischen Aufnahme. Es ist gut vorstellbar, dass sie diese noch in der laufenden Saison 2026 erreicht.
Zum vollständigen Bild des Turniers gehört Kordas persönliche Geschichte. Die Tochter des früheren Australian-Open-Tennissiegers Petr Korda und der tschechischen Tennisspielerin Regina Rajchrtová stand 2013 als 14-Jährige zum ersten Mal bei der U.S. Women's Open auf dem Übungsplatz – damals in Sebonack. Seither hatte sie sich das Turnier als besonderes Ziel gesetzt, doch jahrelang wollte der Titel nicht gelingen. Beim Turnier 2025 in Erin Hills war sie nah dran: Korda teilte sich Rang zwei, verlor aber gegen die spätere Siegerin Maja Stark um zwei Schläge.
„Ich habe die Women's Open immer besonders betont. Dort begann mein Traum, auf der LPGA zu spielen. Jedes Jahr spielte ich schlecht. Ich war immer über Par oder ich habe ein Loch in Lancaster verpatzt, und ich hatte das Gefühl, dass dieser Traum langsam entgleitet. Aber er hat mich immer stark motiviert."
Erin Hills habe ihr letztlich aber gezeigt, dass sie konkurrenzfähig für diesen Titel ist. Mit einer veränderten mentalen Einstellung – mehr Leichtigkeit, mehr Spaß – kam sie nach Riviera. Am Finalsonntag erhielt sie eine Textnachricht von Tiger Woods, der ihr riet, „es heute zu beenden". Korda klebte sich die ganze Woche über positive Botschaften auf Zettel an ihren Badezimmerspiegel. Ihre letzte lautete sinngemäß: Was auch immer passiert – gib einfach 100 Prozent.
Auf dem 18. Grün, umgeben von jubelnden Fans, liefen ihr die Tränen über das Gesicht. „Ich fühle mich wie in einem Traum. Ich kann kaum in Worte fassen, wie viel mir das bedeutet. Das 14-jährige Mädchen, das 2013 in Sebonack auf dem Übungsplatz stand – ihr Traum ist gerade in Erfüllung gegangen."
Abseits des Titelkampfs sorgte Xiyu Janet Lin aus China für den vielleicht spektakulärsten Einzelmoment des Turniers. Die dreifache Olympiateilnehmerin und Bronzemedaillengewinnerin von Paris 2024 erzielte auf Loch 6 (Par 3, 173 Yards) mit einem 5er-Eisen ein Hole-in-One – ihr sechstes auf der LPGA Tour. Im Rahmen des CME Group Cares Challenge zog ihr Ass eine Spende von 20.000 US-Dollar zugunsten des St. Jude Children's Research Hospital nach sich.
Auf dem Leaderboard war es Kiara Romero, die als beste Amateurin das Feld aufmischte. Die Weltranglistenerste im Amateurlager und All-American-Spielerin der University of Oregon beendete das Turnier auf dem geteilten sechsten Platz mit 3 unter (281 Schläge)– und qualifizierte sich damit ebenso wie die achtplatzte Maria Jose Marin für die U.S. Women's Open 2027.
Titelverteidigerin Maja Stark, die mit einem schwachen Start ins Turnier gegangen war, zeigte sich nach einem mäßigen Auftakt noch erholt und belegte am Ende den geteilten achten Rang bei 2 unter (282 Schläge).
Für Nelly Korda ist das Turnier in Los Angeles erst der Beginn eines möglicherweise historischen Jahres. Als nächstes großes Ziel steht die KPMG Women's PGA Championship auf dem Programm – ein weiterer Major-Titel würde Kordas Saison endgültig in die Geschichtsbücher einschreiben. Mit der AIG Women's Open und der Evian Championship fehlen ihr noch zwei Titel zum sogenannten „Super Slam", dem Gewinn aller fünf Majors.
Erfahren Sie hier alles über die fünf Golf-Majors der Damen.
Vor allem aber rückt die LPGA Hall of Fame in greifbare Nähe. Zwei Punkte fehlen noch – es ist gut möglich, dass Korda bereits vor Saisonende aufgenommen wird. Sie wäre dann die erste Amerikanerin seit Juli Inkster 1999, der diese Ehre zuteil wird.
Die 82. U.S. Women's Open findet 2027 im Inverness Club in Toledo, Ohio, statt – zum ersten Mal in der Geschichte des traditionsreichen Clubs.
08 Jun 2026
Nelly Korda gewinnt die US Women's Open 2026 im Riviera Country Club. (Foto: Imago / UPI Photo)