


Wer an die Normandie denkt, hat meist die dramatischen Kreidefelsen von Étretat vor Augen. Dass man dort nicht nur wandern, sondern auch auf Weltklasse-Niveau abschlagen kann, beweist der Golf d’Étretat. Wenige hundert Meter hinter dem Ortsausgang führt der Weg steil bergauf durch dichten Wald, bis man das Plateau erreicht.
Dort oben erwartet den Spieler ein Platz, der trotz seiner exponierten Lage überraschend eben und damit gut zu Fuß zu bewältigen ist. In Deutschland gilt die Anlage noch immer als Geheimtipp. Als typischer Mitgliederclub heißt er Gastspieler herzlich willkommen und bleibt mit einem saisonabhängigen Greenfee zwischen 64 und 90 Euro (Stand: März 2026) erstaunlich erschwinglich.
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Der Par-72-Platz erstreckt sich über eine Länge von etwa 4.700 bis 6.000 Metern. Dank der vier verschiedenen Teeboxen kommen Golfer aller Spielstärken auf ihre Kosten. Architektonisch handelt es sich um einen klassischen Parkland-Course, bei dem Büsche und Bäume die Spielbahnen einrahmen. Doch die wahre Besonderheit ist die Aussicht: Eine Kamera im Bag ist hier fast so wichtig wie der Putter.
Die Runde beginnt entspannt mit einem kurzen Par-5. Doch schon an Bahn 3, einem knapp 400 Meter langen Par-4, zeigt der Platz seine Zähne – besonders wenn der Wind vom Ärmelkanal herüberdrückt. An der vierten Bahn wendet sich der Platz erstmals direkt den Klippen zu. Hat man das Grün dieses leichten Doglegs erreicht, wartet die wohl größte mentale Herausforderung: sich auf den Putt zu konzentrieren, während tief unter einem die Brandung rauscht. Die Front Nine enden an Bahn 9 mit einem Schlag gefühlt direkt in das offene Meer, während die Felsen in strahlendem Weiß leuchten.
Der zweite Teil der Runde startet direkt mit einer Bewährungsprobe. Bahn 10 gilt als die schwierigste des gesamten Platzes. Das S-förmige Par-5 verläuft unterhalb des Clubhauses, gesäumt von Ausgrenzen. Hier empfiehlt sich eine kluge Drei-Schlag-Strategie statt blindem Risiko.
Es folgt der landschaftlich reizvollste Teil: Die Bahnen 11 bis 14 verlaufen nahezu parallel zur Klippenkante. Vor allem die 14 fordert Nervenstärke, da eine tiefe Senke überspielt werden muss, um das leicht versetzte Fairway zu treffen. Eine Besonderheit der Back Nine ist der Rhythmus aus jeweils drei Par-3- und drei Par-5-Bahnen. Das Finale führt an der 18 zurück zum Clubhaus. Mit 519 Metern ist dies die längste Bahn des Platzes, deren Weg zum erhöhten Grün sich optisch immer weiter verengt.
Der Golf d’Étretat ist eine außergewöhnlich schöne Anlage, die sich besonders im Frühsommer in einem Top-Zustand präsentiert. Die spektakulären Ausblicke suchen in Europa ihresgleichen. Wer nach der Runde die Erlebnisse Revue passieren lassen möchte, findet auf der Clubhaus-Terrasse oder bei einem Fischgericht im nahen Ortskern den perfekten Ausklang.
14 Apr 2026
Die berühmten Kreidefelsen der Normandie prägen das Bild von Golf d'Etretat. (Foto: Michael Althoff)
Impressionen aus dem Golf d'Etretat. (Fotos: Michael Althoff)